Interview | Spannungen in Osteuropa - "Russland ignoriert, dass die Ukraine ein eigenes Existenzrecht hat"

Mo 10.01.22 | 14:13 Uhr
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Soldaten der 46. Spezialeinheit des Bataillon Donbass Kampfverbands haben in der Oblast Donezk eine neue Stellung bezogen. (Quelle: dpa/Markiian Lyseiko)
Bild: dpa/Markiian Lyseiko

Die USA und Russland verhandeln aktuell in Genf über eine Beilegung des Ukraine-Konflikts. Die Ukraine selbst ist nicht mit dabei. Timm Beichelt, Osteuropa-Experte der Viadrina, beobachtet die Gespräche - und dämpft Erwartungen an mögliche Ergebnisse.

Seit Wochen wächst die Angst vor einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Russland im Osten Europas. 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Seit 2015 gibt es eine Waffenruhe. Doch seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres schickt Russland wieder Truppen an die ukrainische Grenze.

Seit Montag setzen die Vizeaußenminister der USA und Russlands offiziell Verhandlungen über eine Entspannung des Ukraine-Konflikts fort. Im Mittelpunkt steht der Truppenaufmarsch und die Forderung Moskaus nach Sicherheitsgarantien der Nato. Im Verlauf der Woche wollen auch die Nato-Staaten mit Moskau über mögliche Wege aus dem Konflikt beraten. Der Osteuropa-Experte Timm Beichelt von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) beobachtet die Verhandlungen.

rbb|24: Herr Beichelt, wie empfinden Sie aktuell die Situation in der Grenzregion?

Timm Beichelt:
Mit Bedrückung, weil es vor einigen Jahren und Jahrzehnten in Europa eigentlich so aussah, als ob die langfristigen Differenzen und Konfrontationen der Vergangenheit angehören würden. Aber das ist jetzt offenbar nicht mehr der Fall. Ganz unabhängig vom Ausgang der jetzigen Verhandlungen und der Krise, ist das eine nicht so schöne Entwicklung.

Welchen Eindruck machen die derzeitigen Verhandlungen, die ja zunächst ausschließlich zwischen der USA und Russland stattfinden, auf Sie?

Man muss festhalten, dass Russland der Partner und Konfliktpartner war, der die USA an den Verhandlungstisch gezwungen hat. Es gibt ja nicht nur die Charta von Paris von 1990, in der festgestellt wurde, dass Selbstbestimmung und Demokratie zur europäischen Staatenordnung gehören, sondern allgemein das Völkerrecht. Russland setzt sich darüber hinweg, dass Länder und Staaten wie die Ukraine, aber auch das Baltikum, ein eigenes Existenzrecht haben. Das kommt im russischen Denken nicht vor. Und das ist auch der Haupt-Konfliktpunkt.

Deswegen bin ich auch nicht besonders optimistisch. Denn ein Land, das seinen Nachbarn keine eigene Existenzberechtigung zuschreibt, ist auch nicht mit Kompromissen einzuholen. Russland will die Ukraine bei den Gesprächen nicht dabeihaben. In Sachen Existenzrecht der Ukraine kommt man nicht weiter, ohne dass sich in Moskau die grundsätzliche Haltung ändert.

Vor Kurzem hat Grünen-Chef Robert Habeck sich für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen. Dem widerspricht Parteikollege Jürgen Trittin und setzt auf wirtschaftliche Konsequenzen haben. Ist es sinnvoll, den Druck auf Russland auszuweiten?

Es ist das Bedrückende, dass man nur noch in Kategorien von Druckausüben und Sanktionen spricht. Und auch politische Akteure, die früher einmal anders gedacht haben - wie etwa Bündnis 90/Die Grünen, jetzt gar keine anderen Optionen mehr bleiben. Sicherlich kann man darüber nachdenken, ob Russland wirtschaftlich geknebelt werden kann. Man kann bei der Nordstream-2-Pipeline bremsen. Die ist wahrscheinlich sowieso schon nicht mehr zu retten.

Man kann auch an andere Dinge denken, aber: Was hat man davon? Mittelfristig geht es dann der russischen Wirtschaft und Bevölkerung schlechter. Dazu kommt, dass sich Russland entweder isoliert - was schlecht ist - oder näher an China heranrückt - was auch keine besonders Demokratie-verheißende Option ist. Also es gibt im Augenblick nur schlechte Optionen.

Was ist mit der deutschen Haltung? Die Ukraine hatte eine Anfrage nach Waffenlieferungen gestellt. Würde es den Konflikt befeuern, wenn Deutschland sich dort einmischt?

