Mahnwache vor Auswärtigem Amt - Ostbrandenburger fordern Rettung von drei Afghaninnen aus Krisenregion

Mahnwache für drei afghaninsche Frauen, die an der usbekisch/afghanischen Grenze festsitzen. (Quelle: Frauke Hildebrandt)
Audio: Antenne Brandenburg | 20.09.2021 | Martina Rolke | Bild: Frauke Hildebrandt

Nach abenteuerlicher Flucht warten drei Afghaninnen in einem Versteck an der usbekischen Grenze auf ihre Rettung. Ostbrandenburger versuchen in Berlin und Taschkent alles, um ihnen zu helfen.

Eine Initiative von Brandenburgern aus Ihlow in Märkisch-Oderland hält regelmäßig eine Mahnwache vor dem Auswärtigen Amt in Berlin ab. Die Initiative versucht, zwei Frauen und ein zwölfjähriges Mädchen – Angehörige eines beim Taliban-Anschlag getöteten Afghanen, der als Ortskraft der Bundeswehr tätig war – nach Deutschland zu holen.

Aufmerksam auf die Situation der drei Afghaninnen wurde die Familie Witte und Hildebrandt über den Ehemann der einen Frau. Der Ehemann konnte bereits vor Jahren aus Afghanistan nach Berlin flüchten und hatte sich mit Frank Witte und den Hildebrandts angefreundet. Seit Jahren versucht er, die beiden Frauen und das Mädchen aus der Krisenregion am Hindukusch zu holen.

Alarm bei deutschen Behörden

Nach der dramatischen Zuspitzung der Lage in Afghanistan mit der Machtübernahme der Taliban schlägt jetzt die Ihlower Initiative Alarm bei deutschen Behörden und will, dass die Frauen auf eine Evakuierungsliste kommen. "Wir hatten eindeutig vom Innenministerium die Aussage, dass sie auf der Krisenliste ganz oben stehen, das hat uns ermutigt, weiterzumachen", sagte Elske Hildebrandt, die auch SPD-Landtagsabgeordnete ist.

Flucht der Afghaninnen organisiert

Zusammen organisierten sie die Flucht der drei Afghaninnen aus dem Versteck zum Kabuler Flughafen. Zunächst erfolgreich – ein kanadischer Soldat half vor Ort. Die Frauen schafften es zum Flughafen. Doch dort ging es nicht weiter. Sie entkamen nur knapp einem Bombenanschlag.

Danach gelang es den Frauen, an die usbekische Grenze zu flüchten, doch der Grenzübertritt gelang nicht, obwohl Ausreisepapiere vorlagen sowie ein Schreiben des deutschen Außenministeriums. Daraufhin flogen Frank Witte und Frauke Hildebrandt persönlich in die usbekische Hauptstadt Taschkent. Sie sprachen bei der Deutschen Botschaft vor, versuchten usbekische Behörden zu überzeugen, die drei Frauen einreisen zulassen. Sie erreichten aber nichts.

"Das hat uns schon zum Verzweifeln gebracht. […] Das ist ein anstrengendes Auf und Ab, aber wenn man an die Betroffenen denkt, wie es denen geht, dann relativeiert sich die eigene Befindlichkeit", erklärte Elske. Die Frauen säßen nach Angaben von Frauke Hildebrandt in einem Versteck an der usbekischen Grenze. "Ihre Lage ist wirklich ernst", sagte sie.

Daher haben sich die Aktiven für eine Mahnwache vor dem Auswärtigen Amt in Berlin entschieden, um Aufmerksamkeit für die drei gefährdeten Afghaninnen zu generieren. "Mit 20 Leuten waren wir auf dem Werderschen Markt", sagte Frauke Hildebrandt. "Wir wurden von vielen Leuten auch aus der Verwaltung auf viele unterschiedliche Arten unterstützt. Es sind auch in der Verwaltung Leute, die versuchen zu helfen, unkomplizierte Lösungen zu finden", ergänzte Schwester Elske. Aber die diplomatischen Mühlen gingen sehr langsam, klagte sie. Es seien flexible Einzelfalllösungen erforderlich.

