Kaskade von Staudämmen - Polen plant Bau von Staustufen in der Oder

Fr 22.01.21 | 15:51 Uhr | Von Fred Pilarski
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Audio: Antenne Brandenburg | 21.01.2020 | Fred Pilarski
Audio: Antenne Brandenburg | 21.01.2020 | Fred Pilarski | Bild: rbb/Fred Pilarski

Die Oder gilt als letzter freifließender Strom in Mitteleuropa und ist für die Binnenschifffahrt schwer berechenbar. Die polnische Seite drängt auf eine Regulierung. Die neuesten Ausbaupläne stellen in ihren Dimensionen jedoch alle bisherigen Vorhaben in den Schatten. Von Fred Pilarski

 

Nach dem Willen des Warschauer Infrastrukturministeriums sollen in die Oder Staustufen eingebaut werden - alleine neun Stufen am deutsch-polnischen Abschnitt.

In den Unterlagen werden verschiedene Varianten durchgespielt - mit Wasserständen von 2,10 Metern bis zu 2,70 Metern. Das wäre fast das Doppelte der heutigen Wassertiefe an vielen Abschnitten. Hinter den Stau- und Schleusenbauwerken sind jeweils bis zu acht Kilometer lange Abschnitte definiert, auf denen ausgebaggert werden soll.

"Ökologische Katastrophe"

Sascha Maier, Gewässerspezialist im BUND Brandenburg, sagte, nach einem solchen Umbau wäre der Fluss nicht mehr wiederzuerkennen. Eine Staustufe wäre eine ökologische Katastrophe, so Maier. "Weil sie den Charakter des Flusses wegnimmt. Der fließt dann einfach nicht mehr. Sie bekommen ganz andere Ökosysteme. Sie bekommen eine Seenkette und keinen freifließenden Fluss mehr - und das ist ja die Oder."

Vom Schwarzen Meer zur Ostsee?

Insgesamt ist das Projekt noch in einer frühen Phase - die jetzt bekannten Unterlagen, veröffentlicht am 23. Dezember, dienen zunächst der Vorbereitung einer strategischen Umweltprüfung. Dennoch sind sie mehr als ein Gedankenspiel: Sie ordnen sich ein in das Projekt eines geplanten Donau-Oder-Elbe-Kanals, der alten Idee einer Wasserstraßenverbindung zwischen Schwarzem Meer, Ost- und Nordsee. Vor allem Polen und Tschechien treiben diese Pläne im Moment wieder voran und bringen sich damit ein in die Diskussion um das Konzept der Transeuropäischen Verkehrsnetze (T-EN); dieses wird derzeit innerhalb der EU überarbeitet. Insofern könnte jetzt Druck aufgebaut werden, um sich große Budgets zu sichern.

Im vergangenen Sommer haben sich deshalb 18 Naturschutzverbände aus fünf europäischen Staaten zusammengetan, um bei der Europäischen Kommission gegen das Projekt zu argumentieren. Auch die wichtigsten deutschen Naturschutzverbände bezeichnen das Vorhaben als "naturschutzpolitischen Irrsinn". Es wäre das Ende der letzten großen und noch relativ naturnahen Fluss- und Auenlandschaften, so die Kritik.

Die Oder schneller und tiefer machen

Keine Zukunftsmusik ist ein anderes Ausbauprogramm, dessen Umsetzung in den nächsten Wochen beginnen könnte. Zwischen Frankfurt und Schwedt sollen Hunderte von Buhnen erneuert werden. Das sind Steinbarrieren, die wie Stachel in den Fluss ragen und den Strom in die Mitte des Flussbetts leiten. Dazu kommen sogenannte Längsbauwerke, die an Flussbiegungen wie Leitplanken für das Wasser wirken. Formuliertes Ziel des Ganzen ist es, die Oder schneller und tiefer zu machen, um Eisbrechern Zugang zu Eisbarrieren zu verschaffen, die wiederum Hochwässer aufstauen könnten. Kritiker halten dies für einen Vorwand, um Binnenschifffahrt möglich zu machen.

Laichplätze und Feuchtgebiete in Gefahr

Für Christian Wolter vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie ist schon dieses Vorhaben eine Katastrophe für die Ökosysteme im Fluss. Die Laichplätze zahlreicher Fischarten würden beseitigt, Feuchtgebiete an den Ufern würden verschwinden. Der wirtschaftliche Gewinn wäre gegen den ökologischen Verlust marginal. Die Oder sei eben nicht der Rhein, auf dem fast 700-Mal mehr Fracht transportiert wird. Nach seiner Auffassung gebe es in der Region keine wirtschaftlichen Strukturen, die so einen Ausbau rechtfertigen. "Stattdessen verlieren wir eine Flusslandschaft – für nichts."

Beitrag von Fred Pilarski

61 Kommentare

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  1. 61.

