30 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag - Bekundungen von Freundschaft nach dem Schreck der Grenzschließung

Ministerpräsident Woidke, Oberbürgermeister René Wilke, Marschallin Elżbieta Polak und andere Politiker treffen sich zum Festakt
Audio: Antenne Brandenburg | 16.06.2021 | Larissa Mass | Bild: rbb/Larissa Mass

Seit 30 Jahren pflegen Frankfurt (Oder) und Slubice den Plausch über den Gartenzaun. Die Corona-Pandemie hat jedoch Schwieirgkeiten zwischen Deutschland und Polen sichtbar gemacht. In Slubice sollte nun demonstrativ gekittet werden.

Ein Mutmacher sei das deutsch-polnische Treffen am Mittwoch in Slubice, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke. Doch er betonte auch, dass das Verhältnis zwischen Berlin und Warschau nicht immer einfach war. Im Alltag habe das vor allem die Corona-Pandemie sichtbar gemacht. "Viele Projekte sind nicht so gelaufen, wie wir uns das 2019 vorgestellt hatten", sagte Woidke. Wenn Menschen nicht zusammenkommen können, sei es schwierig, Begegnungsprojekte zu realisieren, so der Ministerpräsident.

Drei Monate war die Grenze im Frühjahr 2020 geschlossen

Mehrere Wochen war die Grenze zwischen Deutschland und Polen im letzten Frühjahr komplett geschlossen. Viele fühlten sich da an alte Zeiten erinnert. Als dann am 13. Juni 2020 der alltägliche Polenbesuch wieder möglich war, feierten Einwohner beider Städte die Öffnung als freundschaftliches Wiedersehen.

Dieser Einschnitt in der Pandemie habe gezeigt, wie dicht die Doppelstadt Frankfurt-Slubice inzwischen verwachsen ist. Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke sagte, man pflege nicht nur die Nachbarschaft: "Inzwischen sind wir in eine gemeinsame Wohngemeinschaft gezogen." Das wünsche er sich für die gesamte Grenzregion – eine Beziehung, die in Zukunft nicht einfach gekappt werden dürfe.

Krisenmanagement soll verbessert werden

Um das zu vermeiden, ging es vor allem um die gemeinsame Organisation in Krisensituationen. Die Marschallin der Woiwodschaft Lubuskie, Elżbieta Polak, sagte hier, dass diese Erfahrung die Defizite der bilateralen Zusammenarbeit entblößt habe. "Zum Beispiel die fehlende Koordination des Krisenmanagements. Daraus müssen wir Schlüssen ziehen", so Polak.

Trotzdem gebe das Treffen zwischen Marschallin Polak, Minister Woidke und den Bürgermeistern der Doppelstadt Zuversicht, sagte Woidke. Die Grenzregion bilde die stabile Basis. "Es gibt hier so viele Menschen, die sich für die Freundschaft engagieren, dass es Freude macht, hier arbeiten zu dürfen." Woidke als Polenbeauftragter der Bunderegierung muss es wissen - er pflegt persönlich viele Beziehungen zum Nachbarland.

Beitrag von Larissa Mass

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