Rationierung und Kampagnen - So reagieren die Wasserverbände in Ostbrandenburg auf die Wasserknappheit

Di 12.07.22 | 11:48 Uhr | Von Tobias Hausdorf
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Symbolbild: Rasensprenger im Betrieb, aufgenommen am 19.08.2016 in Falkensee (Brandenburg). (Quelle: dpa/Nestor Bachmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.07.2022 | Tobias Hausdorf | Bild: dpa/Nestor Bachmann

Der Wasserverband Strausberg-Erkner begrenzt das Wasser für neue Privathaushalte auf täglich 105 Liter pro Person. Davon wird nicht mal eine Badewanne voll. Wie sieht es in den anderen Verbänden in Ostbrandenburg aus? Von Tobias Hausdorf

Nach 105 Litern pro Tag und Person ist Schluss: Das gilt zumindest für Neukunden im Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE). Im bundesweiten Schnitt sind etwa 20 Liter mehr üblich. Nun wird niemandem der Hahn zugedreht, doch mit der Jahresabrechnung drohen Bußgelder. Dürre und Wasserknappheit betreffen die gesamte Region. Der rbb hat alle 13 Wasserverbände Ostbrandenburgs von Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) bis Prenzlau (Uckermark) angefragt, ob eine Rationierung von Trinkwasser wie beim WSE geplant ist.

Der unterschätzte Verbraucher

Denn nicht nur im WSE-Gebiet rund um Grünheide (Oder-Spree) trifft Wasserknappheit auf Ansiedlung von Industrie und hohen Zuzug. Dichte Besiedlung ist typisch im Berliner Randgebiet. So auch in Panketal (Barnim) nördlich von Berlin: Sparsamkeit sei daher dringend geboten, sagt der Bürgermeister Maximilian Wonke (SPD).

Wonke hat in seiner Gemeinde ein erstes Sprengverbot durchgesetzt. "Wasser ist ein Lebensmittel, und es ist ein Grundauftrag einer Kommune, dafür Sorge zu tragen, dass Wasser vorhanden ist", sagt Wonke. Trinkwasser werde jedoch zu oft für einen grünen Rasen verwendet. "Das mag finanziell den einen oder anderen nicht jucken, ist im Grunde aber ein Missbrauch dessen, wofür es da ist", so Wonke.

Der Bürgermeister hat auch einen "unterschätzten Verbraucher" ausgemacht, leicht zu erkennen auf Luftbildern: Pools. Die seien in einer von Einfamilienhäusern geprägten Gemeinde wie Panketal verbreitet. "Pools sind große Verbraucher", sagt Wonke. "Man kann davon ausgehen, dass fünf bis zehn Millimeter pro Tag an der Wasseroberfläche verdunsten." Verloren gehe dabei Trinkwasser.

Keine Rationierung geplant

Sind also weniger Pools die Lösung? Das sei kaum zu regulieren. Maximilian Wonke hat stattdessen versucht, mit Tipps und einer Plakatkampagne zum Wassersparen zu animieren. Neuerdings hat er ein Verbot durchgesetzt: Ab August ist das Gießen von Gärten und das Befüllen von Pools in seiner Gemeinde zwischen 17 und 21 Uhr in den Sommermonaten untersagt.

Außerhalb des Speckgürtels rund um Berlin sieht die Situation besser aus. Kein einziger Wasserverband neben dem WSE plant nach rbb-Recherchen derzeit eine Rationierung. Zum Beispiel sagt Verbandsvorsteher Gerhard Schulze vom Wasserverband Seelow nahe der polnischen Grenze, dass die Bürgerinnen und Bürger in seinem Verbandsgebiet sowieso sparsam seien. Dort liege der Verbrauch mit 110 Litern unter dem Bundesdurchschnitt von täglich 126 Litern pro Person.

Versorgung ist gesichert

Andere Regionen wie die Norduckermark seien ohnehin schwach besiedelt, heißt es beispielsweise vom Nord Uckermärkischen Wasser- und Abwasserverband. Nur ein Verband, nämlich der Wasser- und Abwasserverband Scharmützelsee-Storkow/Mark (Oder-Spree), wünscht sich Fördermittel des Landes, um neue Verbundleitungen mit Nachbarverbänden zu bauen.

