Altenpfleger Ferdi Cebi füttert Pflegebedürftigen in Paderborn (Bild: dpa)
Audio: Inforadio | 20.12.2018 | Stefan Kunze | Bild: dpa

Neue Pflegepersonaluntergrenze - Krankenhäusern droht Bettenabbau

Wie viele Patienten eine Pflegekraft betreuen darf, regelt ab dem kommenden Jahr die neue Pflegepersonaluntergrenze. Für einige Krankenhäuser in Brandenburg könnte das bedeuten, dass sie einen Teil ihrer Betten abbauen müssen. Von Stefan Kunze

Die neue Pflegepersonaluntergrenze soll ab kommendem Jahr regeln, um wie viel Patienten sich eine Pflegekraft höchstens kümmern darf. Doch um diese Mindestbesetzung stets einhalten zu können, fehlt es einigen Krankenhäusern an Personal.

Dirk Hinz, ärztlicher Leiter des Städtischen Krankenhauses in Eisenhüttenstadt bewertet die neue Pflegepersonaluntergrenze wie folgt: "Im Prinzip ist das ein Luftballon mit vielen Löchern. Man klebt zwar überall mal ein Pflaster drauf, irgendwo bleibt aber trotzdem noch ein Loch übrig, für das man kein Pflaster mehr hat."

Das bedeutet, die neue Verordnung regelt zwar die Mindestbesetzung, ändert jedoch nichts an dem Kernproblem: Es gibt generell zu wenig Pflegekräfte.

Das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt
Das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt | Bild: dpa-Zentralbild

Mindestbesetzung gilt nur für bestimmte Bereiche

Außerdem gilt die Mindestbesetzung nur in sogenannten pflegeintensiven Bereichen. Dazu zählen die Intensiv- und Unfallmedizin, die Kardiologie und die Geriatrie.

Am Krankenhaus in Eisenhüttenstadt ist nur die Geriatrie - also der Bereich der Altersmedizin - von der Neuregelung betroffen. Die anderen Stationen haben weniger als zehn Betten und sind damit von der Verordnung ausgeschlossen.

In der Geriatrie darf sich künftig eine Pflegekraft während seiner Tagesschicht um maximal zehn Patienten kümmern. In der Nachtschicht ist das Verhältnis doppelt so hoch. "Aus meiner Sicht ist die Untergrenze in der Geriatrie eher zu niedrig", sagt Dirk Hinz.

Kein Personalmangel am Asklepios Klinikum Uckermark

Ulrich Gnauck, Geschäftsführer am Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt, ist erstaunt über die neue Quote. "Wenn diese Quoten wirklich notwendig sind, dann muss es in einigen Kliniken Zustände gegeben haben, die wir bei Asklepios nicht kennen", sagt er.

Bei ihm sind die Geriatrie und die Kardiologie von der Pflegepersonaluntergrenze betroffen. Unter Druck setze das die Klinik jedoch nicht. "Wir erreichen die von Herrn Spahn festgelegten Untergrenzen locker", sagt Ulrich Gnauck.

Situation am Kreiskrankenhaus in Prenzlau kritisch

Bei der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG), die im Barnim und der Uckermark gleich fünf Krankenhäuser betreibt, sieht die Lage anders aus.

Am Werner-Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde werde die Untergrenze zwar bereits in allen vier Bereichen eingehalten. Dafür müsse am Kreiskrankenhaus in Prenzlau nachgebessert werden.

"Wir müssten in der Geriatrie und in der Intensivmedizin zusätzlich drei Stellen einrichten, um die entsprechenden Vorschriften einhalten zu können", sagt GLG-Pflegedirektorin Christiane Reinefeldt.

Krankenhäuser müssen mit Sanktionen rechnen

Andere, gerade größere Kliniken, halten sich da eher bedeckt. Denn wird die Mindestzahl an Pflegekräften im Monatsdurchschnitt nicht eingehalten, drohen ab April Sanktionen.

"Kommt es zur Unterschreitung der Pflegebesetzung in diesen vier Bereichen", sagt Christiane Reinefeldt von der GLG, "haben wir Abschläge auf die Vergütung der Fälle zu erwarten."

Das heißt, es gibt weniger Geld für Behandlungen. Oder aber die Krankenhäuser sind gezwungen, Betten zu schließen. "Da hat natürlich jedes Krankenhaus ein finanzielles Problem, wenn Betten geschlossen werden", sagt Dirk Hinz vom Krankenhaus in Eisenhüttenstadt.

Krankenhäuser erwarten starken Konkurrenzkampf

Es ist anzunehmen, dass in einigen Krankenhäusern das Personal innerhalb der Stationen hin und wieder wechseln wird, um die Untergrenze und Mindestvorgaben grundsätzlich einzuhalten.

Einige werden auf Leasingfirmen zurückgreifen. Und nahezu alle erwarten einen Konkurrenzkampf um Pflegekräfte - inklusive Kopfprämien.

"Einige Kollegen haben Begrüßungsgeld versprochen, sollte jemand einen Vertrag unterschreiben", sagt Ulrich Gnauck vom Uckermark-Klinikum. Bei der Suche nach Ärzten greifen Krankenhäuser länger schon auf Headhunting-Agenturen zurück. "Das wird in der Pflege jetzt auch kommen."

Beitrag von Stefan Kunze

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Auch ich kann mich meinen Vorredner nur anschließen: „ was für ein gequirlter Mist! Aber ich weiß ja aus welcher Ecke solch sinnfreier Kommentar kommt.

  2. 2.

    Einen Personalmangel gab es bereits bevor viele Menschen unfreiwillig flüchten mussten.

    Fremdenfeindlichkeit so zu legimitieren ist gelinde gesagt, sehr kurz gedacht.



  3. 1.

    Ich bleibe dabei ... Geld kann man nur einmal ausgeben
    entweder für Krankenhäuser oder Flüchtlingsunterkünfte.

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