Tote Tiere am ASP-Schutzzaun - Tierschutzbund stellt Strafanzeige gegen Landrätin der Uckermark

Mi 09.02.22 | 14:55 Uhr
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Rotwildkalb im Januar 20222 am ASP-Zaun in der Uckermark verendet. (Quelle: rbb/Riccardo Wittig)
Bild: rbb/Riccardo Wittig

Im Streit um den Schweinepest-Zaun an der Oder hat der Deutsche Tierschutzbund Strafanzeige gegen die Landrätin des Landkreises Uckermark eingereicht. Obwohl neues Tierleid zu erwarten sei, handele der Kreis nicht, so der Vorwurf.

Der Deutsche Tierschutzbund hat Strafanzeige gegen die Landrätin des Landkreises Uckermark, Karina Dörk (CDU) gestellt. Hintergrund ist der Streit um den zum Schutz gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) errichteten Zaun. Durch diesen sind in den letzten Wochen zahlreiche Wildtiere, die den Überflutungsbereich der Oder nicht verlassen konnten, verendet. Aus Sicht der Tierschützer erfüllt dies den Tatbestand der Tierquälerei.

Schritt sei laut Verband alternativlos

"Wir gehen diesen Weg nicht gern, sehen angesichts der Untätigkeit des Landkreises Uckermark aktuell aber keine Alternative", sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes zu der Strafanzeige. "Die Situation hat sich über Wochen kaum verändert, spätestens mit dem Frühjahrshochwasser im März steht den Wildtieren eine Katastrophe bevor, wenn jetzt nicht gehandelt wird."

Die Verantwortlichen des Landkreises Uckermark hatten am Montag in der Sondersitzung des Agrarausschusses des Brandenburger Landtags das Zerschneiden der Natura-2000-Landschaft und den qualvollen Tod von geschützten Tieren relativiert. Sie betonten, man wolle erst ein Monitoring zur Wirksamkeit der geschaffenen Rehdurchlässe und anderer Maßnahmen auswerten.

Vom Deutschen Tierschutzbund und seinem Landestierschutzverband hieß es, dies sei indiskutabel, da in wenigen Wochen mit neuem Hochwasser gerechnet werden müsse, was voraussichtlich den Ertrinkungstod vieler weiterer Tiere zur Folge hat.

Keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt

Außerdem hätte der Landkreis vor dem Errichten der Zäune eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchführen müssen, um die Auswirkungen auf das eingezäunte Schutzgebiet umfassend zu bewerten. Trotz Hinweis des Umweltministeriums wurde dies jedoch unterlassen.

Videos und Fotos von toten Rehen, die auch auf rbb|24 gezeigt wurden, führten zu einer bundesweiten Protestreaktion. Über 100.000 Menschen unterstützen über eine Internet-Petition die Versetzung eines Teils des Zauns.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.02.2022, 14:30 Uhr

22 Kommentare

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  1. 22.

    Das Schlimmste sind die selbsternannten Tierschützer, die die Anstrengungen von Fachleuten zunichte machen. Da wird gefüttert, was das Zeug hält, egal ob Wildschwein, Fuchs, Schalenwild..... Das Gehirn ist total ausgeschaltet, es herrschen nur Emotionen wie "die armen Tiere" , kein Zuhause usw. Argumente helfen bei dieser Spezies Mensch nicht, sie sind der Meinung, etwas Gutes zu tun.

  2. 21.

    Seien Sie mir nicht sauer, aber wer User so einfach angeht wie Sie, mit dem führe ich nicht mal einen schriftlichen Austausch ..! Aber schön, dass Sie sich angesprochen fühlen!

  3. 20.

    ...wobei jeder für sich klären möge, inwiefern der Unterschied von Klee und Giersch den Tierschützer als solches resp. dieses Thema betrifft...jetzt mal ohne Gedudel

  4. 19.

    Die Doppelmoral wird einmal mehr deutlich, wenn gleichzeitig kleinteilige Herdenschutzmaßnahmen gegen den Wolf von der CDU als vermeintliche "Verdrahtung der Landschaft" abgelehnt werden - obwohl Wild da problemlos drum herum laufen kann. Vielen Dank an den Tierschutzbund für die berechtigte Strafanzeige.

  5. 18.

