Märkisch-Oderland - Bisheriger Landrat setzt sich bei Stichwahl gegen Herausforderer durch

So 17.10.21 | 21:48 Uhr
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Gernot Schmidt (SPD) ist für weitere acht Jahre im Amt des Landrats von Märkisch-Oderland per Stichwahl bestätigt worden. (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.10.2021 | Marie Stumpf | Bild: rbb

16 Jahre sitzt Gernot Schmidt bereits im Chefsessel. Jetzt werden weitere acht Jahre als Landrat von Märkisch-Oderland hinzukommen. In einer Stichwahl setzte sich der SPD-Politiker gegen den Rechtsanwalt Rico Obenauf durch. Von Georg-Stefan Russew

Gernot Schmidt bleibt Landrat von Märkisch-Oderland. Der SPD-Politiker setzte sich am Sonntag in einer Stichwahl gegen seinen Herausforderer Rico Obenauf (BVB/Freie Wähler) durch. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis [landkreismol.de] vereinigte Schmidt auf seine Person 53,8 Prozent der Stimmen. Obenauf blieb mit 46,2 Prozent knapp dahinter.

Schmidt holte insgesamt 32.630 Stimmen und hatte damit einen Vorsprung von knapp 4.660 Stimmen auf Kontrahent Obenauf. "Ich freue mich und bin glücklich, dass ich gewonnen habe", sagte Schmidt rbb|24. "Ich habe Gernot Schmidt per Telefon bereits gratuliert", sagte der zweitplatzierte Rico Obenauf.

Kleiner Wahlkrimi in Märkisch-Oderland

Zuvor lieferten sich Schmidt und Obenauf ein packendes Duell, bei dem Amtsinhaber Schmidt sich nie weit absetzen konnte. Auch wegen der niedrigen Wahlbeteiligung von 36,5 Prozent, bei der auch ein großer Teil der Wählerinnen und Wähler per Brief abstimmte, blieb lange unklar, ob einer der beiden Kandidaten das notwendige Quorum von 15 Prozent der Stimmen der Wahlberechtigten in Märkisch-Oderland übertreffen würde.

Nach der Auszählung von 237 der 261 Wahlgebiete lag Schmidt mit 23.697 noch 1.330 Stimmen unterhalb des für einen Wahlsieg erforderlichen Quorums, dass vom Kreiswahlleiter mit 25.027 Stimmen angegeben wurde. Obenauf hatte zum selben Zeitpunkt 21.190, 3.837 Stimmen unterhalb dieser wichtigen Grenze. In diesem Fall hätte es keinen Sieger gegeben. Der Kreistag von Märkisch-Oderland wäre dann in der Pflicht gewesen, einen neuen Verwaltungschef zu bestimmen.

Kurz nach 19:30 Uhr - nach der Auszählung von 249 von 261 Wahlgebieten - übersprang Amtsinhaber Schmidt dann das notwendige Quorum von 15 Prozent, so dass dann wahrscheinlicher wurde, dass es am Sonntag doch einen Wahlsieger geben kann, der sich dann mit absoluter Mehrheit durchsetzen würde. Schmidt konnte zu diesem Zeitpunkt 27.512 Stimmen für sich auf der Habenseite verbuchen. Herausforderer Obenauf kam in diesem Augenblick auf 24.848 Stimmen. Ein wenig später übersprang auch er das notwendige Quorum.

21 Prozent nutzen Briefwahl

Kreiswahlleiter Michael Ohle erklärte rbb|24, dass die Entwicklung des Spannungsbogens am Wahlsonntag auch etwas mit der hohen Briefwahlbeteiligung in Märkisch-Oderland zu tun hatte. Rund 20 Prozent - also um die 36.000 Wählerinnen und Wähler - hatten ihre Stimmen per Brief abgegeben. Da diese aber immer erst später ausgezählt würden, kam es bei niedriger Wahlbeteiligung zu dieser Entwicklung, dass das notwendige Quorum erst spät übertroffen wurde.

Schmidt will jetzt bis 67 "durchziehen"

Dass es am Sonntag für Schmidt so eng werden würde, damit hatte der 59-jährige SPD-Politiker wohl nicht gerechnet. Am 26. September, dem Tag der Bundestagswahl - als in Märkisch-Oderland im ersten Wahlgang um den Landratsposten abgestimmt wurde, erzielte Schmidt 42,8 Prozent und damit rund 52.000 Stimmen. Rechtsanwalt Obenauf konnte im Vergleich zum ersten Wahlgang mächtig Boden gut machen. Am 26. September fielen auf den Zweitplatzierten 23,1 Prozent der Stimmen. An diesem Sonntag gelang es dem 42-Jährigen aus Neuenhagen sein Wahlergebnis zu verdoppeln.

Der 59-jährige Gernot Schmidt ist für weitere acht Jahre in seinem Amt bestätigt. "Mein Alter war im Wahlkampf Thema. Ich will als Politiker aber nicht jammern. Ich werde eben mit 67 in Rente gehen", sagte Schmidt rbb|24. Er freue sich auf seine dritte Amtszeit.

