Flüchtlingsstreit mit Belarus - Im polnischen Lebus könnten gestrandete Flüchtlinge unterkommen

Fr 27.08.21 | 17:24 Uhr | Von Magdalena Dercz
Afghanische Flüchtlinge warten in einem behelfsmäßigen Lager an der Grenze zwischen Polen und Belarus. (Quelle: imago images/Irina Polina)
Audio: Antenne Brandenburg | 26.08.2021 | Magdalena Dercz | Bild: imago images/Irina Polina

Seit rund zwei Wochen campieren an der Grenze zwischen Polen und Belarus Geflüchtete. Jetzt gibt es Informationen, dass sie in eine Unterkunft nahe der Grenze zu Deutschland in der Woiwodschaft Lebus gebracht werden sollen.

Die Grenzbeamten von Belarus und Polen sorgen dafür, dass sie weder vor noch zurück dürfen: Seit Tagen hängen Menschen, die vorwiegend aus dem Irak kommen, im polnisch-belarusischen Grenzgebiet fest. Mehrere Tage waren diese Menschen so abgeschottet, dass sie nicht an Nahrungsmittel gelangen konnten, was Hilfsorganisationen heftig kritisierten. Am Mittwochabend entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass Polen die Geflüchteten sofort mit Essen und ärztlichem Dienst versorgt muss.

Eine Unterkunft im polnischen Lebus soll bereitstehen

Seit Mittwoch soll in dem Dorf Wedrzyn in der Gemeinde Sulecin, 40 Kilometer entfernt östlich von Frankfurt (Oder), eine Unterkunft für sie bereitstehen. Das Bürgermeisterbüro der Gemeinde Sulecin wie auch das Sekretariat des Woiwoden von Lebus war gegenüber dem rbb zu keiner Stellungsnahme bereit. Das Projekt liege in der Verantwortung des Grenzschutzes, hieß es. Dieser bestätigt gegenüber dem rbb das Vorhaben: "Dorthin werden die illegalen Migranten gelangen, also höchstwahrscheinlich auch diese Ausländer, die derzeit an der polnisch–belarussischen Grenze kampieren", sagte Pressesprecherin Unterleutnant Anna Michalska dem rbb.

32 Menschen würden bei Usnarz Gorny derzeit vom polnischen Grenzschutz gehindert, die Grenze zu überqueren, berichtet die Hilfsorganisation "Stiftung Rettung". Viele von ihnen seien in fatalem Zustand, sagt Piotr Bystrianin, Vorsitzender der "Stiftung Rettung" dem rbb. In den letzten Tagen war er immer wieder an der Grenze, um Hilfe zu leisten. "Wir haben Angst, dass gleich jemand stirbt. Ärzte, die wir zu den Menschen geschickt hatten, wurden nicht durchgelassen.". Auch Rettungswagen, die die Organisation gerufen hatte, seien nicht durchgekommen.

"Die Menschen werden von Lukaschenko instrumentalisiert"

Polens Regierung schickte zwar einen Hilfstransporter, doch dieser wurde von der belarusischen Seite nicht zu den Geflüchteten gelassen, die sich noch auf belarusischem Territorium befinden. Andersherum die Geflüchteten nach Polen einreisen zu lassen, sei bisher auch nicht möglich gewesen, da die Außengrenze der EU überwacht werden müssen, heißt es von Seiten der polnischen Regierung. Bei den Menschen an der Grenze handele es sich auch nicht um Geflüchtete, sagte Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bei seinem Besuch an der polnisch-belarussischen Grenze in Kuznica am Dienstag. "Die Menschen werden von Lukaschenko instrumentalisiert. Es ist sein Versuch, eine große europäische Migrationskrise auszulösen."

Trotzdem sollen sie bereits jetzt in die Unterkunft nach Wedrzyn gebracht werden, wie Unterleutnant Michalska mitteilte. Ob nun bereits Menschen dort sind, bleibt unklar. An der Grenze nach Belarus beginnt Polen indes mit dem Bau eines 2,5 Meter hohen Zauns.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.08.2021, 15:40 Uhr

 

Beitrag von Magdalena Dercz

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