«Covid» steht am 29.12.2020 auf einem Sarg im Krematorium in Dresden-Tolkewitz mit einem Verstorbenen, der an oder mit dem Coronavirus gestorben ist. (Quelle: dpa/Sebastian Kahnert)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.01.2021 | Torsten Glauche und Georg-Stefan Russew | Bild: dpa/Sebastian Kahnert

Viele Sterbefälle in der dunklen Jahreszeit - Dauerstress im Eberswalder Krematorium

Die Bilder aus Bergamo und New York haben noch viele vor Augen, wo Bestatter an ihre Grenzen gestoßen sind, Corona-Tote würdevoll zu bestatten. Aktuell haben Brandenburger Berufskollegen zwar viel zu tun. Die Lage sei aber beherrschbar. Von Georg-Stefan Russew

Bilder wie zuletzt aus dem hessischen Hanau, wo sämtliche Kühlkammer-Kapazitäten aufgrund vieler Todesfälle ausgelastet waren und auf einem Friedhof ein Extra-Kühlcontainer zum Einsatz kommen musste, sucht man in Brandenburg aktuell vergebens. Nach Auskunft der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg seien zwar sehr viele Beerdigungen zu organisieren. "Eine würdevolle Bestattung ist aber in jedem Fall gesichert", betont Innungssprecher Fabian Lenzen. Von Überlastung des Systems könne so nicht die Rede sein.

Dauerstress ja - aber keine Überlastung

Ähnlich äußerte sich auch Mario Gless, Geschäftsführer des Eberswalder Krematoriums. Er und seine zehn Angestellten sind dieser Tage im Dauerstress. Seine beiden Verbrennungsanlagen laufen derzeit rund um die Uhr - fünf Tage in der Woche. Pro Tag werden direkt am Oder-Havel-Kanal die sterblichen Überreste von 48 Menschen eingeäschert. "Wir haben jahreszeitbedingt sehr viele Verstorbene. Durch Corona sind es aber nicht mehr", sagt Gless und holt eine Auflistung der vergangenen Tage hervor. So wurden von Bestattern aus ganz Brandenburg am 22. Dezember 104 Verstorbene angeliefert, darunter 18 Corona-Fälle. Einen Tag später waren es 93 Tote. 31 Särge davon waren mit Kreide mit der Aufschrift "Corona" gekennzeichnet.

In dunkler Jahreszeit besonders viele Sterbefälle

Abgesehen von der Corona-Lage hat der Krematoriumschef in den vergangenen Jahren die Beobachtung gemacht, dass besonders viele Menschen in der dunklen Jahreszeit versterben. Schon seit vielen Jahren arbeite sein Haus von Oktober bis März unter Volllast. "Eine Erklärung dafür habe ich nicht." Als Reaktion hat er jedoch seine Lagerkapazität ausgebaut, so dass Gless Bestattern bei eigenen Lagerengpässen gerade bei Corona-Toten aushelfen kann.

Krematorium hilft Bestattern aus

Das komme des Öfteren vor, weil es teilweise sehr lange dauere, bis die Bestatter alle für die Einäscherung notwendigen Papiere von den Standesämtern erhalten. "Wir sprechen da von anderthalb bis zwei Wochen", bestätigt auch Innungssprecher Lenzen. Da Bestatter in der Regel Platz für bis zu zehn Verstorbene in ihren Kühlungen haben, helfe Gless gerne aus. Er hat Stellplätze für rund 300 Verstorbene. Dennoch müsse er in der Pandemie für besondere Hygienevorkehrungen treffen. Er und seine Angestellte müssten unter Vollschutz hantieren.

"Angst darf man da nicht haben. Wir öffnen den Sarg nicht. Der Sarg geht dann sofort in die Kühlung. In dem Moment, wenn die zweite Leichen-Nachschau durchgeführt wird, ist bei uns nur der Rechtsmediziner und sein Gehilfe. Die machen die Särge auf, machen die Särge zu, öffnen die Hygienehüllen und so haben wir gar keinen Kontakt zu den Verstorbenen."
"Angst darf man da nicht haben. Wir öffnen den Sarg nicht. Der Sarg geht dann sofort in die Kühlung. In dem Moment, wenn die zweite Leichen-Nachschau durchgeführt wird, ist bei uns nur der Rechtsmediziner und sein Gehilfe. Die machen die Särge auf, machen die Särge zu, öffnen die Hygienehüllen und so haben wir gar keinen Kontakt zu den Verstorbenen."