Sich damit beschäftigen muss man schon. Ob es sehr schlau ist, wenn ausgerechnet Deutschland die Ukraine militärisch ausrüstet, bin ich skeptisch. Ich denke, dass ein wichtiger Pfeiler der deutschen Außenpolitik schon ist, dass Opfer-Länder der Nazi-Herrschaft nicht von neuem in eine Konfrontation gezogen würden. Und Russland ist eben auch ein Opfer-Staat, einer der wichtigsten sogar. Davon, die Ukraine jetzt gegen Russland aufzurüsten, halte ich wenig. Aber auf der moralisch-symbolischen Ebene kann Deutschland vielleicht noch mehr tun, um das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine immer wieder zu betonen.

Sie lehren an der Europa-Universität und haben viele Studierende aus der Ukraine, es ist die zweitgrößte Studiengruppe. Was spiegeln Ihnen die Studierenden zur Konfliktsituation?

Wir versuchen uns an der Viadrina auf dieser Ebene nicht hereinziehen zu lassen. Wir haben nicht nur Studierende aus der Ukraine oder Deutschland, sondern etwa auch aus Polen, Belarus oder Russland. Wir haben den Eindruck, dass die auch miteinander im Dialog sind. Es zeichnet sich eher so etwas ab, dass an den westlichen Universitäten und eben auch hier, solche Studierende Unterschlupf finden, die mit dem autoritären Gebaren und der Re-Autorisierung der Gesellschaft in Russland und dem postsowjetischen Raum nicht gut zurechtkommen. Richtige Putin-Unterstützer habe ich unter den Studierenden nur wenige gefunden. Gleichzeitig weiß man auch von vielen ukrainischen Studierenden, dass sie ganz froh sind, auch mit russischen Studierenden in Seminare zu gehen. Auf der Ebene sehe ich das nicht dramatisch.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Martina Rolke für Antenne Brandenburg. Bei dem vorliegenden Text handelt es sich um eine gekürzte und redigierte Fassung.

Sendung: Antenne Brandenburg, 10.01.2022, 14:40 Uhr

46 Kommentare

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  1. 46.

    @NoAfD
    Ich kann am Kommentar von @Steffen keine AfDnähe feststellen. Wahrscheinlich liegt doch eher daran, daß Sie dem Kommentar nichts entgegen setzen können und somit auf Ihre eigene Art und Weise mit dumpfblöden Diffamierungen reagieren. Das mag in Ihrer simpel strukturierten Welt funktionieren, aber bitte, verschonen Sie uns damit, dass vergiftet nur die Diskussionskultur.
    Zudem gibt es in allen (!) Parteien kritische Stimmen im Umgang mit Russland, nicht nur bei der AfD.

  2. 45.

    Russland gehört, zumindest teilweise, zu Europa. Ich gehe deshalb davon aus, dass auch die russischen Atomarsenale zerstört werden sollen.

  3. 44.

    Die faktische Denunziation fängt da an, dem anderen Motive zu unterstellen, die dieser nicht hat und ihn in ein Koordinatensystem zu verorten, dass diesem gleichgültig ist.

    Genau daran ist die DDR zugrundegegangen, dass ein Club mit höherem Bewusstsein Gesegneter besser über die Motive von Meinungsgegnern Bescheid wusste als diese selbst. Dieses Vorgehen geschieht aus den unterschiedlichsten politischen Motivlagen heraus, siehe der Anwurf zu Russia Today.


  4. 43.

    Lesen sie sich 17 und 18 durch und schmeißen sie ihre russlandfeindliche Ideologie über den Haufen.

  5. 42.

    @Sergej, und als Litauer in Deutschland werden Sie übrigens durch die Bundeswehr geschützt.
    Ergo: Lassen Sie uns im Sinne einer breiten aufgeklärten Gesellschaft alle Informationen bewerten!
    Übrigens: 2013/14 glaubten einer wissenschaftlichen Studie zufolge nur noch 30 Prozent der deutschen Bevölkerung der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt. Sie erkannten eine massive Einmischung westlicher Vertreter in den politischen Angelegenheiten der Ukraine.

  6. 41.

    @Sergej: Ggf. würden die USA sogar - wie bereits 1963 bei der Kubakrise - mit einem Erstangriff drohen (Dokumente [800 Seiten] seit 2015 öffentlich einsehbar).
    Letztens würde ich gerne in dem Ausmas über NATO-Manöver an der Ostgrenze in der ÖRR informiert werden, wie über russische Truppenaufzüge an Russlands Westgrenze.
    Nur so kann ich einem medial manipulierten Denkmuster (durch Weglassen von Informationen, Russland böse, NATO gut) ein aufgeklärtes Bild gegenüberstellen.

