Aussage hatte für Aufregung gesorgt - Innenministerium sieht Frankfurt doch nicht als "Hauptumschlagplatz" für Geflüchtete

Mo 07.03.22 | 21:28 Uhr
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Flüchtlinge aus der Ukraine sind mit einem Sonderzug aus Warschau angekommen und steigen nach der Kontrolle durch die Bundespolizei vom Nachbarbahnsteig in einen Sonderzug (r) der Deutschen Bahn nach Berlin ein. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.03.2022 | Markus Grünewald | Bild: dpa/Soeren Stache

Die Stadt Frankfurt wehrte sich, zum Schwerpunktort für Geflüchtete zu werden. Der Bahnhof sei ungeeignet, hieß es. Das Brandenburgische Innenministerium rudert nun zurück und spricht von einem Missverständnis.

Das Brandenburgische Innenministerium hat sich am Montag wieder von der Überlegung distanziert, dass Frankfurt (Oder) ein "Hauptumschlagplatz" für die weitere Verteilung der Flüchtenden aus der Ukraine in Deutschland werden könne. Zuvor hatte sich Innenminister Michael Stübgen (CDU) entsprechend gegenüber dem rbb geäußert.

Stübgen sei am Samstag missverstanden worden, sagte nun Innenstaatssekretär Markus Grünewald. "Frankfurt ist ein Nadelöhr, wo sich alle Probleme von Flüchtenden konzentrieren." Er kündigte daher eine bessere Versorgung der Flüchtenden dort an. Der Bahnhof und die Stadt sollten aber kein Umsteigezentrum werden.

Die Aussage des Innenministers hatte zuvor für Aufregung gesorgt. Die Oderstadt wolle sich gegen den Status des "Verteiler-Zentrums" wehren, sagte Oberbürgermeister René Wilke. Frankfurt könne für Brandenburg wichtige Koordinierungsaufgaben übernehmen. Für ganz Deutschland fehle es aber an Ressourcen, etwa bei den Gleisen und dem Platz um den Bahnhof herum für Zelte oder Busse, ergänzte Sozialdezernent Jens-Marcel Ulrich. "Die Logistik ist gar nicht vorhanden. Der Bahnhof ist voll. Wenn da noch drei oder fünf Reisebusse stehen, dann geht schon gar nichts mehr. Und wenn man sich dann vorstellt, dass so ein Zug mit 1.000 Leuten hier umverlagert werden soll, wären das 16 Busse."

"Erst kamen auf jeden Angekommenen gefühlt 50 Helfer, jetzt ist es andersherum"

In Brandenburg kommen die Flüchtlinge zunächst per Bahn in Frankfurt (Oder) an. Ein Großteil fährt mit dem Zug dann weiter nach Berlin. Das Land stellt sich nach Angaben des Innenministeriums vom Montag auf eine höhere Zahl von ukrainischen Kriegsflüchtlingen ein als bisher angenommen. Bisher war die Zahl von insgesamt 10.000 bis 11.000 Betroffenen geschätzt worden. In der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Brandenburg wurden seit Beginn des Ukraine-Krieges 1.057 Menschen mit Ukraine-Bezug aufgenommen, davon 368 Menschen am Wochenende.

In Frankfurt (Oder) war bereits am Freitagabend der erste Sonderzug aus Polen mit rund 300 Menschen angekommen. Die Geflüchteten wurden auch über das Wochenende von vielen Helfern empfangen, darunter waren junge Krankenschwestern und Dolmetscher, wie Reporter von vor Ort berichteten. Auf dem Bahnsteig wurden Lebensmittel und Kinderspielzeug verteilt. Auch Oberbürgermeister René Wilke und die Kinderbeauftragte der Stadt, Jacqueline Eckardt, waren bei der Ankunft zugegen und halfen. Etliche Ukrainer, die in Brandenburg wohnen, holten ihre Verwandten ab. Vor dem Bahnhof waren Zelte zur medizinischen Versorgung aufgestellt.

