Nach Rücktritt von Amtsinhaberin - Vier Kandidaten treten bei Bürgermeisterwahl in Woltersdorf an

Straßenbahnhaltestelle Woltersdorf Schleuse. (Quelle: imago stock&people)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.09.2021 | Marie Stumpf | Bild: imago stock&people

Mehr Busse und Radwege, bezahlbarer Wohnraum und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche – bei den Hauptthemen in der Gemeinde Woltersdorf sind sich die vier Bewerber einig. Wer Unterschiede sucht, muss genauer hinschauen. Von Marie Stumpf

Im Mai dieses Jahres kündigte Bürgermeisterin Margitta Decker (parteilos; vorher: "Unser Woltersdorf") an, dass sie aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Amt scheiden will. Dieser Schritt kam für die meisten Woltersdorferinnen und Woltersdorfer vollkommen überraschend. Seit 2015 führte Decker die Amtsgeschäfte der Gemeinde in Oder-Spree. Im Februar 2022 will sie den Rathausschlüssel an ihre Nachfolgerin oder Nachfolger übergeben, knapp anderthalb Jahre früher als geplant. Bereits am Sonntag, parallel zur Bundestagswahl, geht es zur Abstimmung.

Wissenswertes

Die Tore der Schleuse am Flakensee sind geschlossen. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa)
Hauke-Christian Dittrich/dpa

In Woltersdorf sind mehr als 7.100 Menschen wahlberechtigt.

Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der Stimmen hinter sich vereinen kann.

Ist dies nicht der Fall, treten die zwei Kandidaten mit den meisten Stimmen am 10. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an.

 

Vier Kandidatinnen und Kandidaten treten zur Wahl an. Alle sind bereits bekannte Gesichter in Woltersdorf. Auch ihre Ziele sind ähnlich: Den Öffentlichen Nahverkehr verbessern, den Ausbau von Kita-, Hort- und Schulplätzen voranbringen, mehr bezahlbaren Wohnraum sowie Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche schaffen. Der Unterschied zwischen den Kandidaten liegt in den Details.

Jan Manshardt, Bündnis 90/Grünen

Der Berliner Rechtsanwalt Jan Manshardt lebt seit 2004 in Woltersdorf und betreibt dort eine eigene Kanzlei. Seit zwei Jahren ist er Mitglied der Gemeindevertretung. Sein vorrangiges Ziel ist, das bereits in der Planung befindliche Ortsentwicklungskonzept umzusetzen. Dabei setzt der 54-Jährige vor allem auf den Ausbau von Radwegen etwa nach Erkner und Rüdersdorf.

Außerdem will Manshardt einen Klimabeirat einrichten, der bei allen künftigen Planungsentscheidungen befragt werden soll. Beim Thema Wohnungsbau will er sich für einen städtebaulichen Vertrag mit Bau-Entwicklern einsetzen. In diesem soll eine bestimmte Quote von bezahlbarem Wohnraum in der Gemeinde festgesetzt sein.

Sebastian Meskes, Die Linke

Meskes ist Vorsitzender der Gemeindevertretung in Woltersdorf und trat bereits bei der letzten Bürgermeisterwahl 2015 an. Der 40-Jährige stammt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, wohnt in Woltersdorf und arbeitet als Leiter eines Abgeordnetenbüros im Bundestag in Berlin.

Als Bürgermeister möchte er sich vor allem für mehr Bürgerbeteiligung bei politischen Entscheidungen einsetzen etwa durch die Einführung eines Bürgerhaushaltes. Dabei können die Einwohner zumindest bei einem Teil der Haushaltsmittel mitentscheiden, wie sie verwendet werden sollen. Weitere Ziele von Meskes sind der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs etwa durch eine höhere Bustaktung vom Bahnhof Erkner nach Woltersdorf und mehr Radwege.

Mandy Schaller, CDU

Die gebürtige Berlinerin zog 2004 nach Woltersdorf. Dort ist sie sachkundige Einwohnerin im Sozialausschuss. Bis vor rund zwei Jahren war die gelernte Immobilienfachwirtin Geschäftsführerin der Gemeindewohnungsbaugesellschaft Woltersdorf. Eigenen Angaben zufolge schied sie aber auf eigenen Wunsch aus dem Amt aus. Später wurde gegen die ehemalige Geschäftsführerin unter anderem wegen Untreue ermittelt. Die Untersuchungen wurden jedoch eingestellt, Schaller gilt als rehabilitiert.

Als Bürgermeisterin will sie sich vor allem für mehr Nachhaltigkeit einsetzen. So plant sie unter anderem auf ausgewiesenen Freiflächen statt Rasenmähern Schafe einzusetzen und die Fahrzeugflotte des Bauhofs auf E-Mobilität umzustellen. Auch die Anbringung von Solaranlagen auf Dächern von öffentlichen Gebäuden wie der Schule will Schaller prüfen. Dazu plant sie ein neues Parkleitsystem an der Woltersdorfer Schleuse.

Christian Stauch, SPD

Ein solches Parkleitsystem befürwortet auch Christian Stauch. Der 31-Jährige hat seine Kindheit in Woltersdorf verbracht. Inzwischen sitzt auch er in der Gemeindevertretung und ist hauptberuflich persönlicher Referent des Landrates im Landkreis Oder-Spree. Als Bürgermeister wäre ihm vor allem mehr Bürgerbeteiligung wichtig - etwa bei Planungen zum Ausbau von Straßen. Dies will er unter anderem durch zwei Mal im Jahr stattfindende Einwohnerversammlungen realisieren.

Für eine bessere Anbindung an die umliegenden Gemeinden wie Rüdersdorf oder Schöneiche plant Stauch eine Bedarfsermittlung sowie eine höhere Taktung von Pendlerbussen. Weiter steht die Einrichtung eines Kulturbeirates, sowie der Aufbau eines Bürgerwaldes auf seinem Programm. Dabei sollen Einwohner bei besonderen Anlässen einen eigenen Baum erwerben können. Stauch will so auch die Umwandlung des Waldes von Kiefern- auf Mischwald fördern.

Einigkeit beim Thema Straßenbahn-Verlängerung

Eine Verlängerung der Straßenbahn nach Erkner – wie schon oft diskutiert – ist allerdings kaum Thema. Von allen Kandidaten heißt es hierzu, das sei in acht Jahren Amtszeit nicht zu machen. Zu lang dauerten die Abstimmungen mit der Stadt Erkner und dem Kreis, auch Finanzierungsmöglichkeiten müssten geprüft werden. Alle vier Kandidaten wollen diese Dinge aber anschieben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.09.2021, 14:40 Uhr

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