Wriezener Bahn - Das Oderbruch hofft auf die Reaktivierung der Wriezener Bahn

Fr 11.02.22 | 14:54 Uhr
Mit ihrer Schienenkleinbahn 25 fahren die Mitglieder des Museums-Eisenbahnvereins Sternebeck die stillgelegte Strecke ab.
Audio: Brandenburg aktuell | 12.02.2022 | Fred Pilarski | Bild: rbb

Zwischen Werneuchen und Wriezen fährt seit 24 Jahren kein Zug mehr. Geht es nach dem Willen der Anlieger, soll sich das ändern. Die Zustimmung bei betroffenen Gemeinden und Unternehmen ist groß.

Angesichts des Klimawandels ist die Reaktivierung alter Bahnstrecken wieder in aller Munde. Mitte Januar stellte die Brandenburger Landesregierung ein Gutachten vor, nach dem unter anderem auch die Strecke von Werneuchen nach Wriezen (Märkisch-Oderland) wieder gute Chancen für eine Wiederinbetriebnahme hätte. Der Abschnitt der einstigen Wriezener Bahn ist seit über 24 Jahren stillgelegt: Wegen zu geringer Fahrgastzahlen und zugunsten einer Ortsumgehungsstraße waren die Schienen damals gekappt worden. Nur noch auf dem Stück zwischen Sternebeck und Wriezen sind gelegentlich noch Mitglieder eines Museums-Eisenbahnvereins unterwegs.

Eisenbahnverein kontrolliert die Gleise

"Wenn es zu einer Reaktivierung der Strecke kommt, spielen wir nur noch eine kleine Nebenrolle", sagt Bernd Graske vom Museums-Eisenbahnverein Sternebeck im Gespräch mit dem rbb. Dennoch wäre er über die Reaktivierung nicht traurig. Es sei ja der Sinn der Vereinsgründung gewesen, die Strecke vor der Entwidmung zu schützen.

Regelmäßig fahren die Eisenbahn-Enthusiasten mit ihrem Schienenkleinwagen 25 die letzten zwölf Kilometer der stillgelegten Strecke ab. Auf dem Abschnitt zwischen Sternebeck bis kurz vor Wriezen überprüfen sie die Weichen und kümmern sich um den Freischnitt der Gleise. Dabei ist die Strecke weder für den Personen-, noch für den musealen Verkehr zugelassen. Gestattet sind nur die Kontrollfahrten mit der kleinen Diesellok, die an diesem Tag von Bernd Graske gesteuert wird. Zudem pflegen die Vereinsmitglieder um Graske das alte historische Stellwerkhäuschen.

Ende der Wriezener Bahn

"Sehr wehmütig war mir zumute", sagt Vereinskollege Hans-Hermann Hennig über den letzten Betriebstag am 18. April 1998. Hennig wohnt seit 1975 in Sternebeck und bedauert die Stilllegung: "Es ist ja hier eine relativ schwach besiedelte Ecke. Aber der Zug wurde angenommen, es wurde gefahren, es wurde auch auf Arbeit gefahren." Viele Menschen seien zu DDR-Zeiten nach Leuenberg zum dortigen Sägewerk gependelt, andere zudem nach Wriezen. "Nicht jeder hatte damals ein Auto. Da konnte man die Bahn nutzen", sagt Hennig. Für den Fall einer Strecken-Reaktivierung erwartet er auch mehr Fahrgäste als in den letzten Jahren vor der Stillegung.

Auch das historische Stellwerkhäuschen wird von den Vereinsmitgliedern um Bernd Graske gepflegt.

Das Oderbruch werde immer interessanter für aufs Land ziehende Großstädter, sagt auch Wrizens Bürgermeister Karsten Ilm (CDU). Seit vier Jahre kämpfe seine Stadt intensiv um den Wiederanschluss. Für die Zukunft seien zwei Faktoren entscheidend, um im ländlichen Raum zeitgemäß leben zu können, so Ilm: Das seien die Schiene und schnelles Internet. "Der Breitbandausbau ist in unserer Stadt schon sehr weit vorrangeschritten", sagt der Bürgermeister. Wenn es dann noch mit dem Schienenanschluss nach Berlin klappe, "dann wird's richtig attraktiv hier zu leben und zu arbeiten".

Pendler würden profitieren

So empfindet es auch Jennifer Wiese. Die junge Frau arbeitet bei der Berliner Polizei, lebt aber in einem Dorf bei Wriezen. "In Berlin wird alles enger, alles teurer. So geht's vielen Leuten, die hier rausziehen. Nur müssen die dann irgendwie zur Arbeit kommen." Wiese fährt dafür mit dem Auto nach Werneuchen, um dort mit vielen anderen Pendlern in den Zug nach Berlin-Ostkreuz zu steigen. Es sei belastend, oft im Dunklen durch den Wald zu fahren, der Parkplatz in Werneuchen sei zudem oft überfüllt. Genau wie die Bahn. Viel schöner wäre es doch, sich einfach in Wriezen in den Zug setzen zu können, meint sie.

Die einstige Strecke verlief von Lichtenberg über Ahrensfelde, Werneuchen und Tiefensee nach Wriezen.

Um das zu ermöglichen, hat sich 2018 der Interessensverein Wriezener Bahn gegründet. Nach und nach gelang es den Gründern des Vereins, die Anlieger-Kommunen, den Landkreis, zahlreiche Privatpersonen und Unternehmen für die Idee zu begeistern. Wriezens Bürgermeister Karsten Ilm glaubt, dass allein auf dem stillgelegten Teilstück eine Region mit bis zu 30.000 Einwohnern zu erschließen wäre. Bus- und Radwege-Konzept sollen schon jetzt auf die Reaktivierung der Strecke hin abgestimmt werden. Mit einer eigenen Studie lässt der Interessenverein solche potentiellen Möglichkeiten gerade untersuchen.

Von der Bahn-Verlängerung würden auch Mitgliedskommunen wie Werneuchen und Ahrensfelde profitieren, die sich eine Entlastung für die Parkplätze und die Pendlerstrecke erhoffen.

Eigentümer müssen Reaktivierung zustimmen

Eine Schwierigkeit besteht darin, dass das stillgelegte Teilstück ab Werneuen im Moment drei Eigentümer hat: Der Abschnitt zwischen Werneuchen und Tiefensee gehört einer Gleisbaufirma, die die Reaktivierung begrüßen würde. Der Teil von Sternebeck bis Wriezen ist auch kein Problem. Eine Gesellschaft hat das Stück gekauft, offenbar um von einem Neuanfang zu profitieren.

Auf dem Mittelstück zwischen Tiefensee und Sternebeck bietet allerdings ein Draisinen-Unternehmen Touristenfahrten an. Das würde dann natürlich nicht ins Konzept passen. Andererseits würde Besitzer Axel Pötsch einem Neuanfang nicht im Wege stehen und sei für Angebote offen, sagte er dem rbb.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 11.02.2022, 14:10 Uhr

Mit Material von Fred Pilarski

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