  7. 40.

    Ach @Sergej, "ich schlage vor" übersetzt sich im Deutschen nicht mit Ihrem "vorschreiben". Mein Szenario ist hypothetischer Natur. Und Sie ahnen richtig, die NATO-Argumentation "Jedes Land hat das eigenständige Recht..." lassen Sie schon nicht mehr gelten.
    Kernanliegen meines Szenarios war die Reaktion auf diese hypothetischen (!) Stationierungen auf Kuba. Die USA würden dieses "eigenständige Recht" Kubas nie akzeptieren.

  8. 39.

    Wer mit Fakten und Einschätzung der Befindunslage so daneben liegt, und dann seinem Gegenüber die Pflege von einem Feindbild unterstellt, dass ist wirklich nicht "die feine englische Art".

    Ich glaube, dass Sie es nicht nötig haben, sich auf diese Ebene zu begeben.

  9. 38.

    Wollen Sie den Kubanische Leute vorschreiben, wo sie sich zuwenden sollen? Wollen Sie mir vorschreiben, zu welchen militärischen Bündnis ich als Litauer gehören muss?

  10. 37.

    Nur eine Anmerkung zur Krim: Hat im Westen irgendwer jemals geglaubt, dass Russland seinen Schwarzmeerhafen auf der Krim jemals freiwillig hergegeben hätte? Das halte ich schlicht für naiv. In dem Moment, wo die Ukraine sich dem Westen zugewandt hat und damit dieser strategisch bedeutende Hafen für Russland verloren zu gehen drohte, war Putins Handeln schon berechenbar. Dass das völkerrechtswidrig war, ist ja unbestritten. Aber es hat auch im Voraus niemand etwas unternommen, um diesen Schritt Russlands unnötig zu machen. Dieses ewige Konfrontationsgequatsche hilft in diesem ganzen Konflikt überhaupt nicht weiter. Es verhärtet nur die Fronten noch weiter und bestätigt die Russen in ihrem Tun. Wir leben alle auf einem kleinen Kontinent, wo jeder Punkt mit Mittelstreckenraketen erreichbar ist. Ich hatte eigentlich gehofft, die Zeit dieser Angst wäre überwunden. Wir brauchen Lösungen, wo alle ihr Gesicht wahren können.

  11. 36.

    Doch Robert, die wirtschaftliche Entwicklung Russlands liegt durchaus auch am Westen, weil dieses Land von vornherein nicht als neuer Konkurrent, sondern lediglich als Absatzmarkt und Rohstofflieferant vorgesehen war. Natürlich hat auch die russische Regierung damals gravierende Fehler gemacht, es gab aber nie eine echte Unterstützung des Westens, dies zu ändern, weil die Fehler dem Westen in die Hände gespielt haben. Außer Renault, die sich schnell Lada gegriffen haben, gab es keinerlei nennenswerte Investitionen und Arbeitsplätze durch große westliche Firmen im Land, die die Lebensverhältnisse der Menschen dort verbessert hätten. Es war nicht gewollt und daran ist letztlich die Regierung Jelzin gescheitert. Dass es auch schwere Versäumnisse der Russen gab, bestreite ich nicht mal. Da hätte man aber Forderungen stellen und Abkommen schließen müssen. Ich fürchte, heute ist es dafür schon zu spät, diese Chance hat man vertan.

  12. 35.

    Nein, das tue ich nicht. Mein Gott, ist das denn so schwer zu verstehen, dass ich lediglich AUCH beim "Westen", sprich der Nato, eine erhebliche Mitschuld an der Konfrontation sehe. Und dann reibt man sich wieder mal ganz verwundert die Augen über Putins Reaktion. Ohne die laufenden Konfrontationen und das ständige Ausbreiten der Nato hätte Putin gar keine Veranlassung, auf seine Nachbarstaaten im eigenen Sinne einzuwirken. Russland geht es vor allem um die eigene Sicherheit bzw. das Gefühl, nicht direkt an der Grenze bedroht zu werden. Putin ist ja nicht so dämlich, sich noch weitere arme Länder einverleiben zu wollen. Davon hat Russland nun wahrlich genug und die Besatzungskosten der alten UdSSR dürften Putin noch bestens bekannt sein. Auch diese waren ein Grund für den Untergang des Großreiches. Wie gesagt, hier geht es um Geostrategie und das löst man eben nicht, indem man dem russischen Bären noch näher auf den Pelz rückt.

  13. 34.