    Wo haben Sie etwas von geradlinig gelesen? Demnach müsste ja auch der Grenzverlauf geändert werden. Wo haben Sie etwas von 1 Prozent gelesen? Haben Sie geheime Informationen? Und die Frage was transportiert werden sollte wurde bereits mehrfach beantwortet. Glauben Sie wirklich Polen betreibt nur den Aufwand um andere zu ärgern? Falls ja, bei Ihnen hat es leider funktioniert, tut mir leid.

  2. 60.

    Weiß ich nicht ob 50% grün gewählt wird, aber meine Einzelmeinung zu äußern, gestehen Sie mir doch zu oder?
    Ich habe das nicht zu entscheiden, darf aber sagen wenn es mir nicht gefällt oder ich es für Quark halte oder wenn ich sachliche Fehler sehe, die man später schwer korrigieren kann.
    Ich möchte einfach keine sterile geradlinige Oder, auf der am Ende nur vereinzelt Schiffe fahren und vielleicht 1% des Straßenverkehrs entlastet wurde.
    Das sachliche Argument was alles abwägen lässt und auch entscheiden würde ob es „richtig“ wäre, fehlt ja leider und wird nicht beantwortet, was oder wieviel soll über die Oder transportiert werden?

  3. 59.

    Doch mach ich aber, solange bis sie konkret beantwortet wird.
    So ziemlich alle LKWs die ich jeden Tag auf der A12 sehe, transportieren Produkte die innerhalb kürzester Zeit von A nach B direkt geliefert werden. Der Schiffsverkehr kann das nicht.
    Schiffsverkehr ist interessant für Kohle, Rohstoffe, Sand etc. Massengüter. Davon sehe ich nix auf den Autobahnen, bis auf das was lokal transportiert wird.
    Überspitzt gesagt wollen Sie Ihr Amazon Paket vom polnischen Auslieferungslager via Schiff transportieren und am nächstgelegenen Hafen abholen?
    Binnenschifffahrt geht europaweit zurück, weil die Logistiker es so wollen. Das gefällt auch mir nicht, ist aber nunmal so. Und die Fliessrichtung der Oder sehe ich nicht als wichtige Transportachse. Wie soll darüber irgendeine Autobahn durch Schiffe entlastet werden?

  4. 58.

    Unterstellen Sie mir Lügen und beleidigen?
    Ich habe Sie sachlich darauf aufmerksam gemacht dass ich nicht glaube sondern weiß das die Oder nicht mehr 100%ig natürlich ist und das auch explizit vorher geschrieben habe und bitte Sie dies zu lesen bevor Sie mir Unwissen und Glauben unterstellen.
    Was hat meine Argumentation mit Demokratie zu tun?
    Ich verbiete niemandem sich hier zu äußern, lasse mir aber meine Meinung auch nicht verbieten. Ich bin mir sicher das kommt Demokratie schon ziemlich nahe. Wenn Sie etwas anderes meinen erklären Sie es.

  5. 57.

    Leider steht in dem Artikel nicht das Polen gleichzeitig, zusammen mit Tschechien, sein Schienennetz ausbauen möchten, Binnenschifffahrt ist also nur ein Baustein. Und Deutschland bekommt es weder in Görlitz, Guben, Forst oder Küstrin Kietz hin eine Oberleitung über die Schiene zu bauen, dafür sollten wir uns schämen. Statt dessen wird gefragt was Polen auf der Oder transportiert werden soll? Gehen Sie mal zur Autobahn dann sehen Sie es.

  6. 56.

    Ich frage mich gerade, ist die Situation wirklich wie im Artikel beschrieben oder liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen? Wurde denn auch recherchiert warum Polen diese Pläne hat? Der Journalist hat schon mehrere dieser Artikel geschrieben, fast immer mit dem gleichen Wortlaut, merkwürdig.

  7. 55.

    Es ist eben absolut nicht 100 Prozent natürlich, schreiben Sie ja auch weiter oben. Im Gegenteil jede Buhne wurde gebaut, jeder Meter schon einmal verändert. Deiche halten den Fluss gegen Hochwasser in seinem Bett. Und auch richtig, die Natur passt sich an. Deshalb sollten wir sachlich und nicht beleidigend argumentieren. Ich versuche es doch mit lesen. Wer lügt hat etwas zu verbergen, wer beleidigt auch, ein Spruch aus meiner Heimat. Zudem macht mich das Niveau traurig. Demokratie will auch gelernt sein.

  8. 54.

    Endlich wird mal etwas gegen die vielen Lkw übernommen, es ist so schlimm, wenn ich sehe was auf den Straßen los ist. Und dann ist es auch wieder nicht richtig. Warum zählen den Einzelmeinungen mehr als das Gesamtinteresse? Oder wählen denn über 50 Prozent der Menschen in Deutschland und Polen Bündnis 90/Die Grünen?

  9. 53.