Problem zweite Leichenschau

Angst dürfe man da nicht haben, erklärt Gless. Er und seine Angestellte öffnen die Särge nicht, bringen sie sofort in die Kühlung. In dem Moment, wenn die zweite Leichen-Nachschau durchgeführt wird, diese ist in Brandenburg vor der Kremierung rechtlich vorgeschrieben, sei nur der Rechtsmediziner und sein Gehilfe vor Ort. "Die machen die Särge auf, machen sie wieder zu, öffnen auch die Hygienehüllen, in denen Corona-Tote liegen. So haben wir gar keinen Kontakt zu den Verstorbenen.

Dennoch sehen Gless und seine Kollegen in der zweiten Leichenschau bei Corona-Toten eine Gefahr. Die Verstorbenen sind auch nach ihrem Tod noch infektiös.

 

"Angst darf man da nicht haben. Wir öffnen den Sarg nicht. Der Sarg geht dann sofort in die Kühlung. In dem Moment, wenn die zweite Leichen-Nachschau durchgeführt wird, ist bei uns nur der Rechtsmediziner und sein Gehilfe. Die machen die Särge auf, machen die Särge zu, öffnen die Hygienehüllen und so haben wir gar keinen Kontakt zu den Verstorbenen.

 

Dennoch sehen Gless und seine Kollegen in der zweiten Leichenschau bei Corona-Toten eine Gefahr. Die Verstorbenen sind auch nach ihrem Tod noch infektiös.

 

"Angst darf man da nicht haben. Wir öffnen den Sarg nicht. Der Sarg geht dann sofort in die Kühlung. In dem Moment, wenn die zweite Leichen-Nachschau durchgeführt wird, ist bei uns nur der Rechtsmediziner und sein Gehilfe. Die machen die Särge auf, machen die Särge zu, öffnen die Hygienehüllen und so haben wir gar keinen Kontakt zu den Verstorbenen.

 

Dennoch sehen Gless und seine Kollegen in der zweiten Leichenschau bei Corona-Toten eine Gefahr. Die Verstorbenen sind auch nach ihrem Tod noch infektiös.

 

Aerosole gelangen bei zweiter Leichenschau in die Luft

Dennoch sehen Gless und seine Kollegen in der zweiten Leichenschau bei Corona-Toten eine Gefahr. Die Verstorbenen sind auch nach ihrem Tod noch infektiös. "Das ist die ganze Katastrophe. Es wäre schöner, wenn man gleich die Corona-Verstorbenen so einäschern könnte, weil sie eben an Corona verstorben sind", erklärt der Krematoriumschef. Das Risiko sei immer da, sich mit anzustecken, weil bei so einer Leichenschau immer auch Aerosole beim Aufrichten des Leichnams austreten. Auch wenn er und seine Angestellten nicht bei der Schau dabei sind, bleiben die Aerosole in der Luft, wenn die Untersuchungen abgeschlossen sind."

Mehr Pragmatismus bei zweiter Leichehschau und Corona gefordert

Das sei eine Sache, die Gless und seine Kollegen nicht verstehen könnten. Wofür müssten Corona-Tote in Hygienehüllen gelegt werden, wenn diese später nochmal geöffnet werden? Aber der Gesetzgeber mache bei Corona keine Ausnahme vom Erfordernis der zweiten Leichenschau. "Könnte noch sein, dass der Verstorbene ein Messer im Rücken hat", ärgert sich Gless. Er wünscht sich Pragmatismus vom Gesetzgeber. Die Arbeit in einem Krematorium sei auch ohne Corona emotional sehr fordernd. Im vergangenen Jahr wurden in Eberswalde mehr als 8.700 Verstorbene eingeäschert, dabei waren etliche Unfalltote.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.01.2021, 16:10 Uhr

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1 Kommentar

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  1. 1.

    Danke RBB bin ich doch glatt auf euren clickbait hereingefallen.
    Also so wie jedes Jahr, wie zu erwarten, ein Wunder dass sie ihn nicht gleich als Corona Lügner bezeichnet haben.

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