Zwei von 13 Verbänden sehen eine zunehmende Konkurrenz zur Trinkwasserversorgung durch Gewerbe. Neben dem Zweckverband Ostuckermärkische Wasserversorgung und Abwasserbehandlung sieht das auch der Wasserverband Seelow ähnlich. Gesichert ist die Versorgung aber bei allen, wie die Umfrage des rbb ergab.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.07.2022, 14:10 Uhr

Beitrag von Tobias Hausdorf

34 Kommentare

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  1. 34.

    Gibt aber auch genügend Experten, die das Gegenteil behaupten. Freies Cl ist nach einigen Tagen komplett gebunden oder verschwunden. Menschlicher Schweiß und Keime sind nur dann ein Problem wenn Sie im WSG direkt neben dem Brunnen wohnen. Ansonsten kümmern sich die Bioorganismen im Boden darum.
    Was sagen denn die BWB zur Einleitung in den Kanal, wenn der Pool über den Gartenzähler gefüllt wurde?

  2. 33.

    Ich vertraue da lieber Fachleuten wie der Berlin Recycling, die nichtmals davon profieren, als Ihnen.

  3. 32.

    Ihre Antwort an @Wossi ist, harmlos ausgedrückt, lächerlich.
    Um die Vorwürfe, dass Tesla in einem Trinkwasserschutzgebiet nicht hätte angesiedelt werden dürfen und das Tesla verantwortlich ist für eine Absenkung des Grundwasserspiegels sowie die Rationierung des Trinkwassers der Bevölkerung im Bereich Grünheide-Erkner-Rüdersdorf zu vertuschen, hetzen sie seit Monaten gegen die dortige Bevölkerung und werfen ihr Verschwendung vor.
    NEUMANN, sie sind weder autorisiert noch befähigt solche Aussagen zu treffen.

  4. 31.

    ragen Sie mal, warum ich das "sehr saubere Wasser" hier erneut in " " gesetzt habe.. Wer hat sagt, dass das Symbolbild "aus einem Schrebergarten eines Normalbürgers stammt"?

  5. 30.

    @Wossi, jemandem, der in Marzahn in der Platte lebt, sowas erklären zu wollen ist wie das sprichwörtliche "Perlen vor die Säue werfen". Woher soll er denn wissen wann der Chlorgehalt die gesetzliche Unbedenklichkeitsgrenze erreicht hat? Der kennt einen Pool nur von Google.

  6. 29.

    Was haben Sie davon, wenn Sie ständig das Poolwasser „vergeuden“ wollen? In Ihrem Berlinbeispiel kann es Abwasser sein, wenn es nicht abgestanden ist, also Chemiekalien noch nicht weg sind. Das stimmt soweit. Wo erkennen Sie da einen Widerspruch? Und die Art Ihrer Formulierungen sagt aus, dass Sie was anderes „motiviert“...

    P.S. Das Ablassen im Garten wird problemlos genehmigt, weil es auch in Berlin Sinn macht. Die Bedingungen müssen stimmen.

  7. 28.

    Sagen SIE nicht, dass das Foto aus einem Schrebergarten eines Normalbürgers stammt. Warum passiert Ihnen immer wieder so etwas ? Wieder gegen die Neti.. verstoßen ?

  8. 27.

    Regenwasser sollte man auch nicht trinken. Wir haben so viele Luftschadstoffe, die damit in den Boden gelangen. Seltsam; Sie zu korrigieren ist mir nicht erlaubt.

  9. 26.

    In Berlin ist es es sehr wohl verboten, das Abwasser der Pools in den Gärten zu entsorgen. Man muss selbst das Ablassen in die Kanalisation formlos bei den BWB anmelden.
    https://www.berlin-recycling.de/entsorgung/weitere-entsorgungen/haus/poolwasser-entsorgen
    Dabei gibt es im Herbst auch keine Probleme wg. niedriger Niederschläge. Warum verwenden Sie Ihr "sehr sauberes Wasser" nicht zum Kochen und Trinken?

  10. 25.