    Dann versuchen Sie es erst nochmal mit lesen.
    Wie ich mehrfach erwähnte nach der Umbettung. Ich glaube das auch nicht sondern sehe es quasi jeden Tag. Ich leb ja schließlich schon ein paar Jahre hier.
    Der Unterschied zu den meisten andere größeren europäischen Flüssen ist aber der rein geodätisch beeinflusste Wasserlauf. Das Wasser fließt weitestgehend unbeeinflusst zum Meer. Mal von den Buhnen und Brückenpfeilern abgesehen. Daher kann man eben von einem natürlichen Verlauf sprechen. Mit Seitenarmen und großen Auenlandschaften inkl. Auenwäldern. Jedes Hochwasser und jede Trockenphase verändert die Landschaft auf Grund von natürlichen Gesetzen. Der menschliche Eingriff hält sich hier noch in Grenzen. Zumal sich die Natur drumherum inzwischen hervorragend daran angepasst hat.
    Eine 100% natürliche vom Menschen nie beeinflusste Landschaft finden Sie in Europa nur noch in den letzten Urwäldern Polens und irgendwo in den russischen Weiten. Wobei der Klimawandel diese Gegenden nun auch beeinflusst.

  10. 52.

    Wo waren Sie denn wenn Sie ärmliche Verhältnisse gesehen haben?
    Keiner will über andere verfügen, aber wenn Polen nun die Oder ausbaut, machen sie genau das. Sie verfügen über diejenigen die am und vom Fluss leben so wie er jetzt ist.
    Was soll man den verdienen wenn ein Schiff vorbeifährt? Die Münze an der Schleuse oder Kaffee im vorbeifahren?

  11. 51.

    Also ich bin offen dafür. Polen hat hier eine gute Idee in den Ring geworfen. Um Umweltschutz muss man sich keine Sorgen machen, die europäischen Gesetze sind sehr streng. Und die Umweltschützer werden, auch wie auch in der Vergangenheit, früh einbezogen. Es gibt dafür wirklich viele gute Argumente, hoffentlich werden dann endlich nicht mehr so viele LKW auf der Autobahn fahren. Umweltschutz muss endlich global vernetzt gedacht werden.

  12. 50.

    Haltet hier mal den Ball flach, Seenkette? Das ist Polemik, genau wie es gibt keine Güter oder Polen müsse sich erklären was transportiert wird. Die können sowieso nichts machen, es ist ein Grenzfluss. Und die können auch deshalb nichts machen weil selbsternannte Experte alles besser wissen.

  13. 49.

    Die Demokratie lebt, sie atmet, sie lacht und weint und erfreut sich bester Gesundheit. Schön das es dieses Forum gibt. Anders als es der Artikel vermuten lässt gibt es viele Meinungen, wunderbar.

  14. 48.

    Natürlich gibt es mehr als genug Fracht für die Oder. Bitte diese Frage nicht mehr stellen, die Autobahn ist mehr als voll.

  15. 47.

    Leider hat das Schiff keine Lobby, weil hier die Konzerne nicht verdienen können. Hier kann noch gut eine Familie ernährt werden und es bedeutet Freiheit, bin selbst fast 32 gefahren, Elbe und Oder meistens.

  16. 46.

    Das Schiff auf der Oder ist doch gar nicht das Problem, und die Schiffe gibt es immer noch, nicht so viele wie früher aber immer wieder.
    Das Problem ist das Polen offensichtlich vorhat aus der Oder praktisch einen Kanal zu machen, ohne Rücksicht auf die natürlichen Wechselwirkungen, die so ein Fluss nunmal hat. Das natürliche Wechselspiel von Trockenjahren und Überflutungen möchte man ausschalten um irgendwelche Massentransporte zu ermöglichen, welche auch immer das sein sollen?

  17. 45.

    Muss gegrinst werden, von mir. Berlin wurde vom Wasser erbaut, in Frankfurt an der Oder wissen das noch nicht alle. Kein Problem, fahre ich doch auch mit dem Auto nach Polen. Zug kann ich am Sonnabend nicht nehmen, der ist total voll. Leute ohne Schiff läuft nüscht. War so und bleibt so, selbst als die Mauer noch stand.

  18. 44.

    Eine Diskussion wie im Mittelalter, traurig. Ich war erst letztes Jahr an der Oder und habe gesehen wie schön es dort ist, aber die Menschen leben in sehr ärmlichen Verhältnissen. Sie können sich bestimmt etwas verdingen, wenn mal ein Kahn fährt. Ich finde wir sollten da offen sein. Wir können doch nicht über andere Menschen verfügen, Fortschritt gab es schon immer mal die Welt wird nicht unter gehen.

  19. 43.

    Ich habe mich informiert, die Oder ist überhaupt nicht mehr so unberührt wie Sie glauben, ihr Flussbett wurde begradigt und zum Teil komplett verlegen. Wenn Sie sich im Fach Wasser auskennen würden, dann müssen Sie das auch wissen. Ich kenne mich im Fach Bier aus aus und weiß es sogar.

  20. 42.

    Na Herr Wagner, dann erklären Sie mir mal warum jeden Tag vom VW Werk Autozüge Richtung Bremen/Bremerhaven fahren? Warum ganze Züge mit Stahl Coils ankommen? Wie war das nochmal? Wer es nicht weiß, der soll sich informieren. Und das Lastschiff ist genau so schnell wie die Bahn. Ja ja....

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