    Pardon, pflegen Sie Ihr Feindbild. Eine vermittelnde Position, die die Befindungslage beider Seiten berücksichtigt, macht sich eben von beiden Seiten angreifbar.

  14. 33.

    NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bereist schon seit Jahren die um Russland liegenden Länder und führt Assoziationsgespräche: Georgien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan usw.
    Seit Jahren fahren NATO bzw. USA gemeinsame Militärmanöver mit der Ukraine.
    Deutschland sollte sich aufgrund seiner historischen Verantwortung als Triebkraft für Frieden einsetzen und sich aktiv in der NATO gegen jegliche Erweiterungspläne stark machen.

  15. 32.

    Jedes Land hat das Recht, sich seine militärischen Bündnisparnter und -mitgliedschaften auszusuchen.
    Ich schlage vor, Kuba geht bilaterale Partnerschaften mit Russland und China ein. Direkt vor Guantanamo werden riesige russische und chinesische Militärbasen aufgebaut. Von hier aus werden Militärmanöver in der Karibik, vor Texas, Florida und entlang der US-Atlantikküste betrieben.
    Wer glaubt da draußen, dass die NATO ihre gegenwärtige Argumentation in Bezug auf die Ukraine noch aufrecht erhält?

  16. 31.

    "Russland ignoriert, dass die Ukraine ein eigenes Existenzrecht hat" ach echt, wo denn? Plumpe Dauer-Behauptungen, genau wie der Vorwurf Russland würde einen Krieg anzetteln. Denselben Vorwurf, mit denselben Gründen, könnte man auch der Nato machen, die seit Jahren Militärtechnik an die russische Grenze bringt, bedrohende Manöver abhält...
    Und wir wollen doch nicht vergessen, wer in fast jedem Krieg auf dieser Welt seine Finger mindestens mit im Spiel hatte. Kriege begann wegen Massenvernichtungswaffen, die es nicht gab, Menschen verfolgt, die Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen aufdeckten und Spezialkommandos in andere Länder schickt, um dort gezielt seine Gegner zu töten. Foltern lassen wir mal weg. OOPS, das wollen wir ja alles gar nicht wahrhaben. Wenn "wir" das machen, ist es ok.
    Kommentar 29 weist richtig auf die Kubakrise, wo die USA uns fast in den 3. Weltkrieg geschossen hätte. Verlangt aber von den Russen stillzuhalten.

  17. 30.

    Und wieder einmal vertreten sie hier die Linie der rechtsextremen AfD. 1:1 von den Putinfreunden ihrer "Partei" abgeschrieben.

  18. 29.

    man schaue sich mal die die Karten der NATO Osterweiterung von 1990 und 2020 an. Dann wird manches klar. +

    als 1962 die UdSSR Raketen auf Kuba stationieren wollte kam es fast zum 2. Weltkrieg , keine Rede davon, dass sich Kuba seine Bündnispartner aussuchen könne. Nun ist plötzlich alles ganz anders. Und NATO = Northatlancic Treaty.....
    was hat die Ukraine oder die Türkei mit dem Nordatlantik zu tun ? NICHTS , es geht ausschließlich um geopolitische Interessen und um Machthegemonie

  19. 27.

    Hat die NATO schon mal etwas sinnvolles gemacht?
    Also auflösen und damit keine Osterweiterung, heisst auch die Atombomben vernichten, die in Deutschland/ Europa liegen. Die sollten da auch nicht mehr sein.
    Mit go east bedeutet ran an die Rohstoffe, kleiner Putsch kleiner Putsch dort.
    Hält man Putin für so dumm?

  20. 26.

    Wenn Obama das als Reflex auch tat, mag es so sein. Die eigentlich falsche Weichenstellung, wo anders eine andere Entwicklung hätte eingeleitet werden können, geschah in den frühen 1990er Jahren. Da ist definitiv Porzellan zerschlagen worden und das sollte auch ehrlich eingestanden werden.

    Inwieweit ein NATO-Beitritt von einem Froh-Sein begleitet ist, will ich mal dahingestellt sein lassen, wer sich die Achterbahnfahrten in den Umbruchstaaten v. a. Osteuropas anschaut. Ich würde mal von Reaktionen zwischen überbordender, himmelhoher Verheißung und bloßem Strohhalm sprechen.

  21. 25.

    Es war nicht Clinton, sondern Obama, der hat nach der Krim - Annexion, Russland als Regionalmacht bezeichnet.

    Was die RWG -Staaten betrifft, die waren froh, sich endlich aus dem UDSSR - Joch befreit zu haben, und der NATO beizutreten zu dürfen, als Sicherheit vor erneuten Zugriff.

