Prozess am Landgericht Frankfurt (Oder) - Eberswalder gesteht, unter Wahnvorstellungen auf seine Ehefrau eingestochen zu haben

Do 23.06.22 | 15:55 Uhr
Landgericht in Frankfurt (Oder)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.06.2022 | Dorett Kirmse | Bild: Tony Schönberg/rbb

Mit einem Messer soll ein 51-Jähriger seine Ehefrau im Gesicht und am Bauch schwer verletzt haben. Zum Prozessauftakt legte der Angeklagte ein Geständnis ab. Als Grund für die Attacke werden Drogen und eine psychische Krankheit vermutet.

Am Landgericht in Frankfurt (Oder) muss sich seit Donnerstagvormittag ein Mann verantworten, der versucht haben soll, seine Ehefrau zu töten. Die Tat ereignete sich in Eberswalde (Barnim) im November des vergangenen Jahres.

Angeklagter litt unter Wahnvorstellungen

Laut eigener Schilderungen vor Gericht ist die 34 Jahre alte Ehefrau zu ihrem Mann nach Hause gekommen und habe sich gewundert, warum sich der Beschuldigte in ein Zimmer der Wohnung eingeschlossen hatte. Die Bitte, zu öffnen, habe der Mann verneint. Ungewöhnlich sei ihr sein Verhalten nicht vorgekommen, sagte sie am Donnerstag und habe sich am Abend der Tat zum Fernsehen auf die Couch gesetzt.

Später öffnete der Angeklagte die Tür und betrat das Wohnzimmer. Er erklärte zum Prozessauftakt, dass er die Vision hatte, seine Frau sei seine Feindin und als fanatische Christin im Himmel besser aufgehoben. Er habe ein Messer aus der Küche geholt und auf seine Partnerin eingestochen. Mit mehreren Stichverletzungen im Gesicht, Bauch und einer durchtrennten Schlagader im Oberarm rettete sie sich auf den Balkon und sprang aus der vierten Etage auf den Balkon im dritten Stock. Dort leisteten die Nachbarn Hilfe. Im Krankenhaus musste die Frau notoperiert werden.

Angeklagter hat laut Opfer Drogen konsumiert

Auf die Frage im Gerichtssaal, ob der Mann bereits im Vorfeld schon einmal aggressiv geworden sei, verneinten beide Parteien. Die Eheleute kennen sich seit vier Jahren und sind seit dreien verheiratet. Es habe in der Beziehung keine Gewalt gegeben. Aus Sicht der 34-Jährigen seien Drogen der Grund für den Angriff gewesen. Auch der Angeklagte schilderte ausführlich, wie er vor der Attacke auf seine Frau unter anderem Kokain und Cannabis konsumiert hatte.

Hinzu kommt laut Staatsanwaltschaft noch eine psychische Erkrankung, unter der der Angeklagte leidet. Bereits vor sieben Jahren hat er, ebenfalls aus religiösen Motiven in Berlin zwei Frauen mit einem Messer angegriffen. Dafür wurde er auch verurteilt. Allerdings galt er wegen der psychischen Erkrankung als schuldunfähig. Damals wurde die Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie zur Bewährung ausgesetzt.

Urteil für Juli erwartet

Im aktuell verhandelten Fall wird eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie angestrebt. Der Angeklagte befindet sich bereits seit dem Angriff vor über einem halben Jahr in einem psychiatrischen Krankenhaus. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt. Für das Verfahren sind insgesamt sieben Verhandlungstage geplant. Ein Urteil soll es dann in zwei Wochen geben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.06.2022, 16:10 Uhr

Mit Material von Dorett Kirmse

Nächster Artikel