Für LGBTIQ-Rechte in Polen und Deutschland - Pride zieht erstmals durch Frankfurt (Oder) und Slubice

Pride für LGTBIQ-Rechte in Polen (Quelle: dap/Beata Zawrzel)
Bild: dpa/Beata Zawrzel

"LGBT-freie Zonen", Schikanen, Festnahmen: In Polen sind Lesben, Schwule und andere queere Menschen vielerorts Diskriminierungen ausgesetzt. Um auch darauf aufmerksam zu machen, zieht jetzt eine Pride-Parade durch die Doppelstadt Frankfurt/Slubice.

Unter dem Motto "Liebe ohne Grenzen" zieht Anfang September zum ersten Mal eine Pride-Parade durch Frankfurt (Oder) und Slubice. Mit der Demonstration wollen die Veranstalter*innen auf die Infrastruktur für queere Menschen in beiden Teilen der Doppelstadt aufmerksam machen. Diese sei bisher kaum sichtbar, heißt es.

Solidarität mit der Community in Polen

Außerdem will das Organisationsteam Solidarität mit der LGBTIQ*-Community in Polen ausdrücken. Denn Lesben oder Schwule, bi, trans, inter oder andere queer Menschen geraten dort zunehmend gesellschaftlich unter Druck. Insbesondere seitdem zunehmend Kommunen sogenannte "LGBT-freie Zonen" ausgerufen haben.

Außerdem werden sie im Alltag diskriminiert oder durch hetzerische Kampagnen bedrängt. Die konservative Regierungspartei PiS hatte im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf die Stimmung angeheizt und nicht-heterosexuelle Orientierungen als "Ideologie" verunglimpft. Erst am Wochenende waren rund 50 Unterstützer*innen in Warschau in Gewahrsam genommen worden [queer.de], die dort gegen die Verhaftung einer LGBTIQ-Aktivist*in protestiert hatten.

Queeres Leben in der Grenzregion

"Die Doppelstadt soll ein sicherer Ort für alle Menschen sein", heißt es in einem nun veröffentlichten Aufruf der Organisator*innen. Während der Demonstration sollen demnach queere Personen, Aktivist*innen und Organisationen aus Frankfurt und Slubice, Brandenburg und Lubuskie, Deutschland und Polen ihre Geschichten, Arbeit, Forderungen und Ziele vorstellen.

Eine unabhängige Gruppe mit rund 20 Engagierten aus beiden Städten und der näheren Umgebung organisiert die Demonstration. Die Gruppe steht im lockeren Zusammenhang zu dem Frankfuter Bündnis "Vielfaltgestalter" [stiftung-spi.de] und hat sich extra für diese Aktion zusammengefunden.

Startpunkt im polnischen Slubice

Der Pride-Umzug beginnt am Samstag, 5. September 2020 um 14 Uhr auf dem Plac Bohaterow im polnischen Slubice. Die Route führt durch Slubice über die Oderbrücke und durch das Frankfurter Zentrum zum Holzmarkt, wo die Abschlusskundgebung gegen 16.30 Uhr geplant ist.

Teilnehmer*innen müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und die Mindestabstände einhalten - in Polen sind dies zwei Meter, in Deutschland anderthalb Meter. Wer über Frankfurt (Oder) mit dem Zug anreist, kann sich auch der Gruppe anschließen, die dort um 13 Uhr starten möchte.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.08.2020, 13:30 Uhr

Beitrag von Uta Schleiermacher

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ggf. liegt ein Missverständnis darin, dass ich schrieb: "Die regierungsamtliche Perspektive Polens ist nur vergleichbar mit tiefkatholischen Gegenden hierzulande: bayerische Bergdörfer ..."