  22. 24.

    Beim Thema Krim muss man auch bedenken, dass dort seit Ewigkeiten strategische Kräfte der russischen Flotte stationiert sind. Dieser Punkt bildete schon immer einen wesentliches Element in der Verteidigungskonzeption Russlands. Es ist absurd anzunehmen, dass irgendeine Supermacht so einen strategischen Posten räumt, noch dazu, wenn sich die Beziehungen, auch Dank politischer Fehlentwicklungen in den Beziehungen, an deren Entwicklung der Westen nicht ganz unschuldig ist, nicht gerade vorteilhaft auf die Beziehungen zwischen Russland und der NATO bzw. konkreter den USA und der EU, gestalten. Vielleicht sollten wir unsere Standpunkte auch mal überprüfen.

  23. 23.

    @OPA KLAUS
    Nur deshalb haben sich sicherlich soviel Ukrainer den Nazi-Truppen angeschlossen, im Kampf gegen die Russen?
    Sicherlich auch völlig vergessen, dass die Faschisten über 35.000 ukrainische Juden in Babyn Jar, nahe Kiew, ermordeten.
    Gut, Opa Klaus, sicherlich vergessen oder verdängt.
    Und, was meinen Sie mit "Der Abschied im April 45 war fürchterl"
    Den Abschied der deutschen Wehrmacht, der Waffen SS?
    Die Russen können Sie ja nicht meinen, befreiten Sie doch die Ukraine vom Nazi-Joch.

  24. 22.

    Sorry - Fehler.
    Es darf natürlich nicht "Gorbatschow und Breshnew" heißen sondern es waren "Gorbatschow und Jelzin" gemeint.

  25. 21.

    Den gravierendsten Fehler des so bez. Westens sehe ich darin, das Angebot eines Europäischen Hauses von Michail Gorbatschow nicht ernsthaft ergriffen zu haben. Mehr als ein oberflächliches Lob war offenbar nicht drin gewesen.

    Dann war es - fatalerweise und leider - die Clinton-Administration, die Russland faktisch als Regionalmacht ansah, mit der einschlägigen Konsequenz in Russland, dass als Boomerang dazu wiederum Größenphantasien hochkamen und Gorbatschow die Beine weggeschlagen wurden.

    So zutreffend es ist, das während der RGW-Zeiten Russland als selbst definiertes Zentrum die anderen Staaten nur als randständig begriffen, so zu kurz gegriffen halte ich es, dass das faktisch in einem "russischen Wesen" läge.

    Das Eingeständnis eigener Fehlerhaftigkeit, was das Europäische Haus angeht, böte die Chance eines ehrlichen Umgangs. Und damit auch der Aussage, dass jegliche vordefinierte (!) unverbrüchliche Freundschaft nur absurd sein kann. Gleich von wem.

  26. 20.

    Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, wie man Russland seit 30 Jahren als Opfer stilisieren kann. Kurz zur Erinnerung: das Land war nach dem Putsch wirtschaftlich wie politisch destabilisiert. Das war das Ergebnis von 40 Jahren Kalter Krieg. Gorbatschow hatte das erkannt. Jelzin oder irgendein anderer Politiker haben in den 90ern das Land nicht auf soliden Boden gestellt. Putin hat sich an das Kapital gehängt bis er den umgebauten Geheimdienst für seine Zwecke nutzen konnte und nicht linientreue Oligarchen aus dem Weg räumte. Wenn man bedenkt, daß Russland, so groß wie China und die USA zusammen, vollgestopft mit Ressourcen, mit fast 145 Mio. Einwohnern, ein Bruttosozialprodukt hat welches weit von dem unseren entfernt ist, sich als Opfer gebiert, ist das ein klarer Hinweis auf innenpolitische Instabilitäten.

  27. 19.

    Das klingt jetzt nach spiegelbildlicher Umkehrung der Verhältnisse, die m. E. gleichfalls verkürzt ist. Am Liebsten wäre mir mit der Implosion des RGW-/ Warschauer Pakt-Bündnisses die Auflösung der NATO gewesen, weil ihre Zielsetzung, wie real geprägt sie auch immer war, damit nicht mehr gegeben war.

    Solange es sie freilich gibt, steht es jedem souveränen Staat allerdings frei, ihr beizutreten. Die Haupttriebkraft dazu kam aus den jeweiligen Staaten selbst.

  28. 18.

