Audio: Antenne Brandenburg | 05.04.2018 | Autorin: Uta Schleiermacher | Bild: Klaus Lampe| rbb

Engagement der Einzelkämpfer - Warum jeder zweite Brandenburger Bürgermeister parteilos ist

Bei Bürgermeisterwahlen, heißt es, wird die Person gewählt, nicht die Partei. Doch fast die die Hälfte der Brandenburger Bürgermeister gehört gar keiner Partei mehr an. Ist das ein Nachteil für Städte und Gemeinden - oder kann das sogar ein Vorteil sein? Von Uta Schleiermacher

CDU, SPD, FDP oder Linkspartei? Fehlanzeige. Bei fast der Hälfte aller hauptamtlichen Bürgermeister spielen die Parteien keine Rolle mehr. Sie haben es als Einzelbewerber oder über Wählerbündnisse an die Spitze von Gemeinden und Städten geschafft. Ganz neu ist diese Entwicklung nicht. "Das liegt natürlich an dieser Riesenskepsis gegenüber Parteien, die nach 1989 entstanden ist, durch die Deklassierung der SED und auch die große Enttäuschung", sagt Martina Weyrauch, Leiterin der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung.  

Mehr Mitglieder im Anglerverein als in Parteien

Nicht nur bei den Bürgermeistern stellt Martina Weyrauch Parteiferne fest. Von den rund 2,5 Millionen Einwohnern Brandenburgs sind nur rund 20.000 Menschen überhaupt Mitglied einer Partei. Im Vergleich: Die freiwillige Feuerwehr hat mit 45.000 mehr als doppelt so viele Mitglieder, der Anglerverband sogar um die 74.000.

"Es ist schwierig, aber das Engagement vor Ort ist trotzdem vorhanden und es bilden sich dann sogenannte bunte Bündnisse", sagt Weyrauch. Ein Problem sieht sie darin nicht. "Alles, was sich um das Parteiensystem herum entwickelt, sollten wir doch erstmal mit Interesse und großer Neugier betrachten."

Gehör in Potsdam und Berlin

Ein Bürgermeister muss seine Verwaltung gut leiten und auf die Menschen zugehen. Aber fehlen parteilosen Bürgermeistern möglicherweise wichtige Kontakte und Erfahrung? Nicht unbedingt, meint Jens Graf, Geschäftsführer vom Städte- und Gemeindebund Brandenburg. In den Gemeinden komme es darauf an, die Dinge vor Ort zu regeln. Allerdings fällt es parteilosen Bürgermeistern möglicherweise schwerer, auch außerhalb ihrer Stadt oder Gemeinde gehört zu werden.

"Wenn die Belange der Menschen vor Ort auch in Potsdam oder auf der Bundesebene in Berlin Gehör finden sollen, dann ist es wichtig, dass die Mechanismen, die durch die politischen Parteien geboten werden, auch funktionieren", sagt Graf.

Kurse für Kandidaten

Manche Parteien reagieren inzwischen auf diese Tendenz. "Wir beobachten, dass die Parteien verstärkt versuchen, Kandidaten heranzubilden", sagt Jens Graf. "Die SPD hat zum Beispiel ein Programm entwickelt, um Menschen auf eine Kandidatur vorzubereiten." Es sind also letztlich vor allem die Parteien selbst, denen es Probleme bereitet, wenn sie keine Vertreter mehr in den Städten und Gemeinden haben und ihnen der Rückhalt an der Basis abhanden kommt.

Beitrag von Uta Schleiermacher

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Parteilos nur nach außen, es macht sich halt nicht mehr so gut wenn man sich outet SPD oder CDU Mitglied zu sein, wer soll einen dann noch wählen ???

  2. 1.

    Die Parteilosigkeit der Bürgeermeister ist kein brandenburgisches Phänomen, sondern findet sich selbstverständlich auch in Baden-Württemberg und vor allem auch in Bayern. Völlig unabhängig der ansonsten erdrückenden Übermacht der CSU, gerade im ländlichen Raum. HIer ist es wirklich ein Einzelbewerber, dort einer, der über eine "Freie Liste" eingezogen ist, in einem weiteren Ort wiederum anders.

    Ich finde das wunderbar so. Auch halte ich nichts davon, Lösungen dadurch zu finden, dass "Großköpfe" einer Partei für bestimmte Dinge sensibilisiert werden müssen, damit sich überhaupt etwas bewegt - weil es sich innerhalb der herkömmlichen Kategorien von Macht bewegt, die weit mehr mit "Ansehen" und "Ansehensverlust" als mit tatsächlichen Lösungen zu tun haben.

    Lösungen finden sich vorrangig durch Gelöstheit der jeweiligen Person. Parteibindung incl. aller übermäßig eingegangener Abhängigkeiten ist aber das Gegenteil von Gelöstheit.

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