Brand einer Geflügelzucht-Anlage in Werneuchen - "Die Feuerwehr hat das eigentlich kontrolliert abbrennen lassen“

Di 07.06.22 | 17:39 Uhr
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Abgebrannte Geflüchtelzucht-Anlage der Familie Peters in Werneuchen
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 07.06.2022 | R. Unruh | Bild: Philip Barnstorf/rbb

Bei dem Brand einer Geflügelzucht in Werneuchen sind am Montag 2.500 Tiere gestorben und das Gebäude zerstört worden. Jetzt erhebt der Besitzer Vorwürfe. Das Feuer hätte eingedämmt werden können. Die Feuerwehr verweist auf die Wasserversorgung.

Mehr als verkohlte Balken und rußgefärbte Mauern sind vom Haus auf dem Hof der Familie Peter in Werneuchen (Barnim) nicht übriggeblieben. Der Brand der Tierzuchtanlage war am Montagvormittag ausgebrochen und hatte große Teile des Gebäudkomplexes verstört.

Am Dienstag spricht Hans Christoph Peters, der Sohn des Besitzers, dem rbb gegenüber von einem gasbetriebenen Heizstrahler im Hühnerstall als mögliche Brandursache. "Es ist ein Aufzuchtsstall. Am heutigen Tag sollten die Küken kommen. Deshalb musste gestern mit den Gas-Brennern vorgeheizt werden." Dies sei ein normaler Vorgang und seit 30 Jahren Routine. "Wahrscheinlich hatte der einen Defekt. Es ist nicht anders zu erklären als dass das Feuer mitten im Stall ausgebrochen ist."

Besitzer erhebt schwere Vorwürfe

Vater Hans Ulrich Peters hatte den Brand zuerst bemerkt. Daraufhin habe er seine Frau angewiesen, die Feuerwehr zu alarmieren. Währenddessen habe er laut eigener Aussage versucht den Brand zu löschen. "Dann kam die Feuerwehr und hat einen Schlauch ausgerollt. Ich habe gesagt, ihr müsst löschen, bevor es richtig anfängt zu brennen." Doch habe die Brandbekämpfung auf sich warten lassen, da es an Wasser fehlte. "Ich meinte: das geht doch nicht. Das hätte man begrenzen können. Die Feuerwehr hat das eigentlich kontrolliert abbrennen lassen."

Abgebrannte Geflüchtelzucht-Anlage der Familie Peters in WerneuchenFamilie Peters bei Aufräumarbeiten in Werneuchen

Probleme bei der Wasserversorgung

Rund 90 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren vor Ort. Einsatzleiter Rayk Mickley von der Feuerwehr Seefeld-Lohme erklärte: "Die Wasser-Versorgung ist im Stadtgebiet nicht so vorgesehen, dass hier eine Löschwasser-Versorgung stabil stehen kann." Tatsächlich reicht die alte DDR-Wasserleitung von Werneuchen nach Löhme zwar für Trinkwasser, doch wenn auch noch Löschwasser gebraucht werde, seien die Kapazitäten ausgereizt. Deshalb behalf sich die Feuerwehr am Montag mit Tanklastern, die zusätzliches Wasser aus Werneuchen zulieferten.

Das Problem besteht schon länger, sagt Werneuchens Bürgermeister Frank Kulicke (Unabhängige Wählergruppe Werneuchen) am Dienstag. Deshalb arbeite die Stadt seit zwei Jahren an entsprechenden Wasserkonzepten. Diese müssten allerdings noch praktisch umgesetzt werden. Allerdings betonen sowohl Bürgermeister Kulicke als auch die Feuerwehr, dass selbst wenn gleich genug Wasser da gewesen wäre, die Tierzuchtanlage nicht zu retten gewesen wäre. Durch das Blechdach hätten die Feuerwehrleute nicht zum eigentlichen Brandherd vordringen können.