    Das "Nur" war keineswegs eine Verharmlosung, von der Sie vielleicht ausgehen, Lothar. Dass das Gebrüll der polnischen Regierung, so will ich es nennen, mit tiefkatholischen Gegenden hierzulande vergleichbar ist, heißt nicht, dass woanders in Polen Friede, Freude, Eierkuchen herrschen würde diesbezüglich. Vielmehr ist es durchwachsen. Ja, ich schreibe durchwachsen. Die Zivilgesellschaft in Poznan und Wroclaw ist anders durchstrukturiert als in den Dörfern und auch anders strukturiert als in nahezu allen östlichen und südöstlichen Gegenden Polens. Da herrscht Homophobie pur. Und auch Islamophobie pur. Gegenüber allem, was anders ist.

    Das setzt sich dann über Ländergrenzen hinweg fort.

  2. 4.

    Hier stimmt Ihre Logik beiweiten nicht mit der Realität in weiten Teilen Polens gegenüber einer Minderheit überein. Lesben und Schwule werden verfolgt, angegriffen und vor Gericht gestellt, während Sie Herr Krüger immer wieder die gleichen Sprüche anführen. Machen Sie sich doch bitte einfach mal die Mühe und schauen noch weiter noch Osten. Russland z.B. Da geht es dieser Community noch verschärfter an den Kragen und wofür? Nur weil sie für mehr Gleichberechtigung sind. Beide Staaten arbeiten Hand in Hand mit der dortigen Kirche zusammen. Im übrigen empfehle ich Ihnen einen Blick auf Queer.de zu werfen. Aber dies dürfte wohl zuviel verlangt sein.

  3. 3.

    So räumlich nahe sich beide ehemaligen Stadthälften sind, die ja mithin aus einer Wurzel erwachsen sind, so unterschiedlich ist die Grundströmung in beiden Nationen, die die eine Stadt unter sich aufteilten. Deutschland als ehemaliger Aggressor hat sich geöffnet und erkennt zumindest auf politischer Ebene die Vielfalt sexueller Orientierungen an.

    Die regierungsamtliche Perspektive Polens ist nur vergleichbar mit tiefkatholischen Gegenden hierzulande: bayerische Bergdörfer wie auch bspw. der Raum Paderborn. Doch auch Polen ist im Umbruch. Das Wettern gegen die EU, die aus Polen "ein Land der Radfahrer, Schwulen und Vegetarier" machen wolle, wie es vor nicht all zu langer Zeit von der Regierungsbank tönte, wird allerdings dauerhaft keinen Bestand haben.

    Über alles rollt die Zeit hinweg. Auch über die Auffassung, dass Sexualität nur zu 100 % der Nachkommenschaft dienen müsse, ansonsten aber keinen Wert hätte.

  4. 2.

    Gute Aktion! Das reaktionär geführte Polen hat ja offensichtlich immer mehr ein Problem mit Menschenrechten (und Gewaltenteilung). Traurig, unmengen von Geld von der EU kassieren und dann aber gegen europäische Werte verstoßen. Das politische Christentum soll sich aus dem Staat heraushalten. Die Frauen in Polen sind als nächsten dran, Polen greift ja derzeit auch massiv die Istanbul-Konvention an, Gewalt gegen Frauen gehört anscheinend zu einem national-katholischen Staat dazu? Man muss aber hinzufügen, auch in Deutschland gibt es aber einige reaktionäre Politiker (insb. von CDU/CSU bzw. AfD) die die Zeit zurück drehen wollen, siehe zB MV-Innenminister Lorenz Caffier (CDU): https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Regenbogenflagge-Neustrelitz-will-hissen-darf-aber-nicht,fahnenstreit104.html

  5. 1.

    Doppelstadt Frankfurt/Slubice ...? Sonst aber macht jeder seins ... insbesondere qualifizierte Fachkraefte vom anderen zu sich rueberholen fuer die Arbeit? zB im Gesundheitswesen und bei der Pflege.
    Auf einmal eine Doppelstadt? Nicht dass die Demo in Polen noch verboten wird? Ach ja, der deutsche Einfluss ist ja riesig in Grenznaehe?
    LGBTIQ-Aktivist - was es doch alles fuer Aktivisten gibt?

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