Archivbild: Das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt (Brandenburg) aufgenommen am 02.12.2015. (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
dpa/Bernd Settnik
Audio: Antenne Brandenburg | 06.02.2020 | Sabine Kramm | Bild: dpa/Bernd Settnik

Keine Zulassung für Absolventen - Medizinerausbildung Stettin-Schwedt steht vor dem Aus

Wegen einer EU-Richtlinie können Krankenhäuser seit Monaten keine Medizin-Absolventen von polnischen Unis mehr einstellen. Das Klinikum Schwedt denkt deshalb darüber nach, die Kooperation mit Stettin zu beenden. Betroffen wären 100 Studierende. Von Sabine Kramm

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit bei der Medizinerausbildung steht vor dem Aus. Wie das Asklepios Klinikum Uckermark am Donnerstag mitteilte, ziehen der Geschäftsführer sowie der ärztliche Direktor des Klinikums in Betracht, die Kooperation mit der Universität Stettin zu beenden.

Als Begründung heißt es, dass die Absolventen des Asklepios-Studiengangs der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin derzeit keine Ärztezulassung in Deutschland erhalten würden, weil die Bestimmungen für Medizinabschlüsse in Polen geändert wurden.

Mehr als 100 Studierende betroffen

Nach Angaben des Asklepios-Klinikums wären von einer Auflösung der Kooperation mehr als 100 Studenten betroffen. "Das bedeutet, die Studenten könnten an der Uni bleiben, müssten aber den praktischen Teil komplett in Polen absolvieren", verdeutlicht Prof. Dr. Leszek Domanski die Situation. Er hoffe, dass Politik und Entscheidungsträger überlegen, was das für die Studenten bedeutet und endlich eine Entscheidung getroffen wird.

Die deutsch-polnische Kooperation zwischen Schwedt und Stettin besteht seit 2013. Der praktische Teil der Ausbildung wurde von den Studierenden bislang überwiegend am Schwedter Asklepios Klinikum absolviert. Doch das ist zur Zeit nicht möglich, da eine im April 2019 geänderte EU-Richtlinie verhindert, was vorher Normalität war: die Anerkennung medizinischer Diplome polnischer Universitäten.

Die 20 Absolventen und Absolventinnen des vergangenen Jahrgangs stehen deshalb schon seit acht Monaten vor dem Problem, dass sie in Deutschland keine Zulassung erhalten. Nach den neuesten Regelungen fehlen ihnen dafür die Prüfung in polnischem Medizinrecht und ein 13 Monate dauerndes Praktikum in einer polnischen Klinik.

Neue Richtlinie im April?

Obwohl diese Regelung laut polnischem Gesundheitsministerium nur gelten soll, wenn die angehenden Mediziner als Ärztin oder Arzt in Polen arbeiten möchten, gibt es derzeit keine abschließende Lösung für das Problem. Fünf Absolventen und Absolventinnen des internationalen Studiengangs waren bereits fest im Schwedter Klinikum eingeplant. Auch in Eberswalde hätten mehrere junge Ärzte bereits seit einem halben Jahr arbeiten sollen. 

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) erklärte Anfang Januar vor dem Gesundheitsausschuss, sie habe erst jetzt erkannt, dass es ein rein formales Problem sei und es dabei nicht um fehlende Qualifikationen gehe. Eine Lösung könne aber nur Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), beziehungsweise die polnische Regierung herbeiführen. Im April 2020 gebe es die Möglichkeit für Polen, die Richtlinie neu zu formulieren. Ähnlich hat sich inzwischen auch Spahn in einer Stellungnahme geäußert.

 

Sendung: Brandenburg Aktuell, 06.02.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Sabine Kramm

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. 3.

    dafür gibt es das, vorerst : Ein Stipendium für Medizinstudenten 1.000 Euro monatlich extra für angehende Landärzte
    alles unfassbar mit welcher Unkenntnis Gesundheitspolitik gemacht wird...

  2. 2.

    Wenn ich den Artikel lese wächst in mir die „Begeisterung „ für die EU. Es werden Änderungen erlassen ohne die Konsequenzen zu bedenken und das von hochbezahlten Politikern. Und wie üblich keiner hat den Hut auf.

  3. 1.

    Was nun Fr.Nonnenmacher ?! Das merkt man erst JETZT? Funktioniert in Deutschland überhaupt noch was?

Das könnte Sie auch interessieren

AB AN kompakt FFO 022120
rbb Studio Frankfurt (Oder)

Aus Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 21. Februar 2020

+++ Bürgermeisterwahl in Nordwestuckermark +++ Musikfesttage an der Oder beginnen +++ Rodungen in Grünheide gehen weiter +++ neue Ausstellung im Kleistmuseum +++ Freistilringer bereiten sich in Frankfurt auf Tokio vor +++ Märkischer Wintersporttag und Sporttipps +++