Ein Helfer schenkt einem Flüchtling eine Tasse Tee ein
Audio: Antenne am Nachmittag | 16.04.2018 | Eva Kirchner | Bild: imago/Michael Schick

Viele Ehrenamtliche sind abgesprungen - In der Flüchtlingshilfe schwindet die Unterstützung

Als im Herbst 2015 immer mehr Flüchtlinge kamen, engagierte sich bundesweit fast jeder Zweite ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Zwei Jahre später hatte sich diese Zahl mehr als halbiert. Auch im Landkreis Oder-Spree sind viele Helfer abgesprungen.

Rund 100 Geflüchtete aus aller Welt leben aktuell in der Caritas – Gemeinschaftsunterkunft in Bad Saarow. Ohne ehrenamtliche Unterstützung geht es hier nicht, sagt Mitarbeiterin Mai Micklisch. Aber es helfen längst nicht mehr so viele Ehrenamtliche wie zuvior, die Mitarbeiter spüren den Rückgang des freiwilligen Engagements besonders.

Waren es zur Eröffnung des Hauses vor zwei Jahren noch etwa 50 Unterstützer, seien es heute gerade mal fünf oder sechs, so Mai Micklisch. Sie sagt, dass in der Hauptankunftszeit der Geflüchteten meist Sach- und Geldspenden ihre Gemeinschaftsunterkunft erreichten. Jetzt gehe es um Integration und die verlangt Bindung. Diesen Zeitaufwand könnten Ehrenamtliche kaum noch leisten, so ein Grund für den Rückgang des Ehrenamtes.

Diese Beobachtung deckt sich mit den Ergebnissen einer Studie, die das Bundesfamilienministerium beim Allensbach-Demoskopieinstitut in Auftrag gegeben hatte. Im Herbst 2015 sei die Hilfe der Ehrenamtlichen für Geflüchtete an die konkrete Notsituation gebunden gewesen, so das Ergebnis. Auch in Brandenburg halfen in diesem Zeitraum Tausende mit. Mehr als die Hälfte waren Berufstätige, die einen Großteil ihrer Freizeit für die Arbeit mit Geflüchteten zur Verfügung stellten - das ist das Ergebnis einer Befragung des Brandenburger Sozialministeriums aus dem Jahr 2017.

Ein Integrationskurs für Flüchtlinge in Düsseldorf (NRW)
Bild: imago/Olaf Döring

Veränderte Aufgaben für Ehrenamtliche

Die Aufgaben in der Flüchtlingshilfe haben sich verändert. Das geht auch aus einer aktuellen Studie des Brandenburger Sozialministeriums hervor. Lag das Hauptaugenmerk im Herbst 2015 beim Organisieren von Unterkünften, Deutschkursen und Spenden sammeln, geht es jetzt um Begleitung und Integration. Ganz aktiv kümmern sich die Ehrenamtlichen heute darum, passende Wohnungen für Geflüchtete und Asylberechtigte zu finden, und die entsprechenden bürokratischen Vorgänge zu begleiten.

Das beschreibt auch Mai Micklisch in Bad Saarow: Es sei eine Aufgabe, die unter Umständen sehr zweitaufwändig sei. Und genau da liegt einer der Gründe, für den Rückgang der Zahlen im Ehrenamt, das bestätigt auch Katja Kaiser, Leiterin des Amtes für Ausländerangelegenheiten im Landkreis Oder-Spree. Den Menschen kennenzulernen, sich ihm zuwenden, solch eine ehrenamtliche Hilfe brauche es jetzt im Landkreis Oder-Spree, sagt sie. Elke Wagner vom Fürstenwalder Freiwilligenzentrum begleitet selbst seit zwei Jahren eine Patenfamilie. Seither sind ihre familiären Geburtstagsrunden größer geworden, sagt sie.

Beitrag von Eva Kirchner

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23 Kommentare

  1. 23.

    Ich kann nur empfehlen das Buch dess ehemaligen Redakteur und Moderator von ARD und des ZDF zulesen.Unter dem Titel "Schluss mit den ewigen Mogelpackungen". Er kritisiert die ständigen Unterstellungen,wenn man eine andere Meinung zur Flüchtlingsfrage vertritt,das man als AFD/NPD/PegidaVertreter in die Ecke gestellt wird.Große Schuld daran hat nicht wahrheisgemäße Meldung von Verbrechen in den Medien wo nicht mehr mit Nennung des Namen und des Landes gemeldet wird.Dem stimmen u.a. der CDU Bosbach und der ehem. Bürgermeister von Neukölln zu.
    Ich kann dieses Buch nur empfehlen.

