Trinkwasser aus der Spree - Sulfat erschwert Trinkwasseraufbereitung in Briesen

Mi 13.04.22 | 11:48 Uhr
Wasserwerk Briesen (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.04.2022 | Michael Lietz | Bild: rbb

Einen Monat hat es im Osten Brandenburgs nicht geregnet. Dadurch sinkt nicht nur der Pegel der Spree, es erhöht sich auch der Sulfat-Gehalt im Wasser. Und das wird ein zunehmendes Problem für die Trinkwasseraufbereitung.

Gerd Weber blickt mit Sorge auf die gemächlich dahinfließende Spree. Als Geschäftsführer der Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA) ist er verantwortlich, dass 65.000 Menschen in Frankfurt (Oder) und Umgebung mit sauberem, unbedenklichem Trinkwasser versorgt werden. "Wir geben uns Mühe, das saubere Trinkwasser zu erhalten, aber garantieren kann das, glaube ich, gerade niemand", sagt Weber.

Das Problem ist die immer höhere Konzentration an Sulfat in der Spree. Sulfat ist ein Salz der Schwefelsäure. Es ist in Wasser löslich und in hohen Konzentrationen verursacht es Durchfall, außerdem greift es Metalle und Beton an.

Spreewasser muss mit Grundwasser vermischt werden

Da es in der Region nicht genügend Grundwasser gibt, wird zur Trinkwasserproduktion im Wasserwerk Briesen Wasser aus der Spree geleitet. Spreewasser wird in nahe gelegene, so genannte Filtrationsbecken gepumpt. Jedes ist über 400 Meter lang. Hier versickert das Spreewasser wieder und wird dabei von Schwebeteilchen gereinigt. Beim Versickern des stark sulfathaltigen Spreewassers vermischt es sich mit Grundwasser. Dabei wird die Sulfat-Konzentration leicht verringert. Dieses Gemisch aus Spree- und Grundwasser wird über Brunnen gefördert und im Wasserwerk Briesen zusätzlich von Eisen und Mangan befreit.

Wasserwerk Briesen (Quelle: rbb)Das Wasser aus der Spree versickert im Filterbecken und wird anschließend wieder hoch gepumpt und weiter gereinigt.

Doch das System stößt an seine Grenzen, weil die Sulfatkonzentration in der Spree immer weiter steigt. Zum Verdünnen der Sulfat-Brühe, wird so immer mehr Grundwasser benötigt. Der Grund für die hohe Sulfat-Konzentration liegt flussaufwärts, in den Lausitzer Braunkohlegebieten. Das Salz wird beim Absenken des Grundwassers in aktiven Tagebauen freigesetzt. Aber auch beim Befüllen alter Tagebaue, wie dem Cottbuser Ostsee.

Aus diesem Grund klagt die FWA gegen die Genehmigung, den Ostsee zu füllen. "Es muss berücksichtigt werden, dass im Unterlauf der Spree Trinkwasser gewonnen wird", sagt Geschäftsführer Weber. Er fordert daher, dass das Wasserwerk unterstützt wird, mit dem Sulfat umzugehen.

Die Investitionskosten soll das Wasserwerk zahlen

Eine Möglichkeit wäre hierbei das Sulfat über eine Entsalzungsanlage herauszufiltern. Doch diese Investition lohne sich nicht, sagt Weber. Die technische Aufbereitung sei enorm teuer und würde für die Bürgerinnen und Bürger Frankfurts hohe Wasserkosten mit sich bringen. Am Wasserwerk in Briesen soll eine einfachere Variante helfen: frisches Grundwasser wird aus einer anderen Region geholt, um das Sulfat zu verdünnen. Diese Möglichkeit gibt es in Müllrose (Landkreis Oder-Spree), ein paar Kilometer von Briesen entfernt. Hier steht ein altes Wasserwerk, das neu an das Frankfurter Trinkwassernetz angeschlossen werden kann. Die Gesamtkosten von 10 Millionen Euro soll das FWA zahlen.

Doch langfristig könnte Sulfat noch das geringere Übel werden, befürchten Pessimisten. Werden die aktiven Tagebaue im Lausitzer Revier irgendwann stillgelegt, wird das Grundwasser dort nicht mehr abgesenkt. In der Spree bei Briesen könnte dann nicht nur Wasser mit höher Sulfatkonzentration ankommen – sondern sehr viel weniger Wasser als heute.

 

Mit Material von Michael Lietz.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.04.2022, 14:12 Uhr

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