Landschaft in Märkisch-Oderland - Oderbruch wird europäisches Kulturerbe

Do 28.04.22 | 12:39 Uhr
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Der deutsch-polnische Grenzfluss Oder im Oderbruch, einer Kulturlandschaft im Osten des Landes Brandenburg.
Bild: dpa-Zentralbild

Die Kulturlandschaft Oderbruch erhält das europäische Kulturerbe-Siegel. Das teilte die Europäische Kommission in Brüssel am Donnerstag auf ihrer Internetseite mit.

Ausgezeichnet wurde Europas größte besiedelte Polderlandschaft, weil die Ideale und Geschichte der EU hier in besonderer Weise symbolisiert werden, wie es von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Kulturerbe Oderbruch hieß. Damit bekomme erstmals in der Geschichte des Siegels eine gesamte Landschaft diese Anerkennung.

Akteure vor Ort hatten sich lange darum bemüht. 36 Oderbruch-Orte hatten sich dem Vorhaben angeschlossen, das über zwei Jahre vorbereitet wurde. Mit der Auszeichnung soll das Oderbruch an öffentlicher und politischer Aufmerksamkeit gewinnen.

Im 18. Jahrhundert entstanden

Die Region ist nach der Trockenlegung vor knapp 270 Jahren entstanden, wurde durch Preußenkönig Friedrich II. mit Kolonisten besiedelt und wird durch ein ausgeklügeltes Wassersystem als Lebensraum erhalten.

Nur zwei Projekte - neben dem Oderbruch das Kloster Fulda nebst Petersberg in Hessen - hatte die deutsche Kultusministerkonferenz 2020 zur Bewerbung an die EU-Kommission weitergeleitet. Die Corona-Pandemie hatte das weitere Prozedere erschwert. Unter anderem hatten die Bewerber für eine Präsentation zur Europäischen Kommission nicht nach Brüssel fahren können. Eine Entscheidung war ursprünglich für den Herbst vergangenen Jahres angekündigt worden.

Keine direkte Finanzierung aus EU-Fördermitteln

"Das Oderbruch ist eine einzigartige Kulturlandschaft, an der sich europäisches Kulturerbe besonders spannend nachvollziehen lässt", sagte am Donnerstag Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle. Die brandenburgische Geschichte schaffe nicht nur Identität vor Ort, sie weise auch in die Zukunft und stehe für ein modernes Europa, so Schüle.

Die kommunale Arbeitsgemeinschaft Kulturerbe Oderbruch hatte die Bewerbung des Oderbruchs entwickelt. Das Oderbruch Museum Altranft fungierte dabei als Koordinationsstelle. Das Land unterstützt nach eigenen Angaben das Museum bis Ende 2024 mit mehr als 400.000 Euro. Die Kulturstiftung des Bundes soll den Transformationsprozess einzelner Orte und der gesamten Kulturlandschaft über fünf Jahre mit etwa 1,5 Millionen Euro finanzieren.

Mit der Verleihung des Siegels an eine Stätte ist nach Angaben der Kultusministerkonferenz keine direkte Finanzierung aus EU-Förderinstrumenten verbunden. Allerdings können die mit dem Siegel ausgezeichneten Stätten Fördermittel aus anderen EU-Programmen beantragen.

Sechste deutsche Stätte mit dem Siegel

Seit 2011 zeichnet die Europäische Union europäische Kulturdenkmale, Kulturlandschaften, kulturelle Stätten und Gedenkstätten mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel aus. Für eine solche Auszeichnung qualifiziert sind Stätten, die symbolisch und beispielhaft für die europäische Einigung sowie die Ideale und Geschichte Europas bzw. der Europäischen Union stehen. Insgesamt 48 Stätten europaweit hatten bisher das Siegel erhalten, in Deutschland waren es fünf.

Sendung: rbb24 Inforadio, 28.04.2022, 13 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Erst mal einen herzlichen Glückwunsch an allen die daran mitgewirkt haben. Aber! Eine Auszeichnung für die größte Umweltzerstörung des 18. Jahrhunderts? Das Oderbruch war mal das größte Binnendelta in Europa. Heute wäre diese Umgestaltung undenkbar. Unterm Strich hat man mehr verloren, als man gewonnen hat. Ich hoffe, dass man das Bild des Ursprünglichen Bruchs deutlicher zeichnet und endlich eine ernste Diskussion um die Schattenseiten der Trockenlegung geführt wird. Geschichte lässt sich auch verklären.

  2. 2.

    Jo, endlich geschafft! Die Landschaft, die ganze Gegend hier ist so schön. Hier lässt es sich wirklich gut leben.

  3. 1.

    "Die Region ist nach der Trockenlegung vor knapp 270 Jahren entstanden, wurde durch Preußenkönig Friedrich II. mit Kolonisten besiedelt" - Und wenn es damals die zahlenmäßig kleinen Verbände, wie Grüne Liga oder DuH schon gegeben hätte, hätten wir dann kein Kulturerbe? Aber Spaß beiseite, wie wird sich wohl die polnische Seite beim Oderausbau verhalten, um dieses Erbe zu bewahren? Sollten wir nicht nun doch besser mitgestalten, so wie vor 270 Jahren auch gestaltet wurde? Veränderungen durch Anstrengungen schaffend zu begleiten ist besser als "Festkleben"...

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