1.000 Kilometer mit dem RTW - Frankfurter Rettungssanitäter transportieren Patienten aus der Ukraine nach Deutschland

Fr 11.03.22 | 16:41 Uhr | Von Sabine Tzitschke, Tony Schönberg
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Eine ältere Frau liegt auf einer Trage in Irpin, Ukraine, vor einem Krankenwagen. (Quelle: dpa/Diego Herrera)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.03.2022 | Marcus Asmus und Sanitäter Sven Oberländer | Bild: dpa/Diego Herrera

Viele medizinische Einrichtungen in der Ukraine sehen sich derzeit mit der Lage überfordert. Dort helfen nun Rettungssanitäter aus Brandenburg aus und organisieren für Patienten den Transport nach Deutschland.

Seit dieser Woche gibt pendeln Rettungsfahrzeuge des Vereins "Paramedic Brandenburg e.V." zwischen Brandenburg und der Stadt Lwiw im Westen der Ukraine, rund 70 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt. Die Helfer transportieren vor allem Kranke und Verwundete, die kaum Chancen haben selbstständig überfüllte Busse oder Züge zu erreichen.

Der Verein "Paramedic Brandenburg e.V." sitzt in Frankfurt (Oder) und ist nach eigenen Angaben eine Gruppe bestehend aus internationalen Sanitäts- und Rettungsdienstlern. Die Männer und Frauen haben es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, in Notsituationen oder beim Katastrophenschutz zu helfen. So auch im Krisengebiet in der Ukraine.

Krankenhäuser am Limit

Bis jetzt ist das Team zwei Mal mit insgesamt drei Rettungswagen in der Ukraine gewesen, erzählt der Vereinschef Sven Oberländer dem rbb. Die Lage sei angespannt, da Krankenhäuser zum Teil nicht mehr in der Lage seien, die Versorgung zu gewährleisten. So komme es oft zu Stromausfällen. Darüber hinaus gebe es Mangel an Personal und Verbrauchsmaterialien.

Am Samstag will Oberländer nun die dritte Tour mit insgesamt drei Rettungswagen starten, um zu Unterstützen. "Erster Anlaufpunkt ist jeweils Lemberg (Lwiw, Anmerk. d. Red.). Von dort aus kommt die Zuweisung der Patienten in den umliegenden Städten, Städtchen und Krankenhäusern. Und dann hoffen wir, dass wir wieder möglichst viele Leute mit rauskriegen und heil an der deutschen Grenze ankommen."

Krankentransport ohne Diagnose

Oftmals sei vor der Übernahme der Patienten vor Ort noch nicht einmal klar, welche medizinische Behandlung überhaupt benötigt werde. "Das geht im Moment organisatorisch nicht anders", sagt Oberländer. "Wir haben aber dann auf der Rückfahrt zehn Stunden Zeit, das mit dem Ziel-Krankenhaus zu finden und zu regeln." Zurück an der deutsch-polnischen Grenze werden die Patienten dann an den deutschen Katastrophenschutz übergeben. Diese übernehmen dann den Weitertransport an die Ziel-Krankenhäuser.

Der Paramedic-Vorsitzende berichtet von der Notwendigkeit der Arbeit. Bereits der erste Fall in der Ukraine habe es in sich gehabt. "Das war ein 16-Jähriger, der aus dem sechsten Stock gestürzt ist und entsprechende Frakturen und Probleme hatte. Es ist schonmal ein Wunder, dass er das überlebt hat. Wir hoffen, dass man ihm hier soweit helfen kann, dass er vielleicht nicht den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen muss. Wir drücken die Daumen." Mittlerweile sei der 16-Jährige zur Behandlung in einem Bremer Krankenhaus angekommen.

Sprit-Preise erschwerer Rettung

Die Notfall- und Rettungssanitäter aus Brandenburg sind ehrenamtlich unterwegs. Pro Tour legt das Team rund 2.000 Kilometer zurück. Doch angesichts der steigenden Kraftstoff-Preise gehe das an die finanziellen Reserven. "Das sieht man an jeder Tankstelle, wenn man auf die Preisschilder guckt. Die Kosten für Kraftstoff sind natürlich in Polen ein bisschen niedriger, aber haben auch angezogen." Hinzu komme der Verschleiß der Fahrzeuge.

Die Ausgaben wurden bisher zum Großteil aus der Vereinskasse getragen. Nun hofft der Verein auch auf Unterstützung von außerhalb, etwa durch Spenden. Deshalb wurde im Internet ein Aufruf gestartet, so wurden bis zum Freitag über 4.000 Euro gesammelt.

Neben Geld für Treibstoff sei man außerdem auch auf der Suche nach Rettungswagen. Diese seien aber derzeit in Europa Mangelware.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.03.2022, 08:10 Uhr

Beitrag von Sabine Tzitschke, Tony Schönberg

8 Kommentare

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  1. 8.

    Dann spenden Sie doch einfach an irgendeine andere seriöse Organisation. Hier z.B.können Sie sich wohl sicher sein, dass Ihr Geld auch tatsächlich dort ankommt, wo es benötigt wird.: https://www.tagesschau.de/spendenkonten/spendenkonten-133.html

  2. 7.

    Ich konnte dem Beitrag nicht entnehmen, ob der junge Mann geimpft ist, oder nicht. Aber vielleicht wissen Sie ja mehr? Und selbst wenn er nicht geimpft ist, darf man ihm trotzdem nicht die Hilfe verweigern. Oder werden hier in Deutschland Verunfallte mit multiplen Brüchen auch nicht behandelt, wenn sie nicht geimpft sind?

  3. 6.

    2000 km für einen ungeimpften 16jährigen? Darf der überhaupt ins Bremer Krankenhaus? Merkt ihr eigentlich irgendwann eure Doppelmoral oder nie mehr?

  4. 5.

    Ich frage mich wirklich, wenn man schon so einen beeindruckenden Beitrag druckt, warum man nicht gleich das Spendenkonto angibt. Wenn man auf die Seite des Vereins geht, ist die Homepage "noch nicht ganz fertig". Schade, ich hätte gerne was gespendet.

  5. 4.

    Nähere Infos unter www.paramedics-Brandenburg.de Dort auch Infos in Englisch und Russisch

  6. 3.

    Hallo Caro, man kann leider nicht alle Ktn -Nummern veröffentlichen. Versuche es bitte unter www.paramedics-brandenburg.de

  7. 1.

    Respekt! Lieber rbb, könnten Sie bitte die Konto Nr. des Vereins veröffentlichen? Ich hoffe, dass das zusätzliche Spender motivieren wird. Danke.

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