    Verschmutzung des Wassers zB durch Sonnenmilch, Blütenstaub oder Algenblüte!"
    Bitte saugen Sie vor dem nächsten Regenguss allen Blütenstaub aus Ihrem Steingarten aus! Er verschmutzt das Grundwasser!
    Die Begriffe Verschmutzung und Gefährdung gerne noch einmal nachlesen.

  11. 24.

    "Was macht der Verband mit den verbleibenden 2,55 Mio m³/a, dass er Wasser zukünftig rationieren will"
    Ihre ständige Wiederholung macht es nicht besser. Warum fragen Sie den WSE nicht?
    Und was sind denn 2,55 Mio m³? Das ist nicht mal ein Fliegenschiss gemessen an der bisherigen Entnahmemenge und der erwarteten Zunahme.
    Warten wir mal ab, ob die überhaupt Bestand haben.

  12. 23.

    Kommentare die gegen die Nettiquette verstoßen, weil sie z.B. beleidigend sind, veröffentlichen wir nicht. Ganz richtig.

  13. 22.

    Ich stimme Ihnen 100%-ig zu. Genau das ist das Problem unserer Überflussgesellschaft. Bisher ist noch jede Hochkultur untergegangen - Maja, Inka - und wir werden es auch irgendwann...

  14. 21.

    "Unabhängig von Nestle kannten schon die alten Römer Fernwasserleitungen"
    Jetzt geht es los, Sie "bereiten uns schon jetzt vor": Die lange und mehrmals vorhergesagte Unwirtschaftlichkeit von Standortentscheidungen durch "Versager" wird kein Geschäft für die Allgemeinheit mehr und reiht sich ein, in die über 30jährige "Erfolglosgeschichte" der ewig Letzten. Man lernt nicht daraus, sondern macht es immer schlimmer. Nun soll der Steuerzahler, möglichst aus ganz Dtl., mittels "Förderungen", auch noch haften? Denn diese brb. Forderungen werden kommen. Weil es immer so ist... Verdient haben die Brandenburger endlich was anderes.

  15. 20.

    Denken Sie bitte an die durch den Klimawandel steigende Meeresspiegel.

  16. 18.

    Mittels Chlor und ph-Senker sind Verschmutzungen beseitigt. Steht dann das Wasser über eine Woche ist das Chlor flüchtig. Was dann noch "drin ist" ist so sauber, dass es im Garten dem Grundwasser zugeführt werden kann. Es wäre sehr schade, wenn es vergeudet würde, in der Kanalisation.

    P.S. Der NABU hat nicht die Deutungshoheit. Richtig ist aber, dass Schmutzwasser nichts im Garten zu suchen hat. Nur dies ist hier nicht der Fall, was Poolwasser betrifft im Sinne von "verschmutzt". Der NABU sollte den Begriff "verschmutzt" solide definieren. Kann er aber nicht... Weil jedes Regenstraßenwasser viel "schmutziger" ist...

  17. 17.

    zu lesen war: "nach der Saison an das Grundwasser sauber und kostenlos zugeführt wird" und "Abdeckungen kommen immer mehr in Mode"
    Dem ist so. Nach einer Woche ist kein Chlor mehr vorhanden und das sehr saubere Wasser absolut grundwassertauglich. Bitte nicht in die Kanalisation laufen lassen. Bloß nicht. Schade drum. Das machen nur Leute aus Unkenntnis, was saubereres Wasser für das Grundwasser überhaupt ist.

  18. 16.

    Und sie haben noch was vergessen. Siie (Oma) hat ab Herbst 44 im Luftschutzkeller gelebt und nach 45 das Tafelsilber beim Bauern für 5kg Kartoffeln verscherbelt. Und das wünschen sie sich alles zurück?
    Wir haben das Jahr 2022. Die Welt hat sich weiter entwickelt, insbesondere in Deutschland, was der umfangreiche Zustrom an Menschen beweist. Denen wollen sie jetzt ihre "nach 45 Weisheiten" verhökern? Viel Spaß dabei.

  19. 15.

    "Da kann ich wenigstens zum Abkühlen ins Meer springen"
    Was insbesondere bei fehlender Energie im Winter hilft.

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