"Am Anfang kamen auf jeden angekommenen Menschen gefühlt 50 Helfer, jetzt ist es andersherum", sagte Wilke der Deutschen Presseagentur. Jetzt kämen zwischen 700 und 2.000 Menschen pro Zug an, teilweise in einem schlechten Zustand. Die vielen ehrenamtlichen Helfer könnten die Hilfe auf Dauer nicht leisten. "Wir brauchen hier professionelle Strukturen." Das Land habe deshalb Unterstützung zugesagt, sagte Wilke nach einer Schalte mit dem Innenministerium.

Deutsche Rote Kreuz soll ehrenamtliche Hilfe professionalisieren

Bis zum Montag schienen sich die Abläufe grundsätzlich eingependelt zu haben. Ein Chaos am Bahnhof blieb aus, so rbb-Reporter. Zum Wochenbeginn sollen neun Züge aus Warschau ankommen - Pro Zug sollen etwa 1.000 Menschen Deutschland erreichen. Die Allermeisten, vor allem Frauen und Kinder, fahren nach Berlin weiter, ohne in Frankfurt auszusteigen. Für die, die nicht weiterfahren, sind am Bahnhof dann der Katastrophenschutz mit zwei warmen Zelten, das Rote Kreuz und freiwillige Helfer vor Ort.

Die meiste Unterstützung wurde bisher von Ehrenamtlichen geleistet. Dies könne jedoch kein Dauerzustand sein, sagte der Frankfurter Sozialdezernent Jens-Marcel Ulrich dem rbb. Die Landespolitik hätte deshalb Hilfszusagen gegeben. "Das Land hat gesagt: Wir unterstützen euch und übernehmen diverse Kosten, zum Beispiel wenn Ehrenamtliche nicht zur Arbeit gehen können, weil sie hier im Einsatz sind." Darüber hinaus erwarte Ulrich aber auch logistische Unterstützung etwa mit Versorgungsgütern.

Außerdem soll die ehrenamtliche Hilfe jetzt professionalisiert werden. Es gebe Pläne für eine Übernahme durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) - das bestätigte auch Innenstaatssekretär Markus Grünewald. Ihm zufolge werde das DRK am Mittwoch auf dem Bahnhofsplatz ein Sanitätszelt errichten, in dem Geflüchtete, die den Zug verlassen, versorgt werden könnten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 07.03.2022, 19 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Das ist jetzt aber Ihre Interpretation die bzgl der bisherigen Kommentare schon etwas an den Haaren herbeigezogen ist oder die eigenen Vorurteile pflegt. Wer hier aus dem Westen ist, ist überhaupt nicht erkennbar, aber das becker bewusst Frankfurt/Main ins Rennen geworfen hat schon eher.
    Das vergessene t bei Frankfurt als auch der Bezug auf die gesamte Bundesrepublik zeigt doch, dass es kein Fehler der Autokorrektur sondern eine bewusste Eingabe war. Der/die becker meint wirklich das größte der vier deutschen Frankfurts.

  2. 16.

    Da sieht man daß Ost West Problem in Deutschland,daß sich natürlich auch auf den Blickwinkel ausbreitet.Offenbar wissen die Bürger im Westen nicht einmal, daß Frankfurt nicht automatisch Frankfurt/Main heißt und daß Frankfurt/Oder genau da liegt wo die Flüchtlinge die polnische Grenze überschreiten,wissen Sie schon gar nicht.Und damit ist Frankfurt naturgegeben einer der Schwerpunkte der Fluchtbewegung,zumal man dorthin als einer der letzten verbliebenen Grenzbahnhöfe auch noch mit dem Zug kommt

  3. 15.

    Ok. Da würde dann das brasilianische isso mit richtig langem i gut passen. Das bedeutet alles mögliche meist aber genau das was Sie meinen. is so eben.

  4. 14.

