Landkreis Oder-Spree - Vier neue Windräder in Jacobsdorf müssen wieder abgebaut werden

Do 12.05.22 | 18:37 Uhr
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Ein Windrad wird demontiert (Bild: dpa/Norbert J. Sülzner)
dpa/Norbert J. Sülzner
Audio: Antenne Brandenburg | 12.05.2022 | Michael Lietz | Bild: dpa/Norbert J. Sülzner

Weil eine baugleiche Anlage eingestürzt ist, stehen insgesamt 22 Windkraftanlagen bundesweit auf dem Prüfstand. In Oder-Spree ist der Rückbau nun beschlossene Sache. Ob an gleicher Stelle Ersatz geschaffen werden kann, ist bislang aber unklar.

Es ist ein herber Rückschlag in Zeiten der Energiewende: Vier Windräder in Jacobsdorf (Oder-Spree) müssen abgebaut werden. Seit Monaten stehen die Anlagen still, obwohl sie erst im vergangenen Jahr errichteten worden waren. Der Grund: Ein baugleiches Modell ist Ende September in Nordrhein-Westfalen eingestürzt [wdr.de].

Mittlerweile steht fest: Auch die vier Turbinen in Jacobsdorf sind nicht mehr zu retten. Das hat der Betreiber der Anlagen, die Energiekontor AG, auf Anfrage dem rbb mitgeteilt. Warum die Anlagen nicht standsicher sind, ist nicht bekannt. Der Hersteller Nordex spricht allgemein von "dynamischen Prozessen".

Eine neue Dimension

"Wir können uns das nicht erlauben, wenn wir den klimaneutralen Pfad gehen wollen", sagt Jan Hinrich Glahr vom Landesverband Windenergie. Die Dimension sei seiner Meinung nach neu.

Insgesamt 22 baugleiche Anlagen werden derzeit deutschlandweit überprüft. Ob sie alle abgerissen werden müssen, entscheiden derzeit die Behörden, der Hersteller und die Betreiber der Anlagen. Für Glahr sei das wie eine Rückrufaktion in der Automobilindustrie: "Das kann mal passieren. Das ist dann unglücklich und ich hoffe, dass das schnell gelöst wird."

Die betroffenen Windanlagen sind unten achteckig, einzelne Stahlbeton-Platten sind miteinander verbunden. Erst in luftiger Höhe ist der bekannte runde Turm mit den Rotoren montiert. Bei Prenzlau (Uckermark) war eine im Bau befindliche Anlage Ende März gesprengt worden. Auch im Windpark Jacobsdorf ist ein solcher Rückbau nicht ausgeschlossen.

Kein gültiger Teilregionalplan Wind

Das Problem wird aber noch durch einen weiteren Faktor verschärft: Für Oderland-Spree gibt es derzeit keinen gültigen Teilregionalplan Wind, der Flächen zur Errichtung ausweist. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte diesen wegen formeller Fehler Ende September gekippt. Der Plan gilt für die Landkreise Märkisch-Oderland und Oder-Spree sowie für die kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder).

Die Zufahrt zu den Windrädern bei Jacobsdorf ist bereits gesperrt.

"Muss es ein neues Genehmigungsverfahren geben oder darf man schlicht und ergreifend am selben Standort die Anlagen wieder errichten? Alles das ist jetzt Gegenstand der Klärung, und wir hoffen, dass das schnell geht", sagt Jan Hinrich Glahr.

Am Freitag, den 13. Mai soll es ein Treffen der Regionalen Planungsstelle Oderland-Spree geben. Dort soll nach rbb-Informationen beschlossen werden, den Teilregionalplan neu aufzustellen. Bis dieser in Kraft tritt, kann es jedoch mehrere Jahre dauern.

Moratorium soll Wildwuchs verhindern

"Spätestens mit der Bekanntmachung der Beschlüsse im Amtsblatt für Brandenburg beginnt das sogenannte Moratorium", sagt Wolfgang Rump von der Planungsgemeinschaft. In dieser Zeit gilt ein Aufschub von schon genehmigten Neubauten, wie er weiter ausführt: "Die Gefahr eines Wildwuchses wird durch den Beschluss dann abgewendet werden."

Bis zum Abriss der vier Anlagen im Windpark Jacobsdorf soll das Gelände großräumig abgesperrt werden. Der Rückbau soll zeitnah erfolgen.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 12.05.2022, 16:10 Uhr

Mit Material von Michael Lietz

19 Kommentare

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  1. 19.