    -2-
    3. Statt über den Weg stabiler wirtschaftlicher Beziehungen eine politische Annäherung zu erreichen, ziehen wir eine Abgrenzung vor. Russland zählt militärisch neben den USA und China immer noch zu den Supermächten. Angesichts der erkennbar zunehmenden Verschlechterung der Beziehungen ist es eigentlich logisch und nachvollziehbar, dass man in Russland eine Erweiterung des militärischen Bündnisses des Westens bis vor die „eigene Haustür“ mit Sorge sieht und es ist nicht nur Putin.
    4. Putin wird in der medialen Landschaft für alles was uns nicht gefällt verantwortlich gemacht und zum Schurken erklärt. Wieso eigentlich? Weil Russland zu vielen Fragen eine eigene Meinung hat und er sie vertritt? Gorbatschow und Breshnew haben uns damals die Hand hingehalten. Wir haben sie nicht genommen, zumindest nicht fest genug.

  29. 17.

    Es ist ganz einfach Unsinn Russland Kriegstreiberei zu unterstellen. Bereits in einem anderen Beitrag (Kommentar wurde leider nicht veröffentlicht) hatte ich das begründet.
    Es mag in Russland viele Probleme geben die aus unserer Sicht kritik- und auch verurteilungswürdig sind, aber wir sollten trotzdem versuchen die Position Russlands zu verstehen.
    1. Es gibt eine umfangreiche Berichterstattung zu Menschenrechtsverstößen. Ein Beispiel waren die jungen "oben-ohne-Mädchen". Mal ganz ehrlich, wie lange würden die bei uns frei rumlaufen dürfen. Aber schon alleine diese Gruppe als "Menschenrechtsaktivistinnen" zu verkaufen macht die internationale Menschenrechtsbewegung unglaubwürdig.
    2. Russland wird durch den Westen ab- und ausgegrenzt. Nach dem Kommunismus gab eine kurze Phase, wo man den Anschein hatte, dass wir es in unsere Gemeinschaft aufnehmen. Das Flämmchen der Hoffnung wurde schnell erstickt. Wir haben wieder ein Feindbild aufgebaut und halten konsequent an ihm fest.
    -2-

  30. 16.

    Im Klartext verteidigen oder negieren sie jegliche Aggression, die seid den letzten Jahrzehten von Russland ausgeht? So zumindest verstehe ich das.

  31. 15.

    Die Ukraine hat in ihrer Geschichte keine guten Erfahrungen mit Russland gemacht. In unserem kleinen Dorf waren im Krieg ukrainische Zwangsarbeiter. Sie arbeiteten auf dem Gut. Die Ehefrau des Besitzers war eine russische Jüdin, die dort überlebte und danach von Stalins Leuten zum Selbstmord getrieben wurde.Sie tat alles für die Leute,die Angst vor der Rückkehr hatten. Stalins Hungerkrieg war unvergessen. Sie sagten immer wieder, daß sie keine Russen wären. Der Abschied im April 45 war fürchterl

  32. 14.

    Meine Güte, Russland ist doch wohl groß genug, aber Putin möchte gerne wieder die "alte Größe" von vor 1989 haben. Und nach dem Überfall auf die Krim, deren Wahl/Abstimmung der Bevölkerung doch wohl eher eine Farce war, kann man doch sehen, dass die Belagerung seitens der Russen vor der Ukraine, doch in die ähnliche Richtung geht. Und das nervige Gequatsche oder Leugnen Putins, er würde nur sein Land schützen wollen - also ehrlich, wer oder was ist den Putin schon, ein kleiner aufgeblasener Wichtigtuer in einem schwachen korrupten Russland.

  33. 13.

    Mal zum Nachdenken, hätte man Gorbatschow nicht entsprechende Zusagen zur Wendezeit gegeben, wäre wohl heute noch die Ost-West Grenze an der Elbe. Der Rest der Westmächte hat zur Wiedervereinigung nicht Hurra geschrien.
    Eine kleine Neuausrichtung in den Baltikumrepublicken war die einfachste Übung.
    Die Strategie des Westverbundes ist go east.
    Andere kommen dafür übers Mittelmeer.

  34. 12.

    Mit Verwunderung beobachte ich, dass der Ukraine-Konflikt in der journalistischen Darstellung immer mit der Loslösung der Krim beginnt. Dass davor ein USA-bezahlter Putsch faschistoider Kräfte gegen einen mit klarer Mehrheit wiedergewählten Präsidenten stattfand, wird regelmäßig „vergessen“. Auch, dass Herrn Steinmeier eine sehr unrühmliche Rolle gespielt hat.

  35. 11.

    "Russland war für den Westen immer nur Rohstoffkolonie und niemals ernsthaft erwogener wirtschaftlicher Partner, den man irgendwann auf Augenhöhe hätte sehen wollen".

