Krieg gegen die Ukraine - Wie sich der Krieg auf Brandenburgs Landwirtschaft auswirken könnte

Mo 14.03.22 | 17:36 Uhr | Von Jakub Paczkowski
  13
Getreide auf dem Feld 1
Audio: Antenne Brandenburg | 14.03.2022 | Jakub Paczkowski | Bild: Tony Schönberg/rbb

Fällt die Ukraine als wichtiger Exporteur von Getreide aus, droht eine weltweite Versorgungskrise. Doch Landwirte in Brandenburg könnten von hohen Getreidepreisen wiederum profitieren – und damit die teuren Ausgaben für Sprit und Dünger ausgleichen.

Der Frühling ist da und auf Brandenburgs Feldern wird schon fleißig gearbeitet. Auch bei Landwirt Thomas Kiesel aus Barsikow (Landkreis Ostprignitz-Ruppin), in der Prignitz. Was er in diesem Jahr auf seinen 400 ha Land anbaut, hat er schon vor einem Jahr geplant – in der Landwirtschaft ganz normal. Doch mit dem Krieg in der Ukraine und dessen wirtschaftlichen Folgen hat er nicht gerechnet. "Vor allem Stickstoffdünger, der aus Erdgas produziert wird, ist enorm teuer", sagt Kiesel. Statt 220 Euro wie im letzten Jahr, bezahlt er jetzt 700-900 Euro pro Tonne.

Ukraine großer Getreideexporteur

Die Kosten für Düngemittel, Kraftstoff und Futtermittel sind bereits stark gestiegen. Und je länger der Krieg gegen die Ukraine andauert, desto gravierender werden die Folgen. Die wirtschaftlichen Sanktionen gegenüber Russland und der drohende Ausfall der Ukraine als Weizenproduzent bringen den Agrarmarkt ins Wanken.

In der Ukraine werden Getreide, Raps und Sonnenblumen für den Weltmarkt angebaut. Die Nahrungsproduktion ist der größte Wirtschaftszweig des Landes. Wenn es hier zu großen Ernteausfällen kommt, werden das vor allem ärmere Länder spüren, die auf große Getreidelieferungen aus der Ukraine angewiesen sind. Zusätzlich zum Klimawandel verstärke die Verteuerung der Preise den Hunger, sagte Özdemir am Montag bei einem Treffen mit Landwirten in Steinhöfel (Landkreis Oder-Spree): "Offensichtlich setzt Putin den Hunger auch als Waffe ein."

Ökologischen Vorrangflächen für den Futtermittelanbau

Deutschland kann hingegen 90 Prozent seines Getreidebedarf aus dem heimischen Anbau decken, auf dem Weltmarkt muss nur wenige zugekauft werden. Einen Grund zur Panik sieht Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, daher nicht, aber es bestehe trotzdem Handlungsbedarf: "Es geht darum, auf der einen Seite die Märkte zu stabilisieren. Aber sich auch auf ein Szenario einzurichten, das länger dauert."

Ausnahmsweise sollen "ökologische Vorrangflächen" zur Futtergewinnung freigegeben werden, kündigte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir vergangene Woche an. Normalerweise müssen Gras und andere Pflanzen dort für die Bodenverbesserung untergepflügt werden und dürfen nicht genutzt werden. Mit dieser Maßnahme könnten in Deutschland eine Million Hektar mehr Land als Anbaufläche zur Verfügung stehen. Das soll die Kostensteigerung beim Tierfutter abmildern.

Im Gegensatz zu vielen Menschen weltweit, könnten den Brandenburger Landwirten zudem die hohen Getreidepreise zugutekommen. Denn durch die hohe Produktion im eigenen Land füllt der hohe Preis die Kassen – und gleicht damit die Verluste beim Kauf von Kraftstoff und Dünger wahrscheinlich zum Teil wieder aus.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.03.2022, 14:42 Uhr

13 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 13.

    Jo, die Mastfabriken würden verschwinden. Die Probleme, die die verursachen auch. Freiwerdende Flächen könnten für Getreide-/Gemüseanbau genutzt werden. Die Pharmabranche würde nach Zuschüssen wegen Einbrüchen beim Antibiotikageschäft winseln und der "Swine­jung" könnte von dem Erlös seiner Arbeit etwas besser leben und nicht nur mit 'n schlappen Hunni pro Sau abgespeist werden. Aber diese subventionierte, planbare Überproduktion von Lebensmitteln ist generell ein Problem. Hier werden Salat-, Rübenäker u.v.a. ungeerntet umgepflügt weil "es" sich besser als Ernten rechnet und in selbst diesem reichen Land müssen Menschen hungern. Da beisst sich was gewaltig. Ich merke, ich träume wieder mal.

  2. 11.

    Tolle Idee, einfach mal die massive subventionsgestützte Überproduktion an Fleisch ein bisschen runterzuschrauben. Fände ich sehr gut. Dann bekommt man das Kilo Schwein aber wahrscheinlich nicht mehr für unter 1,50 im Großhandel.

  3. 10.

    Also um die Selbstversorgung zu sichern, würde ich aufhören zu exportieren. Was ich selbst benötige, kann ich nicht verscherbeln.

  4. 8.

    Ich hätte ab Herbst eine ganze Hecke für Vegetarier zum "abknabbern"!

  5. 7.

    In diesem Artikel geht es um die Selbstversorgung mit Lebensmitteln, da ist der Export erstmal zweitrangig. Fleisch wird bei uns ja stark subventioniert, klar wird von dem billigen Zeug dann auch viel exportiert. Die Subventionen könnte man ja mal streichen, aber wer sowas vorschlägt kassiert direkt Schlagzeilen bei Axel Springer.

  6. 6.

    80% der Fleisch Produktion ist für den Export (China) was nutz es dann, wenn wir weniger essen????!!!!!!

  7. 5.

    Es muss wirklich nicht jeden Tag ein Stück Fleisch geben. Fisch ist auch sehr delikat. Oft reicht es auch, ordentlich Speck ins (womöglich vegetarische) Essen zu geben. Und Hauptsache, jeden Tag ist mindestens morgens und abends der Wurstteller gut gefüllt.

  8. 4.

    Statt ökologische Vorrangflächen für den Futtermittelanbau freizugeben hier mal eine ganz radikale Idee: Weniger Fleisch essen und statt Futtermittel für Tiere Futtermittel für Menschen anbauen. Es muss nicht jeden Tag ein Stück Fleisch geben. Wie wär's mit nur zwei oder drei Mal pro Woche, wenn man nicht gleich vegetarisch Leben möchte? Gesünder ist das noch dazu!

  9. 3.

    Mit der aktuellen Fruchtfolge Gülle, Mais, Gülle, Mais kann man natürlich den Nahrungsbedarf nicht decken.

  10. 2.

    Wer soll das machen? Hier in FF einst zweitwichtigstes Obstanbaugebiet Brandenburgs werden es Jahr für Jahr weniger Anbauflächen weil kein Nachwuchs da ist. Das dürfte in der übrigen Landwirtschaft kaum besser sein. Vielleicht sind ja ein paar Bauern unter den Flüchtlingen denen man somit eine Chance anbieten kann.

  11. 1.

    Vielleicht sollten wir hierin Brandenburg mehr Nahrungsmittel, wie z.b backgetreide und gemüse anbauen. Dann hätten wir weniger sorgen

Nächster Artikel