Der unterlegene Rico Obenauf sei ob des Stichwahlergebnisses nicht traurig: "Ich habe mein Wahlergebnis von vor drei Wochen verdoppelt. Damit ist BVB/Freie Wähler ein Achtungszeichen gelungen. Dass Gernot Schmidt und ich das Quorum geschafft haben, zeigt, wie eng der Wahlausgang war", so Rechtsanwalt Obenauf weiter.

Sendung: Brandenburg aktuell, 17.10.2021, 19:30 Uhr

18 Kommentare

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  1. 17.

    Die von Ihnen präsentierten Zahlen lassen sich auch so interpretieren, dass rund 100.000 Wahlberechtigte im Vorfeld mit Schmidt nicht unzufrieden gewesen wären, andernfalls hätten sie ja von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht...

  2. 16.

    Re: Karl |MOL| Hallo Karl! Mit den Zahlen von der Stichwahl von gestern, bezogen auf die Gesamtwähler nehmen Sie einen zweifelhaften Gesamtbezug und erreichen daher eine relativ hohe Unsicherheit der Zahlen. Sie betrachten nur die Anzahl der jeweiligen Wähler, welche einen der beiden Kandidaten wählten und rechnen die Anzahl auf alle Stimmberechtigten hoch. Viel genauer ist aus meiner Sicht, das Ergebnis der Erstwahl. Erstens weil die Beteiligung wesentlich höher ausfiel und zweitens alle antretenden Kandidaten im Ergebnis detailliert berücksichtigt wurden. Auch war es jetzt vielleicht etlichen älteren Stimmberechtigten zu viel sich nochmal auf den Weg zu machen, oder hatten gar kein Interesse mehr oder sie wollten nicht noch einmal zusätzlich für einen anderen als ihren Wunschkandidaten abstimmen. Letztlich sagten sich wahrscheinlich etliche Wähler, warum soll ich noch einmal zum Wahllokal hin und mich festlegen, ich kann sowohl mit dem einen übrig gebliebenen Kandidaten, als auch mit dem anderen im Rennen verbliebenen Kandidaten ganz gut leben...

  3. 15.

    Re: Stefanie |Neuenhagen | Der ÖPNV im gesamten Land und nicht nur im Landkreis ist seit Jahren ein brisantes Thema. Leider ist schon bei der Planung der Art, Größe, möglichen Veränderung der Verkehrsströme oft nicht bedacht worden, was an Infrastruktur zusätzlich geplant, geschweige denn was entsprechend gebaut oder sich mittelfristig bis langfristig verändert werden muss. Auch die Finanzierung stellt immer wieder alle Beteiligten vor neue Kompromisse um zu entscheiden welche Projekte nur möglich sind. Da muss die gesamte Politik anpacken, von ganz klein bis ganz groß, jede Ebene steht in der Verantwortung. Vom Bedürfnis zum Bedarf über die Planung bis hin zur Genehmigung, Finanzierung und Ausführung. Leider egal, in welchem Bereich, auch bereits früher (und nicht nur in der damaligen DDR) vergingen bei manchen Projekten Jahrzehnte, ehe sie realisiert wurden. Andere wurden verworfen und nie realisiert... Für 15366 Neuenhagen selbst würde ich ein verzweigtes O-Bus System wie in Eberswalde sehen, das Problem wäre die Querung der Bahnübergänge, wegen der Oberleitungen.

  4. 14.

    Persönlich gab ich ihm bei beiden Wahlen meine Stimme, da er bislang für eine gerade ehrliche nachvollziehbare, aber auch unbequeme Politik steht. Speziell bei Dingen wie die spaltende Altanschließergebühr beim Abwasser und bei den Corona Maßnahmen der Landesregierung erhob er immer wieder mahnend seinen Finger und forderte eine Überarbeitung der Beschlüsse. Wäre er nicht mehr angetreten, Herr Obenauf wäre eine für mich die richtige (!) Alternative gewesen. In Sachen überbelegte Schulen, sollten die verschiedenen hier Kommentierenden beachten, dass die Geschicke, Größe und der geforderte Neubau von Schulen nicht auf den alleinigen Beschluss des Landrats zurück gehen. Er hat hier nur eine Überwachungsfunktion, wie in vielen anderen Bereichen auch. Vielmehr sind die Gemeinden selbst, der Kreistag und vor allem das Brandenburger Bildungsministerium samt Landesparlament und Landesregierung in der Pflicht. Der gesamte Prozess für den Neubau oder die Erweiterung von staatlichen Schulen dauert aber aus meiner Sicht derzeit viel zu lange, und wird auch gern immer wieder weiter nach hinten verschoben, da sich woanders neue dringende Baustellen wie zum Beispiel Reparatur und Sanierung speziell auch an Schulen aufgetan haben.

  5. 13.

    Hallo Stefanie, Hr.Schmidt ist doch nicht für die Bildung verantwortlich. Dafür haben wir eine Ministerin Fr.Ernst, wo jeder weiß, das es da mit ihrer Entscheidungsfindung nicht weit her ist! Das die Schulen voll sind, glaube ich ihnen. Könnte es aber nicht auch daran liegen, das viele Berliner eben gerade nach Brandenburg zur Schule kommen?! Auch Berlin ist kein Spitzenreiter in Sachen Bildung und Berlin hat weitaus höhere Migrationszahlen in den Schulen, was viele Eltern eben abschreckt. Und nein ich bin weder blau noch rechts und auch kein Querdenker!

