Polnische Beamte kontrollieren Einreisende in Frankfurt (Oder)
Audio: Antenne Brandenburg | John-Alexander Döring | 15.04.2020 | Bild: www.imago-images.de

Trotz Quarantäne-Regelungen - Viele polnische Pendler arbeiten offenbar weiter

Osterfest mit der Familie in Polen - oder in Deutschland Geld verdienen: Vor dieser Entscheidung standen in diesem Jahr tausende Polen, die nach Brandenburg pendeln. Wie sieht es jetzt nach dem Fest aus? Wer ist wiedergekommen? Oder gleich hiergeblieben?

Seit Ende März müssen Einreisende nach Polen für zwei Wochen in Quarantäne. Das ist für die Brandenburger Wirtschaft ein Problem, weil normalerweise 14.000 ihrer Angestellten aus Polen pendeln. Gerade zu Ostern waren die Sorgen groß, dass polnische Arbeitnehmer zu ihren Familien in die Heimat fahren - und nicht wieder zur Arbeit kommen. Aber waren die Sorgen berechtigt?

Steffen Berthold, Inhaber eines Fassadenbaubetriebs in Frankfurt (Oder), hatte zumindest Glück. Bis auf einen seien nach Ostern alle 14 polnischen Handwerker zur Arbeit gekommen, sagt er. "Ein Kollege hat ein behindertes Kind. Da haben wir natürlich Verständnis, dass er zuhause bleibt."

Polnische Ärzte arbeiten weiter

Besonders große Sorgen gab es in Krankenhäusern, in denen viele Polen arbeiten. Etwa im Kreiskrankenhaus Prenzlau (Uckermark) kommt die Hälfte der Ärzteschaft aus Polen. Aber auch hier Aufatmen: "Alle sind im Dienst", sagt Andreas Gericke von der Krankenhausgesellschaft GLG, die das Hospital betreibt. "Gerade für polnische Kollegen, die Familien mit kleinen Kindern haben, ist es nicht schön, wenn sie über Ostern nicht zuhause sind. Dass sie sich dennoch so engagieren, rechnen wir ihnen hoch an", sagt Gericke.

Und auch Uckermärker zeigen sich ihren polnischen Ärzten dankbar. "Am Krankenhaus tauchen Blumen als kleine Dankesbezeigungen auf. Eine Torte wurde überreicht", erzählt Gericke weiter. "Wir freuen uns sehr, dass das gewürdigt wird. Das ist dann auch besser durchzuhalten."

Frankfurter Spedition mit Problemen

Weniger gut läuft es bei Michael Lange. Der Chef einer Frankfurter Speditionsfirma muss weiterhin auf seine polnischen Auslieferungsfahrer verzichten. Sie sind schon länger in Polen und es nicht klar, wann sie zurückkommen. "Bisher ersetzen wir unsere polnischen durch deutsche Fahrer, aber da sind wir am Limit", sagt Lange. Aber auch er hat Verständnis: "Für die polnischen Kollegen ist es auch nicht schön: Die nehmen erstmal ihren Urlaub, aber irgendwann kommt der Punkt, an dem wir die Wartezeit nicht mehr bezahlen können."

Hilfen vom Land bisher wenig gefragt

Einige Brandenburger Unternehmen organisieren ihren polnischen Angestellten Unterkünfte, damit sie nicht mehr nach Hause pendeln müssen. Seit Dienstag können sie sich dafür 65 Euro pro Arbeitnehmer und Tag vom Land erstatten lassen. Aber der Andrang hält sich bisher in Grenzen. "Wir haben uns auf einen größeren Ansturm eingerichtet", sagt Gundolf Schülke von der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg, die die Anträge bearbeitet. "Gut 300 Interessenten haben sich online informiert, aber gestern sind nur acht Anträge eingegangen."

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