Nach 16 Jahren Kanzlerinnenschaft - Templiner blicken vor dem Zapfenstreich mit Stolz auf die Ära Angela Merkel

Do 02.12.21 | 11:39 Uhr
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Klassenfoto von Angela Merkel in Templin
Audio: Antenne Brandenburg | 02.12.2021 | Michel Nowak | Bild: rbb

Die Zeit von Angela Merkel als Kanzlerin neigt sich dem Ende zu. Mit dem Großen Zapfenstreich wird sie aus dem Amt verabschiedet. In ihrer Heimatstadt Templin werden viele Weggefährten der Zeremonie folgen und berichten, wie sie ihre Angela in Erinnerung behalten.

Angela Merkel hat als Kanzlerin 16 Jahre lang an der Spitze der Bundesrepublik gestanden. Noch hat sie das Amt geschäftsführend inne. Doch voraussichtlich in der nächsten Woche wird die Ära Merkel enden. Bereits am Donnerstag wird sie mit einem großen Zapfenstreich, einer militärischen Ehrung, verabschiedet.

Wie sie ihren Ruhestand verbringen will, damit hält sich die Kanzlerin bisher bedeckt. Lesen und sich ausruhen wolle sie. Auch gilt als sicher, dass sie häufiger in ihrer uckermärkischen Heimat unterwegs sein wird. In Templin ist sie zur Schule gegangen und der Stadt in der Uckermark bis heute verbunden.

Kanzlerin kurbelt Tourismus an

Im Amtszimmer des Bürgermeisters hat neben dem Rathaus-Chef auch die Kanzlerin einen festen Platz. Immerhin ist sie seit gut zwei Jahren Ehrenbürgerin ihrer Heimstadt. Und von Merkels Prominenz hat Templin eindeutig profitiert, sagt Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke). Besonders deutlich sei das im Tourismus spürbar. "Templin hat im Jahr 450.000 Übernachtungen, und vielleicht ist der eine oder andere auch wegen Angela Merkel hierhergekommen. Man merkt es immer dann, wenn beispielsweise Reisetruppen aus Nordrhein-Westfalen kommen. Die wollen vom Reiseleiter wissen, wo Frau Merkel denn groß geworden ist, wo sie zur Schule gegangen ist, wo sie ihre Kindheit verbracht hat."

Angela Merkels Russisch-Lehrerin Erika BennDie ehemalige Russisch-Lehrerin der Kanzlerin, Erika Benn

Lehrer loben Schützling in höchsten Tönen

Als Kind zog die spätere Kanzlerin mit ihrer Familie in die Uckermark. Dort ging sie zur Schule und legte ihr Abitur ab. Den weiteren Weg und Weggefährten verfolgen die Templiner - etwas Merkels ehemaligen Lehrer Hans-Ulrich Beeskow - bis heute genau. Die meisten sind stolz auf die Angela aus Templin. Und auch Beeskow zeigt stolz das Bild eines gemeinsamen Treffens inklusive persönlicher Widmung. "Es ist außergewöhnlich gewesen, diesen großen Entwicklungsschritt zu machen", sagt er über die steile Karriere. "Das hat mich doch beeindruckt. So konsequent und zielstrebig wie sie in der Kanzlerschaft war, war sie schon in der Schule in meinem Matheunterricht." Beeinruckt sei Beeskow auch von Merkels Entschiedung gewesen, nicht noch ein weiteres Mal um das Amt zu kandidieren.

Auch Merkels ehemalige Russisch-Lehrerin Erika Benn spricht nur in höchsten Tönen von ihrem früheren Schützling. "In meinem Club war sie sehr geachtet. 'An die kommen wir sowieso nicht ran', haben wir alle immer gesagt. An die kommen wir sowieso nicht ran. Fertig. Mir hat sie gutgetan, das muss ich sagen."

"Das ist ein Job, den ein zweiter nicht so hinkriegt"

Viele in der Kleinstadt haben Angela Merkel persönlich getroffen. Ulrike Westphal weiß zu berichten: "Ich kenn' sie von früher noch. Sie hat als Abiturientin im Krankenhaus gearbeitet - in der zwölften Klasse, glaube ich. Da hat sie einen guten Job gemacht." Und auch das Urteil der Menschen zur politischen Linie fällt nach 16 Jahren Kanzlerschaft überwiegend wohlwollend aus. Der Templiner Klaus-Dieter Kleiß ist sich sicher: "Das ist ein Job, den ein zweiter nicht so hinkriegt. Wir werden es abwarten, was die Politik uns jetzt so bringt."

Bürgermeister von Templin Detlef Tabbert in der Amtsstube mit Bildern von Angela Merkel
Bürgermeister Tabbert mit Bildern der Kanzlerin in seiner Amtsstube | Bild: Michel Nowak/rbb

Kommt der Angela-Merkel-Platz?