    Na was glauben Sie wie es einem Dachs, Reh oder Fuchs geht, der von einem PKW angefahren wird?
    Vielleicht sollten sich all die "Tierschützer" mal mit konstruktiven Vorschlägen, als immer nur mit Gedudel zu Wort melden!?!
    Wer Biene nicht von Hummel, Gans nicht von Ente und Klee nicht von Giersch unterscheiden kann, der ist kein Tierschützer sondern ein belächelter Schreihals!

  6. 17.

    Wenn ich es richtig recherchiert habe, liegt Mahlow NICHT im Unteren Odertal, um das es hier geht!?

  7. 16.

    ... wonach mögen andererseits diejenigen gerochen haben, die die Öffnungen gemacht haben?

  8. 15.

    Leider ist es so, dass Verantwortliche bzw. Fachleute vor Ort befragt wurden, die ihre Einwände vorzeigen...jedoch flissentlich ignoriert wurden! DAS ist ja gerade das Tragische: das Elend, das hätte verhindert werden können, willkürlich in Kauf genommen!

  9. 14.

    Unfälle sind das Eine... willkürlich - wider besseren Wissens (Fachleute haben ihre Einwände hervorgehoben!)- ausgeführtes Handeln ist das Andere!

  10. 13.

    Der Wildtierbestand ist der Politik sch...egal. Es geht einzig und allein um den Schutz der Schweinemastindustrie. Für Bauern mit zehn Schweinen würde man diesen Aufwand auch nicht betreiben.

  11. 12.

    Wie viele nicht verantwortliche "Verantwortliche" sitzen in den Ämtern rum und kassieren ihr Gehalt, egal was sie veranstalten? Da kommt keiner auf die Idee in einem Überschwemmungsgebiet den Zaun auf den Deich zu stellen, anstatt davor? Oder einfach mal jemanden fragen, der sich damit auskennt? Ist der Kopf nur zum Haare schneiden da? Richtig so mit der Anzeige! Nur wenn mal jemand zu Verantwortung gezogen werden würde, würde sich daran auch mal was ändern!

  12. 11.

    Klar, weg mit dem Zaun. Dann reduziert sich die Schweineplage in Mahlow in absehbarer Zeit von allein. ** Sarkasmus Ende
    Schön wäre es, wenn der Tierschutzbund mal was konstruktives macht und sich mit dem Landrat zu Lösungen zusammensetzt. Aber in der heutigen Zeit ist Lautsein und alle möglichen Leute verklagen, das einzige, was einige können.

  13. 10.

    An der Afrikanischen Schweinepest krepieren die Schweine elendig. Da ist Erschießen wirklich der mildere Tod, so hart das auch klingen mag.

  14. 9.

    Nicht nur der sogenannte ASP Zaun wird zur Todesfalle auch die Netzfallen in denen das Schwarzwild abgeschlachtet wird. Ich frage mich was sind das für Menschen die im Stande sind so etwas zu tun. Ich hoffe das der Tierschutz Verein sich dieser Sache annimmt. Es muss Schluss sein mit diesem abschlachten. Die bringen nur Leid und Tod über unser einheimisches Wild.

  15. 8.

    Also meines Wissens wurden schmale Lücken in den Zaun gebaut, damit die Tiere dort durchschlüpfen können. Wenn aber nun irgendwelche selbsternannten Tierschützer an diesen Lücken Futter auslegen und ihre menschliche Duftnoten hinterlassen, geht dort kein Wildtier mehr durch. Die Strafanzeige sollte daher in erster Linie gegen diese „Tierschützer“ gestellt werden.

  16. 7.

    Na typisch wie immer bei den Politikern: "Kopf hoch - auch, wenn der Hals dreckig ist!"

  17. 6.

    Was heißt hier die Leute haben von irgendjemanden gehört ... Ja natürlich sterben Tiere jeden Tag an der natürlichen Auslese. Wenn die Tiere in der Natur leben passieren auch Unfälle. Aber ein Hindernis zu Bauen ohne nachzudenken ist schon strafverscherfend. Wie sollen Tiere die vielleicht, wenn es trocken wäre, drüberspringen könnten. Nur wenn sie knöchelhoch im Wasser stehen geht das nicht mehr oder die springen nicht so hoch und verfangen sich im Zaun und verändern qualvoll.

  18. 5.

    Richtig so, bitte klagen bis zum Abwinken und nicht nachgeben. Die armen Tiere verenden und Frau Dörk scheint das völlig egal zu sein.

  19. 3.

    100.000 zu 80 Mio! Wow.
    Die Leute haben zu viel Zeit. Bricht die Schweinepest aus: meckern. Schützt man davor nicht: meckern.

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