Heuernte in der Uckermark - Mit Drohne und Wärmebild-Kamera auf Rettungsmission für Rehkitze

Mi 01.06.22 | 16:57 Uhr
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Ein kleines Rehkitz liegt regungslos in einem Maisfeld. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 01.06.2022 | Riccardo Wittig | Bild: dpa/Patrick Pleul

Die Landwirtschaft steckt mitten in der Heuernte. Das gefährdet auch Tiere, die sich in dem hohen Gras verstecken. Mit modernster Technik versucht ein Verein, Rehkitze vor dem Schlimmsten zu retten.

Es ist noch dunkel, als um 4 Uhr morgens die Drohne zum ersten Mal in den Himmel steigt. 16 Hektar Wiese wollen Drohnenfahrer Frank Neumann und seine Mitstreiter vom Verein "Rehkitzrettung Brandenburg" an diesem Tag absuchen. Die Heuernte steht an in Frauenhagen bei Angermünde (Uckermark), und die jungen Tiere mit den braunen Bambi-Augen und den vielen weißen Punkten sollen dieser nicht zum Opfer fallen.

Kitze flüchten nicht

"Die größte Herausforderung ist, dass wir es zeitlich so schaffen, dass wir auch alle Kitze finden", sagt Neumann. Dafür ist die Drohne mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die das hohe Gras nach den Jungtieren absucht. Die Kitze haben in ihrem frühen Lebensstadion noch nicht gelernt, bei Gefahr zu flüchten. Stattdessen ducken sie sich. Für sie sind die großen Mähmaschinen daher besonders gefährlich. Aufmerksam beobachtet Neumann daher den kleinen Bildschirm in seiner Hand. Findet er etwas, koordiniert er seine Helfer. Wegen des hohen Grases, ist deren Sicht sehr eingeschränkt.

"Die Rehmütter legen ihre Jungen ins hohe Gras, weil sie dort den besten Schutz vor Beutegreifern aus der Luft, vor Fuchs, Wolf und sogar Waschbären haben", sagt Marina Stolle. Seit mittlerweile acht Jahren ist sie gemeinsam mit ihrem Mann Frank Neumann auf Rettungsmission unterwegs. Und das erfolgreich: "Wir haben in diesem Jahr bereits mehr als zehn Rehkitze gerettet", sagt sie. Das sei immer wieder ein sehr emotionaler Moment, fügt sie hinzu.

Das kann auch Pferdewirtin Nadin Halser bestätigen. Sie bietet Urlaub auf dem Planwagen in der Uckermark an und benötigt das Heu für ihre Pferde. Halser hat bereits zum dritten Mal die Unterstützer gerufen. "In den letzten zwei Jahren waren es wahnsinnig viele, so dass ich jetzt ein bisschen traurig bin, dass wir nichts finden", sagt Halser.

Vorsichtig und behutsam

Doch dann der erste Fund: Die Drohnen-Kamera hat ein junges Kitz im hohen Gras aufgespürt. Die Helfer gehen behutsam vor und nähern sich dem Tier langsam. Nadin Halser polstert zunächst eine Transportbox mit Gras aus. Dann wird das Rehkitz vorsichtig und mit Handschuhen hineingesetzt. Es soll keine menschlichen Gerüche annehmen, damit die Mutter es annimmt. "Man freut sich, wenn man ein Kitz gefunden hat", sagt Halser und fügt an: "Da weißt du, du kannst es nicht mehr übermähen, sondern du hast es gerettet."

Gesa Krauß gibt ihr diesbezüglich recht: "Ich bin bei Nadin zu Besuch und finde es eine coole Aktion", sagt sie. Eigentlich kommt sie aus Düsseldorf und ist nur für den Urlaub in der Uckermark. Als sie von der Aktion gehört hatte, hat sie helfen wollen, sagt sie: "Ich helfe hier, weil es eine gute Sache für die Natur- und den Tierschutz ist."