Im Templiner Ortsbild gibt es bis heute nichts, was an die berühmteste Einwohnerin der Stadt erinnert. Das könnte sich in Zukunft ändern, sagt Bürgermeister Tabbert. Er könne sich einen Angela-Merkel-Platz gut vorstellen. "An einen Wallfahrtsort glaube ich weniger. Und ich bin mir sicher, so wie ich Angela Merkel kenne, würde ihr das auch nicht gut gefallen." Tabbert geht davon aus, dass Templin auch nach dem Ende der Kanzlerinnenschaft Merkel weiter vom Ruf der bekannten Stadt-Tochter profitieren wird. "Es ist oft in der Geschichte so, dass Persönlichkeiten, die erfolgreich waren, erst nach einigen Jahren richtig gewürdigt werden und man dann sieht, was für Spuren sie hinterlassen haben."

Schon jetzt hat Angela Merkel ein Wochenend-Grundstück in der Uckermark. Es gilt als durchaus wahrscheinlich, dass die 67-Jährige bald noch deutlich häufiger in ihrer alten Heimat zu sehen ist. Doch erst einmal wird die scheidende Bundeskanzlerin mit militärischen Ehren verabschiedet. Als Musiktitel hat sie sich unter anderem "Für mich sollt's rote Rosen regnen" von Hildegard Knef und "Du hast den Farbfilm vergessen" von Nina Hagen gewünscht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.12.2021, 14:10 Uhr

Mit Material von Michel Nowak

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6 Kommentare

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  1. 6.

    Tschuldigung, wenn ich mich auf Ihre Sprachdrechseleien einische. Es ist sonenklar, Armin Laschet ist nur das Symptom für den Niedergang der CDU.
    Das Wahldesaster der CDU liegt nicht an Armin Laschet. Der Kandidat ist die Folge, nicht die Ursache eines Problems, das sich in über 20 Jahren aufgebaut hat.
    Dieser hier hat das ganz gut analysiert:

    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_90911900/der-niedergang-der-cdu-armin-laschet-ist-nur-das-symptom.html

  2. 5.

    @ Jablonski oder auch Wendehals, sind ja beides offenbar der Selbe:

    Soweit mir bekannt, stand Angela Merkel nicht mehr zur Wahl. Das schlechte Wahlergebnis für die Union dürfte woanders als bei der Ex-Kanzlerin zu suchen sein; zumal sie auch kaum in den Wahlkampf eingegriffen hat. Und dass Angela Merkel nach wie vor die beliebteste Politikerin Deutschlands ist, und die Rankings seit etlichen Jahren anführt, dürfte selbst Ihnen nicht entgangen sein.

  3. 4.

    Es ist mittlerweile langweilig, wenn seit Jahren immer "die üblichen Verdächtigen“ in Templin zu Angela Merkel befragt werden.
    Ich als" NeuTemplinerin seit 30 Jahren" möchte hier nicht meine Stimme abgeben, wohl schon meine Meinung teilen:
    Meine Anerkennung und Respekt, wie Angela Merkel mit dem Ergebnis der Koalitionsverhandlungen 2021 umgeht: Wie souverän sie den zukünftigen Bundeskanzler in ihre Delegation mitnimmt zum G20 Gipfel,
    genau so ehrlich und glaubhaft freut sie sich, dass die diesjährige Tanne gleich 2 Bundeskanzler erfreuen wird. (sogar ohne zu gendern)
    Das macht für mich ihre menschliche Größe aus!

  4. 3.

    Ich bin kein Freund der CGU und deren Politik und habe diese Partei nie gewählt und würde es auch nie tun. Letztendlich wurde Frau Merkel über Jahre zur Kanzlerin gewählt und sie hat ein Recht auf einen würdevollen Abschied von ihrer politischen Laufbahn. Sie wurde ja gewählt und nicht durch eine Diktatur in Amt und Würden eingesetzt, auch wenn dieses immer wieder von diesen sogenannten Querlenkern propagiert wird. Mal schauen ob es der Neue besser macht? Auch bei dem habe ich ehrlich gesagt so meine Zweifel. Doch nie würde ich mich in der Wahl meiner Worte dazu hinreißen lassen diesen abstrusen Querlenkern zu folgen.

  5. 2.

    Die Templiner haben Merkel aus dem Amte gejagt.

    https://www.wahlergebnisse.brandenburg.de/wahlen/BU2021/afspraes/ergebnisse_gemeinde_120730572572.html

  6. 1.

    "Templiner" blicken "mit Stolz" auf das Schaffen von BK Merkel. Hat sich vielleicht im Wahlergebnis der "Templiner" nicht so ausgedrückt. Da wurde die CDU von Merkel halbiert und rangiert hinter der AfD.

    https://www.wahlergebnisse.brandenburg.de/wahlen/BU2021/afspraes/ergebnisse_gemeinde_120730572572.html

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