Ein Lehrer in einer Schule (Quelle: Imago)
Audio: Antenne am Nachmittag | 13.02.2018 | Monika Kophal | Bild: imago stock&people

Unterrichtsausfall in Brandenburg - Grundschule streicht Englisch-Unterricht auf Monate

An Brandenburgs Schulen kommt es immer wieder zu Unterrichtsausfall, weil Lehrer fehlen. An der Grundschule Neutrebbin (Märkisch-Oderland) musste nun sogar der Englischunterricht der Erst- und Zweitklässler für das kommende Halbjahr gestrichen werden. Von Monika Kophal

Im Durchschnitt fallen 2,1 Prozent aller Schulstunden in Brandenburg ersatzlos aus, weil es nicht genügend Lehrer gibt. Die Erst- und Zweitklässler der Grundschule Neutrebbin (Märkisch-Oderland) müssen nun sogar auf ihren Englischunterricht verzichten. Das Bildungsministerium sieht kein Problem.

Ohne Englisch geht heutzutage wenig: Wir nutzen Englisch im Urlaub, auf der Arbeit und im Internet. Deswegen ist es wichtig, dass die Kinder bereits in der Grundschule Englischunterricht haben. Das sieht auch die Stundentafel des Landes Brandenburg so. Und trotzdem müssen die Erst- und Zweitklässler der Grundschule Neutrebbin in diesem Halbjahr darauf verzichten.

Bildungsministerium sieht kein Problem

Dass hier und da mal eine Unterrichtsstunde ausfällt, ist für Jessica Treptow-Klingen verständlich. Doch mittlerweile, so die Vorsitzende des Kreisschulbeirates Märkisch-Oderland, häufen sich die Vorfälle. "Immer wieder fällt Unterricht aus, häufig in der siebten und achten Stunde", sagt die Mutter.

Ihr Sohn besucht die zweite Klasse und müsste damit - so schreibt es Brandenburgs Stundentafel für Erst- und Zweitklässler vor - eine Fremdsprache lernen. Dass die Kinder im nächsten Halbjahr kein Englisch haben, ist für die Eltern ein großes Problem. Das Bildungsministerium sieht das anders. Dort heißt es auf Nachfrage: "Das Problem an der Grundschule Neutrebbin wurde behoben, der Unterricht findet statt."

Eltern fordern vernünftige Schulbildung

Jessica Treptow-Klingen findet die Aussage vom Bildungsministerium merkwürdig: Erst heute hat sie den neuen Stundenplan erhalten. Und Englisch, sagt sie, könne sie darauf nicht finden. Das bestätigt auch die Schule. Doch was heißt das nun für die betroffenen Kinder?

Kerstin Adan denkt darüber nach ihre Tochter von der Grundschule Neutrebbin zu nehmen. Doch eigentlich sieht sie das Land in der Pflicht: "Es kann nicht sein, dass Pflichtstunden ausfallen." Vielmehr sollten Schulen zusammengeführt werden, damit genügend Lehrer vorhanden sind. "Ich möchte, dass mein Kind eine vernünftige Schulbildung hat", sagt Adan.

Lässt sich nicht komplett vermeiden

Im Bildungsministerium gibt es scheinbar keinen großen Handlungsbedarf. Denn nur 2,1 Prozent der Stunden fallen in Brandenburg ersatzlos aus. "Der Wert ist sehr niedrig, da man Unterrichtsausfall komplett nie vermeiden kann", sagt Pressesprecher Ralph Kotsch.

Wie häufig Unterricht ausfällt, ist innerhalb Brandenburgs unterschiedlich. So ist Frankfurt (Oder) beim Thema Stundenausfall mit 3 Prozent ganz vorne, während in der Prignitz nur 1,4 Prozent der Stunden ausfallen. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 2,1 Prozent. "Ob viel Unterricht ausfällt oder nicht", sagt Kotsch, "hat damit zu tun, wie hoch der Altersdurchschnitt im Kollegium ist, wie viele Kollegen in Elternzeit gehen und wie häufig sie krank werden."

Viel Vertretungsunterricht

Ulrike Schwenter, Vorsitzende des Landeselternrates Brandenburg, sieht ein weiteres Problem: Unterrichtsvertretung. Etwa jede zehnte Stunde in Brandenburg wird vertreten. Nicht immer von einem Lehrer, der sich auskennt. Das heißt: Es kann passieren, dass ein Musiklehrer den Matheunterricht vertreten muss, obwohl er gar nicht im Thema ist. "Wir fordern, dass fachkundig vertreten wird, vor allem in der Sekundarstufe I und II", sagt Schwenter.

Das Bildungsministerium selbst erhebt nur, ob eine Stunde vertreten wird. Fachkundig oder fachfremd, sagt Pressesprecher Kotsch, wird dabei nicht notiert.  

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Für diese Leistung kann ich der Regierung Woidke nur meinen Respekt ausdrücken.

  2. 5.

    Richtig so! Fremdsprachkompetenz ist sowieso über bewertet. Wozu auch Fremdsprachen lernen?

  3. 4.

    Die Kinder können ja statt dessen Türkisch lernen. Das ist ja der neue Trend.

  4. 3.

    8 Mathelehrer in 2 Schuljahren (5. und 6. Kl.). Die frisch ausgebildeten Lehrerinnen (Alter unter 30)wurden entweder umgehend schwanger, oder entgingen dem Unterrichten anderweitig - "ich geh doch zur Montessori" oder "ich mach in Trebbin nur noch 1. und 2. Klassen". Unterricht fand fast nicht statt, die Vertretungen durch Pensionäre oder fachfremde Referendare war nicht mit Unterricht vergleichbar. Übel übel...
    Und dann kommt einer daher und macht gleiche Abiturprüfungen für Brandenburg und Berlin - das KANN nur scheitern, oder? Ist es ja auch letztes Jahr...

  5. 2.

    Das ist wirklich erschreckend scheinbar keine Planung. Zuviele Kinder und Stundenausfall.
    Aber wie immer kein Problem.
    In jedem Unternehmen muss sich die Leitung
    auch darauf einstellen das es Kranke gibt.
    Nur bei Schulen und anderen staatlichen Einrichtungen nicht.
    Trifft ja auch nur unsere Kinder und deren Zukunft.

  6. 1.

    Eine Bankrotterklärung.

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