    Unsere Politiker*innen denken oft nicht langfristig.
    Die Flüchtlingshilfe würde deutlich länger anhalten, wenn man gleichzeitig Energieversorgung und Preisstabilität sichern würde.
    Ebenso werden viele Entscheidungen aus Sicht eines 10.000€-Einkommens getroffen.
    Für die Eliten und Besserverdienenden bedeutet diese Krise nur, dass sie an einen Teil ihres Vermögens ran müssen.
    Die ARMEN werden jetzt NOCH ÄRMER.
    Aber was will man von Parteien erwarten, die schon die Rentenformel zerschossen bzw. den Armutslohnsektor geschaffen haben?

  5. 13.

    Das war ein leicht abgeändertes Zitat aus der Sendung mit der Maus, das so ebenfalls herrlich unlogisch ist. War aber wohl etwas unverständlich. Vielleicht hätte ich im ersten Satzteil noch ein „(nicht)“ einfügen sollen. Auf jeden Fall wollte ich Ihnen meine Zustimmung ausdrücken.

  6. 12.

    So sehr ich dafür bin, die Geschichte nicht zu vergessen und die damaligen Worte nicht wieder zu beleben, aber ein Umschlagplatz ist tatsächlich kein Wort, das nicht verwendet werden sollte. Wiki sagt sachlich: Da auch in der Personenbeförderung an Bahnhöfen oder Flughäfen ein Umsteigen auf andere Transportmittel (unter Umständen des gleichen Verkehrsträgers) stattfindet, kann hierbei ebenfalls von einem Umschlagplatz (Umsteigebahnhof, Stopover) gesprochen werden.

  7. 11.

    Wie lange hält noch die uneingeschränkte, großartige Solidarität noch an?
    Russland droht mit Abschaltung von nord stream1, an den Zapfsäulen wird die 2€ Marke dauerhaft durchbrochen, shell schränkt Belieferung teilweise ein, die Forderungen an Dt., EU und Nato vom ukrainischen Botschafter und Hr.selenski werden immer "emotionaler" vorgebracht, Politiker sehen mögliche soziale Spannungen in Dt. und entsprechende Unruhen. Wie lange geht das noch gut?

  8. 10.

    Vorher sind mehrere 100 in Frankfurt Oder ausgestiegen. Relativ auf die lokale Größe gesehen deutlich mehr als die, die weiterfahren. Wir sollten aber aufhören diese Vergleiche anzustellen. Frankfurt Oder beteiligt sich intensiv an der Bewältigung der Flüchtlingswelle, keine Angst. Ich weiß nicht wie die Berliner immer wieder darauf kommen, dass sie die einzigen sind, die irgendetwas machen. Vielleicht auch mal andere Medien nutzen.

  9. 9.

    Den Tippfehler muss man doch schon bewusst machen. Auf keinem meiner Geräte schlägt die Autokorrektur Frankfurt/Main vor.

  10. 7.

    Wer sich ein bisschen mit der Geschichte des Holocaust auskennt, dem wird schlecht bei dieser Überschrift. Der "Umschlagplatz" war der Ort im Warschauer Ghetto, an dem die Juden für den Transport in die Vernichtungslager zusammengetrieben wurden.

  11. 6.

    Bei uns in Berlin kommen schon täglich über 10.000 Flüchtlinge an. Vielmehr geht ja nun wirklich nicht

  12. 4.

    bitte Text lesen! es geht um Frankfurt an der oder in Brandenburg! nicht Frankfurt am Main!

  13. 3.

    Hier ist Frankfurt/Oder gemeint.
    Sollte sich jedem Ortskundigen auch erschließen.

  14. 2.

    Also wenn ich auf die Karte gucke, sehe ich Berlin und München als optimal gelegen. Frankfurt/Main liegt zentral aber wenn die Welle von Osten kommt ist die Mitte eher suboptimal. Alle durch Berlin durch und nach Frankfurt/Main und dann teilweise wieder zurück nach z.B. Berlin, Rostock oder Eberswalde oder Leipzig oder Magdeburg. Klingt nicht logisch oder?

  15. 1.

    Faßt man eine Umverteilung über die gesamte Bundesrepublik ins Auge, ist Frankfur/Main ganz sicherlich eine bessere Lösung als Berlin. Dazu muß man kein Logistik-Spezialist sein, es reicht der Blick auf die Deutschland-Karte.

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