    Liegt das am Westen? Eher nein. Ein Land, in dem, von der Regierung geduldet, regelmäßig größere und kleinere Firmen "gestohlen" werden, kann kein Ziel von produktiven Investitionen werden. In China gab es trotz allem mehr Rechtssicherheit, das Resultat ist bekannt.

  36. 10.

    Wieviel Kriege hatte Russland begonnen??? Ach , diese Frage muss man ja den USA stellen. Die NATO zieht den Ring um Russland immer enger. Die Versprechungen von 1989/1990 sind längst Makulatur und die Akteure leiden an Gedächtnisschwund. Putin ist kein Heiliger, aber er ist auch nicht so einfältig wie Jelzin. Der nächste Schritt ist der NATO- Beitritt der Ukraine, wenn es auch
    heute noch geleugnet wird.

  37. 9.

    Warum wird bei politisch-historischen Expertisen fast immer nur die westliche Deutung wiedergegeben und damit das (berechtigte) Sicherheitsinteresse Russlands negiert, denen - trotz Zusage des amerikanischen Außenministers Baker 1990 - die NATO seit dem Ende des Kalten Krieges "auf den Pelz" gerückt ist. Ohne diese Zusicherung hätte es die deutsche Einheit 1990 wahrscheinlich nicht gegeben, denn auch Gorbatschow hatte sich ausdrücklich versichern lassen, dass auf dem Territorium der ehemaligen DDR keine nichtdeutschen NATO-Truppen stehen sollten.
    Es gibt zwei russische Traumata: der Überfall Deutschlands und die unglaublichen Verluste im Großen Vaterländischen Krieg sowie der Zerfall des Riesenreiches der Sowjetunion ab 1990 -letzteres hat Putin als KGB-Leutnant miterlebt.
    Soweit ich weiß, hat Nikita Chruschtschow die Krim dem Territorium der Ukrainischen SSR zugeschlagen, heute leben dort immer noch 60-70% Russen. Das rechtfertigt nicht die Annexion an Russland 2014 - zynischerweise könnte man aber sagen, dass das Vorrücken des NATO-Einflussgebietes Putin geradezu gezwungen hat, die Krim auch aus geostrategischen Gründen in seine Hände zu bekommen.
    Anfang der 2000er, als Putin sogar vor dem Deutschen Bundestag sprach, wäre die Chance auf eine friedliche Koexistenz dagewesen, mit der weiteren Osterweiterung der NATO hat der Westen diese Chance verspielt.
    Dass Polen und die baltischen Staaten auch berechtigte Ressentiments gegenüber Russland pflegen, macht die Konfliktträchtigkeit in dieser Region komplett.

  38. 8.

    Da kann ich ihnen voll zustimmen. Die Nato war es die die Verträge gebrochen hat bezüglich der Osterweiterung der Nato. Die Ukraine soll sich mal nicht so feiern lassen. Bis heute wurde gegen die massive Korruption im Land nicht vorgegangen bzw. Weitere Auflagen für eine privilegierte Partnerschaft mit der EU wurden nicht erfüllt. Russland ist ein zuverlässiger Partner nur verarschen lässt sich putin zum Glück nicht.

  39. 7.

    Es gibt nicht nur schlechte Optionen: Beruhigt Russland damit, dass die NATO sich nicht ausweitet...und gewagt: nehmt Russland in eine europäische Verteidigungsstrategie mit auf...anstatt sich in einen Chinesisch/Amerikanischen Konflikt hineinziehen zu lassen. (Die Grünen merken noch nicht, dass es genau darauf hinausläuft..) Den Amis ist ein europaschwächender Russlandkonflikt vermutlich ganz recht, weil dann Europa keine alternative Wahl hat, wenn man sich mit China streitet.
    Und Putin kann man sehr wohl "nehmen": Er schätzt das "harte Anfassen auf Augenhöhe" und die Sprache des Geldes...Wenn das ausgewogen gelinkt, die russische Seele streichelt, dann steht Russland zu seinem Wort...Und die russische Armee kann, außer den Rohstoffen, für Europa noch nützlich werden. Wollen wir die russischen Stärken nicht besser nutzen statt zu vergeuden?

  40. 6.