  2. 21.

    Mit Schwund muss man rechnen. Und manche Ehrenamtliche haben gemerkt, wem sie helfen und oft festgestellt, das viele nur fordern und fordern. Ich spreche aus Erfahrung!

  3. 20.

    Vor kurzem kam, daß ca. 48 Prozent der deutschen Bürger in irgendeiner Form ehrenamtlich tätig sind, sei es Kirchengemeinde, Sportverein etc.. Wenn alle ihr Ehrenamt plötzlich aufgeben würden, würde es in Deutschland zum Eklat kommen und unsere Politiker müßten schauen, wie sie diese Lücken schließen können.
    Ich hatte den Eindruck, daß bei der Migrantenbetreuung mit "wir schaffen das" viele auch ausgebeutet wurden. Ich weiß von Freunden, daß es z.T. einfach zuviel wurde, was ihnen bei der kommunalen Migrantenbetreuung aufgebürdet wurde.
    Ich selbst bin auch ehrenamtlich tätig und zwar in unserer Kirchengemeinde bei Altennachmittagen und das reicht auch.

  4. 18.

    Nochmals, ich habe nichts gegen das Ehrenamt an sich. Ich befürworte es sogar. Ich habe aber etwas dagegen, wenn der Staat sich aus seinen Pflichten soweit zurückzieht, dass es ohne Freiwillige gar nicht mehr geht. Das ist eine indirekte Ausbeutung, ein Ausnutzen von schlechtem Gewissen oder von Hilfsbereitschaft, wenn auch letztlich getrieben von Selbstausbeutung. Und ich kann es keinem Menschen verdenken, der aus dieser Mühle irgendwann aussteigt. Und dass viele aussteigen, darum ging es ja im Artikel.
    Füllen Sie gerne Ihr Ehrenamt aus, egal in welchem Bereich, dagegen sage ich nichts. Ich persönlich unterstütze aber andere Projekte (keine reinen Flüchtlingsprojekte). Die Freiheit der Wahl haben wir alle ja zum Glück.

  5. 17.

    Was Sie da von sich geben ist totaler Quatsch. Jeder Mensch kann sich sozial einbringen und das völlig unspektakulär. Auch Sie. Dazu muß man nicht erst in Rente sein. Sie können sich sogar aussuchen wo und wieviel Zeit Sie aufwenden möchten. Im übrigen habe ich nirgends erwähnt, wo ich mich Engagieren will und tue. Aber Leute wie Sie machen es mir leicht bei der Suche.

  6. 16.

    Lassen Sie sich das Ehrenamt nicht madig machen.

    Wenn ihnen ein Kind stolz wie Bolle zeigt wie es sein Fahrrad reparieren kann oder ein Jugendlicher mit ihrer Hilfe ein Praktium oder gar eine Ausbildungsstelle ergattern konnte, solche Momente vergessen sie nie und ist mehr wert wie alle Urkunden und Geld der Welt!

  7. 15.

    Danke für Ihre Kommentare. Obwohl ich nicht einmal begonnen habe mit einer Ehrenamtlichen Tätigkeit, war und ist mein erster Gedanke gewesen, mich nicht spektakulär einzubinden.

  8. 14.

    Was Sie schreiben stimmt nicht. Niemand der Ehrenamtlichen wird ausgebeutet. Freiwillige Zeiteinteilung steht jedem offen. Man muß es nur vorher zum Ausdruck bringen. Klar gibt es Organisationen, welche die Hilfsbereitschaft sehr gerne ausnutzen und somit Ehrenamtliche in eine Zwickmühle bringen. Habe mich gründlich darüber informiert( Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V.) und das erste was mir als Warnung mitgegeben wurde war der Vermerkt: sich nicht ausbeuten zu lassen. Man muß auch nein sagen dürfen, wenn’s reicht.

  9. 13.

    Meine ehrenamtliche Tätigkeit war auch nicht "spektakulär". Ich habe an "sozialen Brennpunkten" Kindern und Jugendlichen gezeigt wie man seine Freizeit sinnvoll(er) verbringen kann.

    Das "spektakulärste" war ein feucht-warmer Händedruck unseres damaligen Bezirksbürgermeisters auf den ich auch gerne hätte verzichten können. Die nächsten Male konnte ich mich darum drücken.

  10. 12.

    Niemand möchte Ihnen verwehren, wenn Sie sich ehrenamtlich engagieren tun wollen, nur zu, sie sehen ja, jede Hand wird gebraucht, bei der Bewältigung der gigantischen Aufgabe der Integration von mehr als 2000000 Geflüchteter.
    Sie als jetziger Rentner brauchen dann später auch den kommenden Generationen gegenüber keine Rechenschaft ablegen. Ich möglicherweise schon.