    Gut, vermutlich haben Sie doch verstanden, dass die Kernaussage eines Konsens, durch eine Abstandsregel, nicht durch Lächerlichkeit populistisch, mit wahrheitswidrigen Behauptungen, wie Infraschall sei ein „Verhinderungsgrund“ aufzuweichen.
    Aber das Sie nun selbst drauf gekommen sind, was Infraschall ist, muss man nun an dieser Stelle, nun wirklich nicht weitermachen. An anderer Stelle passt das dann wieder.
    Es bleibt die Kernaussage: schafft man den Konsens Abstand ab, wird es öfter länger dauern.... Wetten das?

  2. 18.

    Ich bitte um Entschuldigung, dass ich fälschlicherweise davon ausging, dass auch Infraschall Schall sei. Da hat wohl mein Lehrer nur dumm herumgeschwurbelt. Er meinte nämlich, dass Infraschall als Schall unterhalb des menschlichen Hörbereichs definiert sein. Man man nicht alles in der 7. ider 8. Klasse für bare Münze hält... Der Irrtum ist so weit verbreitet, dass er sogar in der TA Lärm zu finden ist.

  3. 17.

    Ihr wahrheitswidriger Versuch „Schallemmission“ mit Infraschall gleichzusetzen kann als gescheitert angesehen werden. Verunglimpfungen werden leidenschaftlich bekämpft... der Sache wegen..

  4. 16.

    Dass auch Berlin Nachholbedarf hat, habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben, hier aber noch nicht, weil das Thema dieses Artikels eigentlich der Abriß von WKA aus Sicherheitsgründen ist.

  5. 15.

    Sie sind dort sogar auf den verlinkten Artikel zu einem Urteil aus Frankreich eingegangen - und der Kommentar kam nicht vom Florian. Sie selber brauchten auch die Schallemission in die Diskussion ein.

  6. 14.

    Sie kennen Windkraftanlagen vermutlich nur aus der Theorie und von lesen. Sie sollten mal in die Nähe einer gehen, gerne auch mit etwas Abstand und dann werden sie feststellen das die permanenten Geräusche eben nicht egal sind. Aber als nicht betroffener und dazu noch Berlin kann man ja ruhig alles als Blödsinn abstempeln.

  7. 13.

    Warum holen Sie Argumente von 10 km Entfernten hier? Wollen Sie direkt Betroffene lächerlich machen?
    Werder wurde vom Prozess ausgeschlossen. Pillepalle Anhörungen für Alibizwecke zählen nicht.

  8. 12.

    Man sollte sich gut Ueberlegen ob man der Windkraft in unmittelbarer Umgebung Zustimmt, den der Infraschall, die Schallübertragung um Erdreich , ist unerträglich und kann nicht abgestellt werden. Wir leiden sehr darunter. Der Industrie sollten Auflagen erteilt werden diese Infraschall zu Elemieren oder so zu Dämpfen das er nicht mehr wahrnehmbar ist. Windkraft ja, aber nicht Krankmachend wie Tür Zeit üblich.
    Boesi als Leidtragender

  9. 11.

    Och, auch aus Werder durfte man seine Einwände vortragen. Nur waren da eben auch Menschen dabei, die 10 km weg wohnen. Einwände sollten dabei aber mehr sein als nur Geschwurbel. In einer Demokratie kann man es eh nicht allen Recht machen. Eine Fundamentalopposition hilft dabei aber erst Recht nicht weiter.

  10. 10.

    Im Parallelartikel ist kein einziger darauf eingegangen, dass man wegen Infraschall WKA nicht genehmigen sollte - kein Einziger. Nur "Florian" behauptet das. Und Sie kommen hier mit einem "Nebenkriegsschauplatz Paderborn" der nicht entscheidend ist... Aber Sie haben recht, kippt die Abstandsregel, dann wird es endlos mehr beschäftigte Gerichte geben. Auch wenn diese dann verloren gehen, so ist das strategische Ziel "Verhindern/Zeit gewinnen" erreicht. Wollen Sie nicht doch besser einsehen, das ein Konsens zu mehr Anlagen schneller führt? Der Konsens hat einen Namen: Abstandsregel...

  11. 9.

