Prozessauftakt am Landgericht Frankfurt (Oder) - Diebesbande soll Solar-Panele im Wert von 700.000 Euro gestohlen haben

Di 21.06.22 | 12:01 Uhr
Landgericht am 10. August 2021 in Frankfurt (Oder)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.06.2022 | Dorett Kirmse | Bild: Tony Schönberg/rbb

Ein 25-jähriger Angeklagter muss sich vor dem Landgericht verantworten. Ihm werden insgesamt neun Fälle vorgeworfen. Gemeinsam mit anderen Tätern soll er in ganz Deutschland auf Beutezug gegangen sein.

Am Landgericht in Frankfurt (Oder) muss sich seit Freitag ein Mann wegen schweren Bandendiebstahls verantworten. Er soll gemeinsam mit Anderen Solarmodule im Wert von mehreren Hunderttausend Euro gestohlen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 25 Jahre alten Mann insgesamt neun Fälle vor.

Mehrere Taten zwischen 2020 und 2021

Schon am ersten Verhandlungstag legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Das Gericht stellte ihm dafür eine geringere Haftstrafe in Aussicht. Er gab zu, mit wechselnden Mittätern in Solarparks in Brandenburg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt eingedrungen und dort Solarpanele und Zubehör sowie mehrere Fahrzeuge gestohlen zu haben.

Der 25-jährige Angeklagte sagte vor Gericht aus, dass er angesprochen worden sei, ob er Geld verdienen wolle. Weil sein Vater schwer krank sei und eine benötigte Behandlung viel Geld kosten würde, habe er sich darauf eingelassen, erklärte er vor Gericht. Die eigentlichen Diebstähle seien dann immer nach einem ähnlichen Muster abgelaufen.

Ablauf immer gleich

Der Angeklagte sei stets nachts abgeholt worden, um mit anderen zu den verschiedenen Solarparks zu kommen. Dort sollen sie dann meistens die sogenannten Wechselrichter abgebaut und gestohlen haben. Diese Apparate wandeln den Gleichstrom der Solarzellen in netzkompatiblen Wechselstrom um. Zwei bis drei Stunden hätten sie dafür in der Regel gebraucht, berichtet der Angeklagte.

Die Täter seien dann nach Polen zurückgefahren, sagte der Angeklagte weiter. Das Diebesgut aus den Solarparks sei dabei in einem gesonderten Transporter nach Polen gebracht worden, um es dort zu verkaufen. Für jeden dieser Fahrten habe der Angeklagte nach eigenen Angaben etwas mehr als 600 Euro bekommen.

Zwei Mal vor Polizei geflohen

In der Vergangenheit konnte der Angeklagte der Polizei zwei Mal entkommen. Im ersten Fall war der 25-Jährige einfach aus dem Auto gesprungen und ist in ein angrenzendes Waldstück geflohen. Selbst mit einem eingesetzten Polizeihubschrauber konnten ihn die Beamten nicht finden.

Bei einem anderen Vorfall in Grunow-Dammendorf (Oder-Spree) habe er nach eigener Aussage gemeinsam mit einem Komplizen mehrere Autos von einem Betriebsgelände gestohlen. Mit einem der Fahrzeuge verursachte er bei der anschließenden Flucht vor der Polizei einen Unfall. Auch in diesem Fall gelang es ihm daraufhin wegzulaufen. Im Fluchtfahrzeug fanden die Polizisten jedoch seinen Ausweis, sein Mobiltelefon sowie seine Geldbörse. Da an fast jedem Tatort DNA-Spuren von ihm sichergestellt werden konnten, gelang den Ermittlern daraufhin die Festnahme.

Die Diebeszüge fanden immer in wechselnder Besetzung statt, aber von den Mittätern sind noch nicht alle bekannt. Bislang wird gegen drei weitere bekannte Täter, darunter auch gegen den Bruder des Angeklagten, in gesonderten Verfahren verhandelt.

Urteil für Freitag erwartet

Der bei den Diebeszügen entstandene Schaden wird auf knapp 700.000 Euro geschätzt. Für sein Geständnis hat das Gericht dem Angeklagten am Freitag eine Haftstrafe zwischen vier und fünfeinhalb Jahren in Aussicht gestellt.

Für das Verfahren sind insgesamt zwei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll es am Freitag, 24.06.2022 geben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.06.2022, 14:30 Uhr

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