Ein Auto fährt an einem Gastbetrieb in Petersdorf vorbei (Bild: imago images)
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Oder-Spree und Uckermark - Weitere Covid-19-Fälle in Gemeinschaftsunterkünften

In zwei Gemeinschaftsunterkünften in den Landkreisen Oder-Spree und in der Uckermark sind Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Der Flüchtlingsrat wiederholt seine Kritik an Massenunterkünften. Von Klaus Lampe

Eine Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete des Landkreises Oder-Spree im Bad Saarower Ortsteil Petersdorf ist für 14 Tage unter Quarantäne gestellt worden. Rund 130 Menschen leben derzeit in der Unterkunft im sogenannten Fuchsbau. Mitte vergangener Woche war dort ein erster Corona-Fall aufgetreten, nach umfangreichen Tests wurden drei weitere Erkrankungen bei Flüchtlingen festgestellt. Die Testergebnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wachschutzfirma sowie des Landkreises Oder-Spree sind alle negativ ausgefallen.

Unterkunft in Petersdorf

Am Freitag war bekannt geworden, dass in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete im Landkreis Oder-Spree ein Corona-Virus-Fall nachgewiesen worden. Dabei handelt sich um eine Unterkunft im Bad Saarower Ortsteil Petersdorf, die nun unter Quarantäne steht.

Die infizierte Person befindet sich nach Angaben des Landkreises erst seit wenigen Tagen in der Unterkunft in Petersdorf. Sie sei nicht aus der Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt, sondern aus einem anderen Bundesland gekommen, teilte der Kreis mit. Die Person sei im Rahmen der Aufnahme getestet worden.

Ein weiterer Fall in der Uckermark

Am Montag meldete der Landreis Uckermark ebenfalls eine positiv getestete Person aus einer Gemeinschaftsunterkunft in Templin. Während einer routinemäßigen Aufnahmeuntersuchung in einem Krankenhaus außerhalb der Uckermark sei ein 23-jähriger Mann positiv getestet worden. Dabei handelt es sich um einen Bewohner einer Gemeinschaftsunterkunft
für Asylbewerber in Templin. Der Landkreis wolle nun die Kontaktpersonen ermitteln, außerdem nähme das Gesundheitsamt nun umfangreiche Tests vor. Über das
weitere Vorgehen wolle man in Abhängigkeit von den Ergebnissen entscheiden.

Ansteckungsrisiko besonders hoch

Das Ansteckungsrisiko in einer Flüchtlingsunterkunft ist in etwa so hoch ist wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Das belegen Untersuchungen der Uni Bielefeld. Nach dem neuen Corona-Fall in der Gemeinschaftsunterkunft werde nun getestet, ob es bei einem Einzelfall bleibt. Es gab zunächst in der Unterkunft einige Dissonanzen, sagte die Brandenburger Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher am Montag, denn die allernächsten Kontaktpersonen hätten sich zunächst geweigert, sich testen zu lassen oder sich in Quarantäne zu begeben. Das habe sich aber klären lassen.

Tests für alle Bewohner und Mitarbeiter

Zunächst waren nur die infizierte Person sowie unmittelbare Kontaktpersonen unter Quarantäne gestellt worden. Außerdem galt ein Besuchsverbot für die Gemeinschaftsunterkunft. Alle 134 Bewohner, die Beschäftigten der Unterkunft und die Wachschutzmitarbeiter wurden daraufhin auf das Corona-Virus getestet. Am Wochenende teilte der Landkreis mit, dass drei weitere Anwohner positiv auf das Virus getestet worden seien.

Flüchtlingsrat kritisiert Gemeinschaftsunterkünfte

Unterdessen mahnte der Flüchtlingsrat erneut dazu, Geflüchtete dezentral etwa in Wohnungen oder Wohnverbänden mit bis zu fünf Personen unterzubringen. "Wir sehen in Brandenburg im Vergleich ganz deutlich, dass die Landkreise, die schon seit langer Zeit auf reine Wohnungsunterbringung setzen, wie zum Beispiel die Prignitz, dass sie überhaupt keine positiv getesten Fälle bei Geflüchteten haben", sagte Sprecherin Lotta Schwedler.

Kettenquarantänen in Oberhavel

Anders gelaufen sei es in Hennigsdorf in Oberhavel in einer Unterkunft mit 400 Bewohnern, wo es fast 70 bestätigte Corona-Infektionen gegeben habe. "In Hennigsdorf hatten wir zum Teil Leute, die sechs bis acht Wochen unter Quarantäne standen, aber nie positiv auf das Virus getestet worden sind", sagt sie. "Das ist psychisch sehr zermürbend."

Kreis kündigte Schließung der Unterkunft an

Noch geht der Kreis Oder-Spree von einem Einzelfall aus. Es sei die Frage, ob Einzelfälle innerhalb der Einrichtung in Quarantäne bleiben könnten, sagt Christian Stauch, Referent des Landrats von Oder-Spree, am Freitag. Allerdings sei nicht auszuschließen, das die Gemeinschaftsunterkunft zeitweilig ganz geschlossen werden müsse, so Stauch. "Das ist eine permanente Abwägung: Schließen bedeutet, dass keine Person mehr das Gelände verlassen darf", sagte er. Dieser Fall ist nun mit der Quarantäne eingetreten.  

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