An Frankfurter Viadrina gelehrt - Deutscher Botschafter in China überraschend verstorben

Jan Hecker, Botschafter für Deutschland in China, im Mai 2019 (Bild: dpa/Michael Sohn)
Bild: dpa/Michael Sohn

Jan Hecker, deutscher Botschafter in China und Vertrauter Angela Merkels, sollte für Kontinuität im schwierigen Verhältnis zu China sorgen. Überraschend ist er nun gestorben. Die Bundeskanzlerin zeigte sich zutiefst erschüttert über den Tod des Diplomaten.

Deutschlands Botschafter in China, Jan Hecker, ist im Alter von 54 Jahren nach nur wenigen Tagen im Amt überraschend gestorben. Das hat das Auswärtige Amt am Montag in Berlin bestätigt. Die Umstände seines Todes blieben zunächst unklar.

"Wir haben aufgrund der Todesumstände keine Hinweise, dass Jan Heckers Tod in irgendeinem Zusammenhang mit seiner dienstlichen Funktion als deutscher Botschafter in Peking steht", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Montag bei einem Besuch des Bundesamts für Auswärtige Angelegenheiten in Brandenburg/Havel. Angaben zu den genauen Todesumständen machte das Auswärtige Amt nicht. Hecker war vor seinem Tod lange außenpolitischer Berater und damit ein enger Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Merkel "zutiefst erschüttert"

Merkel zeigte sich "zutiefst erschüttert" über den Tod Heckers. In ungewohnt persönlichen Worten beschrieb sie den Diplomaten als "hochgeschätzten langjährigen Berater von tiefer Menschlichkeit und herausragender Fachkenntnis". Sie denke "voller Dankbarkeit an unsere Zusammenarbeit" und sei "froh, mit ihm über Jahre so eng verbunden gewesen zu sein". Ihr Mitgefühl gelte der Familie und weiteren Angehörigen des Verstorbenen. Hecker war verheiratet und hatte drei Kinder.

Hecker war erst seit wenigen Wochen in China. Der 54-Jährige hatte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) habilitiert und gelehrt. Der Dekan der Juristischen Fakultät der Viadrina, Ulrich Häde, würdigte Hecker in einem Nachruf am Montag: "Mit ihm verlieren wir einen außergewöhnlichen politischen Beamten und zugleich einen hervorragenden Wissenschaftler."

Heckers Ernennung war in Peking begrüßt worden

"Es ist für uns alle schwer zu fassen, was dort geschehen ist und dass ein Mensch so unvermittelt aus dem Leben gerissen wird, mit dem man vor Kurzem noch zusammengesessen hat und wirklich große und wichtige Fragen bearbeitet hat", erklärte Außenminister Maas. "Jan Hecker hat viel geleistet und dabei nie das Rampenlicht gesucht." Für alles weitere gelte: "Auch ein Diplomat und seine Familie haben ein Recht auf Privatsphäre und darauf, in Frieden zu trauern. Ich würde mir wünschen, dass wir das alle in der Frage respektieren."

Der Jurist sollte sich Beobachtern zufolge nach dem Ende von Merkels Kanzlerschaft für die Fortsetzung des gemäßigten Kurses gegenüber China einsetzen. Seine Ernennung war in Peking begrüßt worden. China sei "tief erschüttert über den plötzlichen Tod von Botschafter Hecker", sagte der chinesische Außenamtssprecher Wang Wenbin auf einer Pressekonferenz. Der deutsche Diplomat habe nach seinem Amtsantritt "die bilateralen Beziehungen aktiv gefördert".

Nach der Ankunft in Peking hatte der Spitzendiplomat mit seiner Familie zunächst die in China übliche Quarantäne wegen der Corona-Pandemie durchlaufen. Danach übergab Hecker Ende August in Peking sein Beglaubigungsschreiben und nahm die reguläre Arbeit auf.

Habilitation und Lehre in Frankfurt

Seit 2000 lehrte Hecker an der Viadrina in Frankfurt (Oder), der Humboldt-Universität Berlin, der Freien Universität Berlin sowie an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin. In seinen Lehrveranstaltungen an der Viadrina befasste er sich mit dem Allgemeinen Verwaltungsrecht, dem Polizei- und Ordnungsrecht, dem Wirtschaftsverwaltungsrecht und dem Staatsrecht.

2005 habilitierte Hecker an der Juristischen Fakultät der Viadrina zum Thema "Marktoptimierende Wirtschaftsaufsicht" und wurde dort 2010 zum außerplanmäßigen Professor für Öffentliches Recht und Europarecht ernannt. In den vergangenen Jahren hielt er auch immer wieder Seminare, in denen er aktuelle Themen wie etwa das Asylrecht, das Migrationsrecht und das Informationsfreiheitsrecht aufgriff.

Sendung: Radioeins, 06.09.2021, 08:50 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Trauer und Mitgefühl gerichtet an die Familie.
    @BeBie
    Ihr verwendetes Zitat ist völlig daneben und diskreditiert ältere Menschen.
    Bsp. in Zeiten wo Deutschland „Helden“ brauchte wurde es auch sehr oft verwendet.

  2. 3.

    Es tut mir so leid! Mein Beileid gilt der Familie. Was für ein Verlust! Schade für unser Land, dass einen sehr klugen Kopf verloren hat. Zynismus des Lebens: Die Fettaugen, die in jeder Suppe oben schwimmen, werden (zu oft) alt und die, um die es echt schade ist, sterben jung.

  3. 1.
    Antwort auf [GeliebterSohn] vom 06.09.2021 um 10:34

    Nee, müssen es mich, dürfen se aber !!!

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