Ukrainischer Viadrina-Student - "Meine Eltern haben sich verbarrikadiert"

Fr 25.02.22 | 14:02 Uhr
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Symbolbild: Menschen in Kiew halten sich zur Sicherheit in einem U-Bahnhof auf. (Quelle: dpa/Ratynskyi)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.02.2022 | Ihor Zakharchenko | Bild: dpa/Ratynskyi

Der Krieg in der Ukraine besorgt auch ukrainische Studierende in Frankfurt (Oder). Einer von ihnen ist Ihor Zakharchenko, der um seine Familie bangt. Sein bester Freund habe sich zudem für den Militärdienst gemeldet. Zakharchenko möchte anders helfen.

Nach dem Beginn der Angriffe russischer Truppen am Donnerstag auf Städte und Militärziele in der Ukraine hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski eine allgemeine Mobilmachung angeordnet. Diese sieht die Einberufung von Reservisten und Wehrpflichtigen vor. Zudem dürfen Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren das Land derzeit nicht verlassen.

Bester Freund zieht in den Krieg

Die Situation beschäftigt und besorgt auch junge Männer, die mit ukrainischen Wurzeln in Deutschland leben – wenn auch teilweise nur indirekt. "Mein bester Freund sagte mir: 'Ja, ich gehe auch in den Krieg'", sagt Zakharchenko. Er wohnt und studiert in Frankfurt (Oder), kommt aber ursprünglich aus Charkiw, einer ostukrainischen Millionenmetropole rund 50 Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt. Seine Familie und viele seiner Freunde wohnen jedoch noch dort.

"Meine Eltern haben sich verbarrikadiert", sagt Zakharchenko im Gespräch mit dem rbb. Sie hätten den Krieg bereits hautnah miterlebt. Bereits am Donnerstagmorgen seien sie von Bombenexplosionen geweckt worden, berichtet ihr Sohn in Deutschland.

Seine Eltern halten sich extra in einem Zimmer ohne Fenster auf, wie er weiter berichtet: "Andere Fenster haben sie mit Schränken und so weiter blockiert." Auch seine Großeltern würden sich seit Beginn der Kriegshandlungen zur ihrer Sicherheit in einem Keller in ihrem Dorf aufhalten. "Da haben sie Klamotten, Essen und Wasser hingebracht", sagt Zakharchenko.

Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte

Die Ereignisse, die ihm aus seinem Heimatland und in den Medien berichtet werden, beunruhigen den jungen Mann. Sein bester Freund, der sich zum Militärdienst gemeldet hat, habe ihm ein Video geschickt, dass ihn bereits mit "voller Munition" zeige. "Er weiß nicht, wie es weitergehen wird. Deshalb hat er sich von mir verabschiedet", sagt Ihor Zakharchenko und fügt unter brüchiger Stimme an: "Falls er nicht mehr (räuspert sich) verfügbar sein wird, sagen wir so."

Zakharchenko selbst will nicht zum Militär. "Ich weiß nicht, wie gut ich als Kämpfer wäre", sagt er. Dennoch möchte er sein Heimatland und auch das ukrainische Militär unterstützen. "Ich glaube, ich werde eine zweite Arbeit finden oder einfach mehr arbeiten, als ich jetzt mache, um so den Großteil meines Gehaltes an die Verteidigungskräfte der Ukraine zu schicken." Er hofft, mit dem Geld mehr zu helfen als mit seiner körperlichen Präsenz.

Er will außerdem sein Studium in Deutschland fortführen. Auch wenn seine Gedanken weiterhin um seine Heimat, seine Familie und seine Freunde kreisen. "Hoffentlich bleiben sie alle gesund und lebendig", sagt Ihor Zakharchenko.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 25.02.2022, 15:10 Uhr

Mit Material von Philip Barnstorf

4 Kommentare

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  1. 4.

    Macht mich sehr traurig. Ich wünsche allen Männern dort, die nicht kämpfen wollen, dass sie geeignete Verstecke finden oder ihnen trotzt allem die Flucht gelingt.

  2. 3.

    Hoffentlich demonstriert der junge Mann nicht für einen NATO-Einsatz...

  3. 2.

    Wir sind seit gestern in der von Putin gezimmerten Realität angekommen. Ihn militärisch anzugreifen ist in jedem Fall sinnlos, da er in jedem Fall der Stärkere bleibt (notfalls in einer Allianz mit China und CO).

  4. 1.

    Diese Situation macht mich fertig. Niemals hätte ich gedacht, das im 21. Jahrhundert noch jemand mit solch primitiven Mitteln wie Überfall und Krieg ein anderes Land seinen Willen aufzwingt. Was für ein armseeliger kranker alter Mann Putin doch ist. Und zum ersten Mal erlebe ich aber auch, dass die meisten Männer ihr Land verteidigen wollen und nicht flüchten.
    Ich hoffe für alle Ukrainer, das dieses Trauma schnellstmöglich beendet wird und alle gesund bleiben.

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