    Das mag momentan so sein, aber Russland hat eben in der Vergangenheit mehrfach andere Erfahrungen machen müssen. Das Volksempfinden ist davon geprägt und daher baut Russland auf neutrale bis ihm zugewandte "Pufferstaaten" um sich herum und ist natürlich nicht erfreut, wenn die NATO ihm bis zur Landesgrenze auf die Pelle rückt und das Land einkreist, zumal deren Rhetorik ja nun auch nicht gerade entspannend ist. Es geht Russland (durchaus nachvollziehbar) um die Wahrung seiner geostrategischen Stellung in der Region. Das kann man durchaus als undemokratisch und antisouverän bezeichnen, ist aber nun mal Fakt. Die USA oder China verfahren ja nun auch nicht wirklich anders. Ich bin durchaus der Meinung, dass eine weitere (wenn auch nur angedeutete) NATO-Osterweiterung unterlassen werden sollte, da dies erkennbar nur zu weiteren Spannungen führt und damit zu einer unsinnigen Kriegsgefahr.

  41. 5.

    Die Politik die Moskau betreibt, zielt seit Jahren auf eine Destabilisierung des sogenannten Westens ab und damit auch gegen die EU. Moskau würde ich als 5te Kolonne Pekings bezeichnen. Beide Staaten sind Verbündete gegenüber dem Westen. Peking will ganz klar die Nummer 1 werden. Das Land weisst seit geraumer Zeit totalitäre/ faschistoide Züge auf. Außenpolitisch konnten sich Peking und Moskau während der Amtszeit von Trump ins Fäustchen lachen. (BTW: das Thema ist in den USA noch nicht vom Tisch.) So sehr ich die amerikanische Politik überwiegend ablehne und eine starke, militärisch unabhängige EU bevorzuge, wird das nur in Verbindung mit den USA gehen. Putin gegenüber muß man eine klare Linie ziehen. Er ist ein kalter Krieger der nicht mehr zum Zug kommen durfte (siehe Mauerfall): Bis hierhin und nicht weiter.

  42. 4.

    An den aktuellen in Russland herrschenden Zuständen und der Konfrontation mit der NATO, in die die Ukraine letztlich als Pufferstaat hineingezogen wurde, sind der Westen und die NATO ja nun nicht ganz unschuldig. Russland war für den Westen immer nur Rohstoffkolonie und niemals ernsthaft erwogener wirtschaftlicher Partner, den man irgendwann auf Augenhöhe hätte sehen wollen. An dieser Politik ist seinerzeit Jelzin gescheitert und die Russen haben sich wieder in "die gute alte Zeit" geflüchtet. Gleichzeitig stieg kontinuierlich die militärische Konfrontation mit der NATO wieder an, als hätte es die Entspannungspolitik nie gegeben. Dass Russland unter diesem Gesichtspunkt die "Pufferstaaten" nicht einfach dem Westen überlässt, ist nicht wirklich verwunderlich, auch wenn es unserer Auffassung von Souveränität fundamental widerspricht. Wir brauchen endlich wieder einen Dialog der Partnerschaft und Entspannung!

  43. 3.

    Momentan würde wohl kein Staat der Welt ernsthaft auf die Idee kommen, Russland angreifen und dort einmarschieren zu wollen. Dass wegen seiner größenwahnsinnigen Allmachtsfantasien gerade wieder Millionen von Menschen in permanenter Angst vor einem Krieg leben – nicht nur die Ukrainer, sondern auch die russischen Soldaten und deren Familien dürften sich mit dieser völlig grundlos geschaffenen Situation nicht allzu wohl fühlen – geht dem „werten Herrn“ Putin anscheinend komplett am Allerwertesten vorbei. Anstatt einen Staat wie Russland führen zu wollen, wäre er deutlich besser damit beraten, sich mal psychologische Hilfe angedeihen zu lassen.

  44. 2.

    "Gegenseitige militärische Bedrohungen haben noch nie friedliche Lösungen hervorgebracht. "
    Es gibt nicht wenige Historiker die meinen, dass nur atomare Gleichgewicht der Supermächte die Welt vor einem Dritten Weltkrieg bewahrt habe.

  45. 1.

    Als die UdSSR 1962 in Kuba Raketen stationierte, um dem Land vor weiteren Angriffen seitens der USA zu helfen, denn die USA wollte damals das Existenzrecht eines von ihnen unabhängigen Kubas nicht anerkennen, brachte die USA mit ihrer Reaktion darauf die Welt an den Abgrund eines Atomkrieges. Das aber die USA zur gleiche Zeit in der Türkei gegen die UdSSR gerichtete Raketen stationiert hatte, das wurde nicht so hoch gepeitscht.
    So ist es nun einmal, dass jedes Land seine eigenen Interessen hat, die es im gegenseitigen Kompromiss zu wahren gilt. Gegenseitige militärische Bedrohungen haben noch nie friedliche Lösungen hervorgebracht.

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