Peters: Lebenswerk ist zerstört

Alle 2.500 Hähne, die in dem Haus ihren Stall hatten, sind bei dem Feuer verendet. Auch Schlachthaus, Aufzucht-Ställe für Gänse und Bruder-Hähne, Aufenthalts- und Verkaufsräume und ein Gartenhaus wurden in Mitleidenschaft gezogen. Die Familie schätzt die Schadenssumme auf 300.000 Euro. Dies sei ein harter Schlag für den Betrieb, weil das Gebäude nicht versichert war.

Doch der Schaden sei noch größer, wie der Sohn Hans Christoph Peters am Dienstag sagt. "Das Lebenswerk von meinem Vater, seine Vergangenheit und meine Zukunft liegen in Schutt und Asche."

Aber aufgeben wollen die Peters nicht. Zur 27. Brandenburger Landpartie am kommenden Wochenende wollen sie einen Benefiz-Verkauf zur Rettung des Hofes starten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.06.2022, 15:10 Uhr

Mit Material von Philip Barnstorf

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8 Kommentare

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  1. 8.

    Jeder private Hausbesitzer ist verpflichtet eine Gebäudeversicherung abzuschließen und für Betriebe gilt das nicht? Warum hat Familie Peters nicht selbst für einen Löschteich oder Löschwassertank gesorgt? Und wer erteilt für diese Betriebe eigentlich eine Betriebserlaubnis? Nun ist der Schaden groß und die Existenz bedroht. Der Feuerwehr die Schuld an dem Desaster zu geben ist wohl schon etwas daneben?

  2. 7.

    Über genauere Angaben Ihrerseits würd ich mich freuen.
    Fachgespräche möchte ich mit Ihnen hier bestimmt nicht führen.

    Ich hoffe es gibt eine lückenlose Aufklärung für alle Beteiligten.

  3. 6.

    Es ist in relativer Nähe ein See…ich bin nicht Feuerwehr, aber ob der nicht nahe genug gewesen wäre? Auf alle Fälle ein Drama, das sich dort abgespielt hat. Massentierhaltung? Auf die qm und die Tiermenge spricht einiges dafür. Und die Behörden sehen, warum auch immer zu und drücken die Augen zu.

  4. 5.

    Eben. Nur Bilder und Berichte gesehen aber selbst nicht vor Ort gewesen. Also sollte man mit Äußerungen und Klugschei..en vorsichtig sein

  5. 4.

    So wie der Stall versichert war, hingen sicher auch genügend TÜV-geprüfte Feuerlöscher griffbereit und die Gasbrenner waren sicher auch TÜV-geprüft und das Ganze vom Amt für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik überprüft. Wer hat da die Betriebserlaubnis erteilt? Gasbrenner - im Stall^^
    Und nun ist auch noch die Feuerwehr schuld am billigend in Kauf genommenen Schaden.
    Aber ihr guten Kunden werdet doch sicher einen neuen Stall finanzieren, ein bischen wollen müsst ihr schon.

  6. 3.

    "weil das Gebäude nicht versichert war", gut, ich mag auch keine Versicherungen aber die ein oder andere macht schon Sinn, wird der Besitzer jetzt wohl auch festgestellt haben...

    Dennoch, kein Löschteich, kein Wasser, wieso steht da ein Betrieb der nicht schon eher geschlossen wurde? Wieso dürfte dieser Betrieb da so existieren unter diesen Bedingungen.

  7. 2.

    "Die Feuerwehr hat das eigentlich kontrolliert abbrennen lassen“
    Nach Lesen des Berichts und den Bildern würde ich das auch so sehen.
    Kontrolliert Abbrennen lassen ist manchmal wirklich das kleinste Übel, aber so?
    Jeder Brand fängt erst einmal klein an, soviel Wasser sollte auch diese Feuerwehr gehabt haben.
    Ansonsten, was haben die für eine Aufgabe? Geburten?

  8. 1.

    "Durch das Blechdach hätten die Feuerwehrleute nicht zum eigentlichen Brandherd vordringen können."
    Aha, wie lange ist denn die Ausbildung der Feuerwehr her.
    Unglaubliche Aussage.
    Gruß - 30 J. Berufsfeuerwehr Berlin

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