Eine Woche nach Flutungsbeginn am künftigen Cottbuser Ostsee (Quelle: imago/Rainer Weisflog)
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Sorge um Trinkwasserqualität - Frankfurt (Oder) klagt gegen die Flutung des Ostsees

Mit dem Ostsee läuft es einfach nicht: Vor einem Monat wurde mit der Flutung des Tagebaulochs bei Cottbus begonnen - doch zuerst fehlte wegen Regenmangels das Wasser. Nun kommt eine Klage des Nachbarn dazu.

Gegen die Flutung des Cottbuser Ostsees geht die Stadt Frankfurt (Oder) juristisch vor. Wie die Stadt am Montag mitteilte, habe sie - als Trägerin der Trinkwasserversorgung - gemeinsam mit der Wasser- und Abwassergesellschaft mbH (FWA) Klage gegen die Genehmigung zur Flutung eingereicht. Nun muss sich das Verwaltungsgericht Cottbus damit befassen.

Hintergrund ist die Flutung des früheren Tagebaulochs bei Cottbus mit Spreewasser. Die Genehmigung dafür wurde am 12. April 2019 durch das Landesbergbauamt erteilt - unmittelbar vor Beginn der Flutung. Im Genehmigungsbescheid seien Forderungen, "nicht angemessen berücksichtigt" worden, die Trinkwasserqualität in Frankfurt (Oder) und den umliegenden Gemeinden zu sichern - so der Vorwurf aus Frankfurt.

Sorge vor höherer Sulfatbelastung

Frankfurt (Oder) fürchtet eine immer stärkere Belastung des Trinkswassers mit Sulfaten. Diese Stoffe können in zu hoher Konzentration Durchfallerkrankungen auslösen. "Durch die Flutung des Cottbuser Ostsees entsteht eine neue Eintragsquelle für Sulfat in die Spree, welche die ohnehin bereits unakzeptabel hohe Sulfatbelastung der Spree weiter verstärken wird", erklärte die Stadt Frankfurt am Montag. "Der spätere See werde "mit einer genehmigten Sulfatkonzentration bis zu 620 mg/l deutlich über der Konzentration in der Spree liegen." Bei der Versickerung von Spreewasser bleibe gelöstes Sulfat aber vollständig erhalten.

Wasser für 65.000 Menschen

Laut Mitteilung versorgt die FWA 65.000 Menschen fast ausschließlich über das Wasserwerk in Briesen. Das Trinkwasser werde wegen der begrenzten Grundwasservorkommen zu 75 Prozent aus versickertem Spreewasser gewonnen.

Die Stadt habe bereits begonnen, nach anderen Quellen für Trinkwasser mit niedrigerem Sulfatwert zu suchen: So sei im März 2019 der Bau eines neuen Wasserwerks in Müllrose beschlossen worden. "Darüber hinaus werden neue Grundwasservorkommen am Standort Briesen erkundet. Bis Frankfurt aber tatsächlich Wasser aus neuen Quellen bekomme, könne es sich hinziehen.

In der Mitteilung betont die Stadt, sie sei nicht grundsätzlich gegen den Ostsee - die Klage solle aber dafür sorgen, dass Frankfurt nicht auf den Kosten für eine gute Trinkwasserversorgung sitzenbleibe, wörtlich: "dass die notwendigen Investitionen zur Sicherung einer gefahrlosen Trinkwasserversorgungverursachergerecht finanziert werden".

Flutung gleich nach zwei Wochen gestoppt

Der Ostsee soll einmal eine Wasserfläche von knapp 19 Quadratkilometern haben. Geplant ist, jährlich rund 45 Millionen Kubikmeter Wasser in das Tagebauloch fließen zu lassen. Im Jahr 2025 soll das Wasser nach Angaben des Energieunternehmens Leag die notwendige Mindesthöhe von 2,70 Meter in der Mitte des Sees erreichen.

Allerdings war die Flutung bereits zwei Wochen nach dem Start wieder gestoppt worden: Wegen der Trockenheit im gesamten Einzugsgebiet der Spree wurde kein Wasser zur Flutung
zugeteilt. Schifffahrt, Fischerei und Industrie gingen vor.

Sendung: Brandenburg aktuell, 13.05.2019, 19:30 Uhr

Flutung des Ostsees beginnt

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Ich habe mich mehr als gewundert als ich von dem Vorhaben der Flutung hörte.
    Es ist doch bekannt ,dass schon im vorigem Jahr eine zu große Trockenheit herrschte.

  2. 4.

    Leider wird bei vielen dieser Entscheidungen dem nachhaltigen Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, wie z.B. Trinkwasser, für die künftigen Generationen zu wenig Bedeutung beigemessen. Nach uns die .... ;)

  3. 2.

    Das macht wenig Sinn da die Bäume durch natürlich ansteigendes Grundwasser geflutet würden.
    Langsam ahnt die Brandenburger Kohle-SPD was sie den Bürgern im Auftrag der Kohlelobby angetan hat. Der Raubbau an der Natur gefährdet das Trinkwasser, als ob Feinstaub und Quecksilber noch nicht reichen.
    Raus aus der Kohle vor 2030 !!!
    Viel Glück vor Gericht !!!

  4. 1.

    Warum wird eigentlich sowas immer mit Wasser aufgefüllt. Wäre es nicht besser in der Grube einen Wald anzubauen. Der würde ja auch CO2 aus der Luft wieder aufnehmen.

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