  6. 12.

    Nun ja, schaut man sich die wahren Zahlen an, wird das Dilemma sofort sichtbar!

    Wahlberechtigte Bürger in MOL = 166.843
    gültige Stimmen = 60.601
    Gernot Schmidt = 32,630 = 19,56 %
    Rico Obenauf = 27.971 = 16,76 %

    Kaum 20% haben Gernot Schmidt (SPD) gewählt ...

  7. 11.

    "Damit ist BVB/Freie Wähler ein Achtungszeichen gelungen.". Unter dem Strich leider eine velorene Stimme. Wer wirklich was ändern will in diesem Lande, muss eine schlagkräftige Opposition unterstützen. So ein Einzelkämpfer - in allen Ehren - bewirkt garnichts.

  8. 10.

    Liebe Hanna, in den berlinnahen Gemeinden wissen viele Eltern jedes Jahr nicht mehr, wohin sie ihre Kinder in die Schule bringen sollen. Die privaten Schulen haben die Nöte längst erkannt. Nur, das können sich leider gar nicht alle leisten.
    Sie wünschen ein gemeinsames Leben? Ich begrüße diese Einstellung, doch hier wurde eine komplette Bevölkerungsgruppe vergessen.
    Wer also eine Gemeinschaft wünscht, muss sich umschauen und darf niemanden stehen lassen, sonst meint man mit „gemeinsam“ am Ende doch nur sich selbst.

  9. 9.

    Im berlinnahen Raum sind die Wahlergebnisse eindeutig, hier melden Eltern die Kinder auf privaten Schulen an, weil es keine staatlichen Alternativen mehr gibt. Seit Jahren steigen die Schülerzahlen und bisher gibt es keine einzige neue Schule. Herr Schmidt ist Landrat der Peripherie, nicht des ganzen Landkreises, genau das spiegeln auch die Ergebnisse. In Hoppegarten, Neuenhagen, Fredersdorf und Co sind die Schulen maximal überfüllt, die Lernbedingungen wirklich schlecht. Brandenburg ist in Sachen Bildung in jeder Studie weit abgeschlagen und das ist nicht nur Ergebnis der Landespolitik. Nebenbei ersticken wir im Verkehr, der ÖPNV scheint kein Thema.

  10. 8.

    Sind Sie sich sicher, dass a l l e jungen Familien in MOL auf einen Wechsel gehofft haben?

  11. 7.

    Doch, ein excellenter Tag für alle in unserem schönen Landkreis. Gerade für Familien, Kindern und Schülerinnen und Schüler hat er immer ein offenes Ohr. Ich habe vom Ergebnis auch im Urlaub mit den Kindern erfahren und freue mich sehr auf weitere 8 Jahre. Das am Sonntag die Stichwahl war konnte Sie wohl kaum überraschen, denn seit der Bundestagswahl am 26. stand der Termin fest. Und die Briefwahl stand für alle zur Verfügung.

  12. 6.

    Auch an einer Stichwahl kann man per Briefwahl teilnehmen, und die Möglichkeit einer Stichwahl sollte man auf dem Schirm haben. Bei einer Wahlbeteiligung von erschreckenden 36,5 Prozent waren wohl weniger die Ferien ein Problem, sondern scheinbar vielmehr allgemeines Desinteresse.

  13. 5.

    Gut, dass es Herr Schmidt geworden ist. So wird weiterhin an alle gedacht. Nicht nur an Eltern und Kinder sondern ein gemeinsames Leben mit allem was dazu gehört. Leider, ist für viele nur noch das eigene Umfeld und somit die eigenen Probleme am wichtigsten. Alles andere scheint egal. Herr Schmidt ist jemand aus der Mitte der Gesellschaft, kein Paragrafenreiter, und sagt was wirklich wichtig ist.

  14. 4.

    Herzlichen Glückwunsch MOL und unserem Landrat zur Wiederwahl.
    Die Menschen im Bruch und auf der Höhe wissen genau was in den letzten Jahren auch und gerade wegen des Einsatzes von Gernot Schmidt erreicht wurde.

  15. 3.

    Die jungen Familien in MOL haben alle auf einen Wechsel gehofft. Der Zeitpunkt der Stichwahl in den Ferien hat sicher auch für das Ergebnis gesorgt. Viele Familien waren im Urlaub und hatten bei der Planung die Stichwahl noch gar nicht auf dem Schirm. Kein guter Tag für Kinder, Schüler und Eltern.

  16. 2.

    Na den frischen Wind haben wir doch heute Abend wieder bekommen. Glückwunsch an Hr.Schmidt. Der ist ehrlich und sagt das was er denkt. Auf eine gute Zeit!

  17. 1.

    Ich hätte mir einen kräftigen frischen Wind in der Kreisverwaltung erhofft.

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