  11. 11.

    Sie und ihresgleichen laufen nicht mit "offenen Augen", sie und ihresgleichen sind schlicht Rassisten und fremdenfeindlich, das ist alles. Sie "riechen Braten" wie sie ihnen ihre Filterblase vorgaukelt.

    Und ich würde es mal mir lesen und (nach-)denken probieren, ich schrieb doch dass ich mich schon vor '89 ehrenamtlich betätigt habe.

    Unterlassen sie doch mal einfach ihre Hetzbeiträge, dann kommt auch was anderes bei heraus...

  12. 10.

    ...und noch eins. "profilieren" hätten sich die selbsternannten Weltenretter auch vorher schon können, denn Ehrenamt gab es auch schon vorher. Sie können jederzeit zu einem x-beliebig Sportverein gehen und fragen, ob Sie die Kinder vielleicht zum nächsten Auswärtsspiel fahren sollen, denn viele wissen nicht, wie sie da hin kommen sollen. Das wäre aber nicht "spektakulär" und man wäre nicht plötzlich Teil einer "großen Sache".
    Aber mit Ihnen zu diskutieren ist wie mit einer Aufziehpuppe, kommt eh immer nur das selbe raus.

  13. 9.

    schon wieder Sie (oder immer noch)...
    "Meinesgleichen" hat den Braten schon vor zwei Jahren gerochen, "Ihresgleichen" braucht halt bisschen länger. Sollte ja auch kein Vorwurf sein. Tatsache ist, wer mit offenen Augen durch Deutschland läuft, der wird mir zustimmen. Sie müssen das nicht, damit komme ich gut zurecht.

  14. 8.

    Unsere Gesellschaft wird immer individueller. Das hat viele gute Seiten zufolge, aber bringt auch das Problem mit sich, welches in den ersten drei Kommentaren (Steffen, Ingolf, REIMANN) deutlich wird: eine ignorante, egozentrische Haltung. Eine Gesellschaft funktioniert aber nur mit ehrenamtlichen Engagement.

    @Lothar: Toll, dass Sie sich engagieren wollen! Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen.

  15. 7.

    Tun Sie das doch gerne, Lothar. Ich werde es Ihnen weder verbieten wollen noch auszureden versuchen. Es gibt durchaus sinnvolle Möglichkeiten, auch in diesem Bereich. Ein Großteil davon ist es meiner Meinung nach aber nicht sondern ein Ausnutzen kostenfreier Mitarbeiter, während andere die Gewinne abschöpfen. Viel Erfolg! (Und das meine ich ehrlich)
    Ich unterstütze lieber die Arche.

  16. 6.

    "..."armen Geflüchteten" mit den weißen Nike- Sneakern und dem goldfarbene Iphon 8,..."

    Billigste AfD/NPD Propaganda auf alleruntersten Niveau...

    Und die wenigsten Ehrenmamtlichen wollen sich profilieren, das lässt sich heute einfacher auf Fratzenbuch oder wie sie und ihresgleichen hier bewerkstelligen.

    Ich habe schon ehrenamtlich gearbeitet da sind sie noch Winkelemente schwingend zur 1. Mai "Demo" abkommandiert worden.

    Ich wollte nämlich der Gesellschaft, der ich viel zu verdanken habe, etwas zurückgeben. Ich kann nicht für alle Ehrenamtlichen sprechen aber für die die ich kennengelernt habe trifft das auch zu.

  17. 5.

    Gerade letzten Samstag war die „Freiwilligenbörse“ im Roten Rathaus. Ich habe mich als Rentner dafür entschieden ein Ehrenamt zu übernehmen, wußte aber bis heute noch nicht wo. Wenn ich nur schon diese beiden Kommentare lese( 1+2 ) dann weiß ich jetzt, wo ich mich Engagieren tue. Im übrigen kann ich selbst bestimmen wieviele Stunden ich in meiner Freizeit mit ehrenamtlicher Tätigkeit verbringe.

  18. 4.

    Mich wundert es nicht ! ehrenamtliche Arbeit wird weder geschätzt noch finanziell entschädigt ! Das bisschen Aufwandsentschädigung macht den Kohl nicht fett ! Solange Vater Staat es stiefmütterlich behandelt wird wohl bald das Ende des Ehrenamts angebrochen sein ! Entweder richtige Bezahlung wie b ei einer richtigen Anstellung oder das wars !

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