Keine Ehrung wegen "Querdenker"-Bezug - Bundespräsident Steinmeier bietet Morgenstern und Rühmann Gespräch an

Thomas Rühmann (l.) und dem Musiker Tobias Morgenstern. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.10.2021 | Isabel Röder | Bild: Patrick Pleul/dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach der Absage der Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz von Tobias Morgenstern und Thomas Rühmann am vergangenen Freitag beide zu einem Gespräch eingeladen.

Die Macher des Zollbrücker Theaters am Rand in Märkisch-Oderland wollen eigenen Angaben zufolge das Angebot annehmen, wie sie dem rbb mitteilten. Während Rühmann die Auszeichnung später noch erhalten soll, wurde die Ehrung für Morgenstern vom Bundespräsidialamt komplett abgesagt.

"Persönliche Erklärung" Morgensterns stehe Ordenswürdigkeit entgegen

Hintergrund für dem Ausschluss Morgensterns seien laut Präsidialamts Äußerungen von Morgenstern. "Kritik an staatlichen Corona-Maßnahmen ist Teil unserer täglichen Debatten und ohne Zweifel zulässig. Sie steht einer Ordenswürdigkeit nicht entgegen", teilte die stellvertretende Sprecherin des Bundespräsidenten, Esther Uleer, auf rbb-Anfrage mit.

"Wer jedoch seine Zugehörigkeit zu einer Bewegung erklärt, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird und Postings von Antisemiten verbreitet, kann nicht mit dem höchsten deutschen Orden ausgezeichnet werden", betonte sie weiter und verwies unter anderem auf Morgensterns Webseite. Hier hat er in einer "Persönlichen Erklärung" mitgeteilt, dass das höchste Gut Freiheit sei. "Ich schließe mich den neuen 'Querdenkern' sowie den kritischen Ärzten, Wissenschaftlern, PolitikerInnen des Landes an", heißt es darin.

Zudem verwies die Sprecherin auf den Facebook-Account Morgensterns. Hier "finden sich zahlreiche Postings von Beiträgen anderer Facebook-Nutzer, die Verschwörungsmythen ('Corona-Lüge') verbreiten und antisemitische Tendenzen haben", so Uleer weiter.

Die Kurzfristigkeit der Entscheidung, Morgenstern nicht das Bundesverdienstkreuz zu verleihen, begründete Uleer damit, dass "die Tatsache, dass sich Herr Morgenstern nach eigenem Bekunden der 'Querdenker'-Bewegung angeschlossen hat, hier erst kurz vor dem geplanten Verleihungstermin bekannt wurde".

Rühmann kritisiert Entscheidung des Präsidialamtes

Thomas Rühmann hat in einem Brief an Steinmeier die Entscheidung kritisiert. "Die Nichtauszeichnung steht für mich in keiner Relation zum grundsätzlichen Erfolg. Ich weiß, dass Tobias Morgenstern keine Gewalt will", heißt es in dem Schreiben. Der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD) sagte dem rbb unlängst, dass er es "schlimm findet, wenn wir solche Positionen nicht demokratisch ertragen können. Ich bin der Meinung, wir müssen miteinander respektvoll umgehen und ich bin auch der Meinung, dass Demokratie Meinungsvielfalt ertragen muss".

Das Gespräch zwischen Steinmeier und den Zollbrücker Künstlern soll im November stattfinden, wie das Präsidialamt mitteilt.

Sendung: Antenne Brandenburg, Regionalnachrichten, 05.10.2021, 16:30 Uhr

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