Im Gespräch mit einer Referentin des Außenministeriums konnten Frauke und Elske Hildebrandt auf das Schicksal der drei Afghaninnen nochmals hinweisen. Sie hoffen, dass das Auswärtige Amt mit Usbekistan eine Lösung erwirken kann.

Mit Material von Magdalena Dercz

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.09.2021, 08.30 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Um Familiennachzug ginge es nur bei der Frau, wo der Ehemann schon ausgereist ist. Welchen Status der nach Deutschland eingereiste Ehemann in Deutschland hat, geht aus dem Beitrag nicht hervor. Eine Ortskraft der Bundeswehr scheint er nicht gewesen zu sein. Da in dem Beitrg nicht erwähnt wird, daß er Asyl erhalten hat, könnte es sogar sein, dass er ausreisepflichtig ist, aber wegen der augenblicklichen Situation geduldet ist.

  2. 6.

    Pauschal, wie es auf dem Banner der Aktivisten heißt, "Gefährdete afghanische Frauen" zu retten, dafür gibt es keine Rechtsgrundlage. Nur weil sich Frauen in Afghanistan auf dem Wege nach Usbekistan gemacht haben und der Grenzübertritt misslang, ist das kein Asylgrund nach hiesiger Rechtsauffassung. Das wäre ungerecht gegenüber allen anderen Personen, die aus Afghanistan raus wollen.
    Familiennachzug könnte nur eine Person geltend machen, wenn der vorausgesreiste Ehemann tatsächlich den einschlägigen Orshelfer-Status nachweisen kann, worauf sich allerdings im Beitrag kein Hinweis befindet.

  3. 5.

    Familiennachzug? Davon lese ich allenfalls partiell etwas..
    Die zwei Frauen und ein zwölfjähriges Mädchen sind Angehörige eines beim Taliban-Anschlag getöteten Afghanen. Eine der beiden Frauen will zu ihrem Ehemann nach Deutschland.

  4. 4.

    Humanitäre Hilfe ist ohne Frage wichtig und dringend geboten. Es kann aber eben auch nicht die Lösung sein, dass man alle vor irgend etwas Flüchtenden nach Deutschland holt. Eine heimat- und kulturnahe Versorgung ist immer vorzuziehen. Unser Sozialstaat kann es auf Dauer schlicht nicht leisten, große Mengen an Menschen so zu integrieren, dass sie sich selbst dauerhaft und auskömmlich versorgen können. Dann steigt der Frust auf beiden Seiten, weil die Realität nicht den Erwartungen entspricht. Zuwanderung ist für die deutsche Wirtschaft ohne Frage wichtig, aber es müssten schon die richtigen Zuwanderer sein. Für die Wirtschaft spielt Humanität keine Rolle - da geht es um möglichst billige Arbeitskräfte. Ein zusätzliches humanitäres Kontingent ist richtig, aber es muss so austariert sein, dass diese Gruppe innerhalb kurzer Zeit integriert werden kann, da fehlt es an Geld und Kapazitäten und auch an Durchsetzung.

  5. 3.

    Haben Sie den Artikel überhaupt gelesen? Hier geht es nicht um einen Familiennachzug, der Angehörige der beiden Frauen und eines Kindes ist nämlich bereits ermordet worden, und den Flüchtlingen droht ebenfalls der Tod. Es ist großartig, dass sich Menschen hier vor Ort für diese Drei einsetzen. Ihr Kommentar zeugt von einer Unmenschlichkeit, die mich fassungslos macht. Sind ja nicht ihre Angehörigen, die dort vor die Hunde gehen.

  6. 2.

    Wieviel stehen da 30 Menschen und was denken der Rest aus Ostbrandenburg dazu?? In solchen Fällen kann so nicht bewertet werden, alle Menschen sollten bei einem Bürgerentscheid abstimmen. Dies wird ein anderes Bild dazu darstellen!!! Nehmlich das die Mehrzahl dies nicht befürwortet. Ein Familiennachzug sollte gesetzlich verboten werden!

  7. 1.

    Es wäre interessant, welche Initiative das Auswärtige Amt und das Außenministerium hier entwickelt, nachdem die Politik vorher viel vergeigt hat. Für mich könnte dies auch beeinflussend auf die Wahl sein.

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