Kompromiss bis März 2023 - VBB und Studierende legen Streit zu Semesterticket auf Eis

Fr 28.01.22 | 17:01 Uhr | Von Georg-Stefan Russew
  3
Symbolbild: Bus in Frankfurt Oder. (Quelle: dpa/Schoening)
Bild: dpa/Schoening

Lange Zeit standen sich Studierendenvertreter und VBB nahe zu unversöhnlich gegenüber. Jetzt wurde in Sachen Semesterticket Druck aus dem Kessel genommen und ein Kompromiss für ein Jahr vereinbart. Von Georg-Stefan Russew

Die Auseinandersetzung um ein leistungsgerechtes Semesterticket für Brandenburger Studierende scheint vorerst befriedet zu sein. Der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) vermeldet am Freitag, dass ein Kompromiss mit einjähriger Laufzeit gefunden wurde. Studierende, Verkehrsunternehmen und Politik hätten sich nach VBB-Angaben darauf verständigt, dass für das Sommersemester 2022 und das Wintersemester jeweils 200 Euro fällig werden sollen.

"Es hat sich gelohnt, dass sich die Verhandlungspartner nochmals an einen Tisch gesetzt haben", lässt sich der Brandenburger Infrastrukturminister Guideo Beermann (CDU) in einer Mitteilung am Freitag zitieren. Der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD im Landtag, Erik Stohn, sprach von einem "Standortvorteil für die Wissenschaftslandschaft in Brandenburg".

Gutachten zu möglichen Preissteigerungen soll kommen

Es sei vereinbart worden, dass für die Fortführung des Semestertickets ab April 2023 Gespräche mit den Vertretern der Brandenburger Studierendenschaft fortgesetzt werden, heißt es in der Mitteilung des Infrastrukturministeriums. Dort ist von einem "fairen Angebot" die Rede.

Voraussetzung für die Studierendenschaft sei aber ein Gutachten, so Studierendensprecher Matthias Weingärtner, in dem festgestellt werden muss, wie teuer ein Semesterticket rechtlich überhaupt sein dürfe. Studierende könnten nicht mit Erhöhungen beim Bafög rechnen. Preisanhebungen müssten daher unbedingt in Relation bleiben.

Vor dem Kompromiss plante der VBB, bis März 2024 das Semesterticket auf 245 Euro zu verteuern. Viele Studierende an Brandenburger Hochschulen zahlten bislang aber nur 170 Euro für das Semester. Das wäre ein Plus von 75 Euro - also 44 Prozent - gewesen. An der Uni Potsdam kostete das Ticket bislang 188,16 Euro.

Dennoch bleibt Regelungslücke von einem Jahr

"Das 200-Euro-Ticket werten wir jetzt erstmal als Zwischenerfolg", unterstrich Weingärtner. Dennoch zeigte der Studierendensprecher sich trotz des erzielten Kompromisses reserviert. Schließlich sei noch nichts unterschrieben und in der VBB-Mitteilung heißt es, dass ein gemeinsames Gutachten für Ende 2022 lediglich avisiert sei. Laut VBB soll dieses für die künftige Ausgestaltung des Semestertickets ab Sommersemester 2024 als Grundlage für die zukünftigen Verhandlungen dienen.

Vorsicht ist aus Sicht der Studierenden auch geboten, weil der Kompromiss nur bis März 2023 gilt. Das angekündigte Gutachten soll erst für die neuen Verhandlungen ab dem Sommersemester 2024 Berücksichtigung finden - also ein Jahr später.

Studierende wollten schon ganz aus Semesterticket-Modell aussteigen

Der VBB-Aufsichtsrat hatte im September 2020 eine stufenweise Anpassung der Semesterticketpreise bis zum Wintersemester 2023/24 auf 245 Euro beschlossen. Zunächst hatten die Länder Berlin und Brandenburg Pandemie-bedingt eingegriffen und die anfallenden Mehrkosten für stabil bleibendes Semesterticket bis März 2022 übernommen.

In der Folge erklärte das Land Berlin, dieses Modell bis März 2023 fortzusetzen. Hier zahlen Studierende somit für die Tarifzonen ABC 199,80 Euro. Brandenburg hingegen sagte Nein und zog nicht mit. In der Folge verlangte der VBB 200 Euro (April 2022 bis März 2023) für das Semesterticket. Danach sollte eine Preisautomatik von drei Prozent mehr pro Semester eingeführt werden.

Die Brandenburger Studierenden lehnten den Vorstoß ab. Die Fronten waren verhärtet. Es kam zu Urabstimmungen unter anderem an der Europa-Universität Frankfurt (Oder), an der Uni Potsdam und der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Studierende drohten, aus dem Semesterticket-Modell aussteigen zu wollen, wenn sich an der Preisentwicklung sich nichts ändere. Die Fronten waren verhärtet.

Sendung: Brandenburg aktuell, 28.01.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Georg-Stefan Russew

3 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    Vielleicht sollten Sie sich etwas genauer informieren. Das Semesterticket ist bei 400€ pro Jahr (die 200€ gelten pro Halbjahr)teurer als das Azubi-Abo für den gesamten VBB. Und vielleicht sollten Sie nicht vergessen, dass man während des Studiums kein wirkliches eigenes Einkommen hat bzw Bafög - Schulden ansammelt. Und das eigene Einkommen kommt erst sieben bis 8 Jahre nach dem eines Azubis. Habe beides zuhause, Tochter studiert und Sohn macht eine Ausbildung. Und Studium ist mehr als nur Party.

  2. 2.

    Jammern auf höchsten Niveau - Respekt. Die, die mal die besten Einkommen erzielen, heute schon größtenteils gute Wohnlagen beziehen, neben dem Studium bei instagram oder Start-ups gründen, schreien nach Billigtickets. Das nenne ich Anspruchsdenken à la bonheur. Ein normales Ausbildungsticket reicht doch. Aber nein, die studieren ja und sind in keinem profanen Ausbildungsberuf.... Nomen est omen.

  3. 1.

    Es ist doch schön wenn Studenten Preise bestimmen wollen. Schliesslich muss sich doch das lustige Studentenleben finanzieren lassen.
    Wann kommen die Rentner mit ihren berechtigten Forderungen und danach die unverheirateten Frauen mit ihren Kindern?
    Schlimm genug dass sich viele Volksvertreter kostenfrei durch das Land bewegen können.

Nächster Artikel