    Also Herr Neumann, es ist sehr unhöflich wie Sie immer andere Menschen abkanzeln die nicht ihrer Meinung sind. Ich selber kenne Leute, die mit WKA in ihre Nähe Probleme haben. Sie deshalb keine Gegner von Windkraft, hätten sich aber ein größeren Abstand gewünscht. Was halten Sie von Windrädern im Grunewald, wäre auch nicht schlecht. Berlin hat Nachholbedarf bei Windrädern!

  12. 8.

    Im Parallelartikel war der Infraschall gerade wieder Thema und beschäftigt weiterhin in D. die Gerichte, s. z.B.
    https://www.nw.de/lokal/kreis_paderborn/borchen/23257024_Klage-wegen-Infraschall-von-Borchener-gegen-Windkraft-Betreiber-abgewiesen.html
    1.200 m sind dabei aber eben ganz banal mehr als 1.000, die das Land beschließen will.

  13. 7.

    "Soso, krank! Wie damals auch bei den Handymasten" - Das ist Verunglimpfung und wahrheitswidrig.
    "Eignungsgebiete" kann man viele, vom Schreibtisch aus, ohne vor Ort Kenntnisse, festlegen. Wenn man mal "hochkommt" und sich vor-Ort-Kenntnisse aneignet, dann blockiert man auch nicht. Die Blockierer sind diejenigen, die glauben es geht mittels Verwaltungsrecht, gegen die Betroffenen schneller, weil man es darf und kann... einschließlich "halbseidener" Tricks wie in Werder oder Luckenwalde. Die Krux ist, dass in Teilen ungerechte VR erst dann die Leute beschäftigt, wenn sie selbst betroffen sind, vorher nicht. In Luckenwalde übrigens schon 20 Jahre lang!!!

  14. 6.

    Sie sind "zu weit weg". 250m hohe Anlagen nur 1,2 km von Siedlungen entfernt, erfordert doch mindestens eine Beteiligung/Anhörung statt trickreiche Ausschlussvarianten der Betroffenen. Wiederholt "wahrheitswidrige" "Infraschall"-Unterstellungen führen in die "Verunglimpfungsecke"... Und genau das behindert die Energiewende oder zügige Genehmigungen.

    P.S. Das "illegale" Windrad, nur 500 m neben Luckenwalde, ist immer noch nicht abgebaut... nach 20 Jahren ! Wer soll da jemals Behörden trauen? Auch hier behindern "Lügen" die Energiewende...

  15. 5.

    Wie lächerlich, dass es durch einen Formfehler nun keinen "gültigen" Plan gibt, und es bis zum neuen Plan noch JAHRE dauern wird. Das sollte eine Sache von wenigen Tagen, maximal Wochen sein. Und es sollte den Verantwortlichen zu tiefst peinlich sein, aber wie man Behörden so kennt, sind die sich bestimmt keiner Schuld bewusst und handeln ja nur nach Anweisung und das war ja schon immer so und all die Ausreden die man so hört, damit sich ja nichts verändert oder gar bessert. So wird die Energiewende und der Kampf gegen den Klimawandel nichts, wenn in den Behörden alles nochmal neu gemacht werden muss und das dann JAHRE dauert. Was machen die eigentlich den ganzen Tag? PEINLICH!

  16. 4.

    Soso, krank! Wie damals auch bei den Handymasten. So mancher hat dabei noch nicht mitbekommen, dass z.B. der Infraschall wg. Rechenfehler doch nicht die Auswirkung hat, mit denen heute viele noch hausieren gehen. Bis zum Zentrum Werder sind es übrigens rd. 10 km, Bliesendorf liegt 1,2 Kilometer vom nächstgelegenen Anlagenstandort entfernt. Der Standort wurde als Windenergieeignungsgebiet (WEG) 24 festgelegt.
    https://www.windpark-dachsberg.de/regionalplanung/

  17. 3.

    WKA sind wichtig. Zum Teil. Damit die Energiewende ein akzeptierter Gewinn wird, müssen auch WKA abgebaut werden, zB. in Luckenwalde im 500m Bereich. Auch das Aufstellen von über 250m hohen Anlagen, neben Werder ist verrückt und behindert mehr als es nutzt. Warum? Weil Werder im Prozess ausgeschlossen wurde. Der trickreiche Verwaltungsgrund: Die WKA stehen auf der Gemarkung Ferch, wo der Abstand i.O. ist. Wer meint, dass das der richtige Weg ist, ist in Wirklichkeit der Blockierer, denn er trifft auf wehrhafte Betroffene, die nicht vom „wschwschwschwsch“ krank werden wollen.

  18. 1.

    Und wieder Herr Glahr.

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