"Die Natur kommt aus dem Gleichgewicht"

Aus diesem Grund hat Frank Neumann im vergangenen Jahr auch den Verein gegründet. Es gehe aber nicht nur darum, die Tiere vor dem Mähwerk schützen, sagt er: "Wir wollen auch eine Brücke zwischen Jägern, Landwirten und der Bevölkerung bauen, weil die Natur in diesem Moment aus dem Gleichgewicht kommt." Um das zu schaffen, wirbt der Verein im Internet um weitere freiwillige Helfer und ehrenamtliche Unterstützer [www.rehkitzrettung-brandenburg.com].

Nach zwei Stunden ist die Wiese abgesucht. Es bleibt an diesem Tag bei einem gefundenen Rehkitz. Die Helfer sind mit ihrem Einsatz zufrieden. Der Landwirt kann mähen, sehr wahrscheinlich ohne ein Rehkitz zu gefährden.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 01.06.2022, 15:40 Uhr

Mit Material von Riccardo Wittig

6 Kommentare

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  1. 6.

    Wir wohnen an einer Wiese die von dem Landwirt in unserem Ort bewirtschaftet wird.
    Seit Jahren ist dort ein Reh das ihre Kitze im hohen Gras versteckt.
    Es ist super schön zu sehen wie sie aufwachsen.
    Aber wir haben auch schon gesehen, wie sie ihr Junges gesucht hat, das tot gemäht wurde.
    Wochenlang hat sie es gesucht und gerufen.
    Uns tat es in der Seele weh.
    Und wenn die moderne Technik dazu beiträgt, Kitze zu retten, warum dann nicht ?
    Kommentare die dagegen sprechen kann ich nicht verstehen.
    Es hat nichts mit dem süßen Bambi zu tun.
    Sondern Leben bewahren.
    Von einem Lebewesen, das nichts davon weiß, das irgendwann der Mäher kommt.

  2. 5.

    Sind eigentlich Rehe/Rotwild vom Aussterben bedroht oder ist es nur das niedliche "Bamby-Schema" was die Leute antreibt? Jedes tote Reh ist eine Wohltat für den Waldumbau, tote Kadaver sind Nahrung für wirklich bedrohte Tierarten.

  3. 4.

    Es ist überhaupt traurig, dass das Tier Mensch sich soweit von den anderen Tieren entfernt hat, dass diese dann bei solchen Mahdarbeiten zerfetzt werden, so nach dem Motto, Pech für die Tiere. Aber wehe, einem Menschen wird von einem Tier auch nur ein Haar gekrümmt, der Aufschrei, der dann kommt......
    Gut, dass Tiere so gerettet werden können.

  4. 3.

    Die hochtechnische Mahd ist für viele Tiere auf Feldern eine sehr brutale Angelegenheit: Meist muss man leider schon froh sein, wenn die Tiere schnell getötet werden statt schwerst verletzt. Super also, dass Menschen sich hier engagieren - auch wenn sie leider nur einen Bruchteil der Flächen absuchen können. Und leider sind die Rehkitze auch nur ein Teil der Opfer: Aufgrund ihrer Größe haben sie noch eine gewisse Chance, entdeckt zu werden. Noch schlechter dran sind aber Feldhasen oder bodenbrütende Vögel, die meist völlig unbemerkt im Wortsinn niedergemäht werden. - Sehr traurig, dass beim heutigen Niveau der Technik so wenige Erntegeräte mit entsprechenden Warngeräten oder gar automatischen Schutzfunktionen ausgestattet sind. Wo selbstfahrende Autos und Gesichtserkennung sich verbreiten, sollte umgehend entsprechende Technik standardmäßig auch für den Tier- und Naturschutz angewandt werden.

  5. 2.

    Sehr gute Aktion, die hoffentlich auch andernorts Nachahmung findet.

  6. 1.

    "Es soll keine menschlichen Gerüche annehmen, damit die Mutter es nicht mehr annimmt."
    Wenn das gewollt wäre, wäre es fatal. ;)

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