Martin Schindler bei einem Turnier. Quelle: imago/ Jan Huebner
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Interview - Martin Schindler tritt bei Darts-Team-WM in Hamburg an

Mit seinem Partner Max Hopp schaffte es der Strausberger Martin Schindler in den vergangenen Jahren jeweils ins Viertelfinale des Darts World-Team-Cup. Seit Donnerstag treten sie erneut gemeinsam an. In Hamburg soll es dieses Mal weiter gehen. Von Stefan Kunze

Martin Schindler ist die Nummer 2 im Darts Mannschaftssport. Er kommt aus Strausberg (Märkisch-Oderland), wo er auch mit dem Darts spielen angefangen hat. Die Nachbarn haben sich immer gewundert über das dreimalige Pock, Pock, Pock... bis sie herausgefunden haben, dass nebenan einer der besten Darts-Profis aus Deutschland wohnt.

rbb: Herr Schindler, bereiten Sie sich immer noch zu Hause auf Turniere vor? 

Martin Schindler: Ja, ich trainiere schon noch in meinem eigenen Zimmer, aber ich habe auch ein paar andere Turniere gespielt, um Matchpraxis zu haben. Außerdem bin ich extra nach Halle in Westfalen gefahren, um dort mit Max Hopp zusammen zu spielen. Bei dem Turnier dort waren auch Michael van Gerwen, Mensur Suljovic oder Vincent van der Voort, alles sehr große Namen in diesem Sport. Für mich eine Gelegenheit, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es ist, gegen diese Leute zu spielen.  

Martin Schindler
Bild: imago/PA Images

Also Dartprofis, sonst Einzelsportler, treffen sich auch mal und trainieren zusammen?

Ja sicher, aber das Problem ist einfach, dass die sehr guten deutschen Spieler über ganz Deutschland verstreut sind. Am dichtesten von mir ist noch Max Hopp mit etwa drei Stunden Autofahrt. Aber wir beide haben auch ein Privatleben und sind sowieso schon an mehr Tage im Jahr unterwegs als zu Hause. Deswegen ist es gut, die anderen bei Turnieren oder auf der Tour zu treffen. Die meisten großen Profis erzählen von ihren Erfahrungen, auch weil ich sie danach frage, wie es zum Beispiel ist, in der Premiere League zu spielen. Ich kann von ihren Erfahrungen viel lernen, weil ich dann schon mal gehört habe, wie es dort abgeht.

Sie stapeln ganz schön tief. Würden Sie sich selbst noch nicht zu den Großen dazu zählen?

Nein, ich bin noch kein Top-10 oder Top-20-Spieler. Ich weiß, dass ich in der Lage bin, Weltklasse-Partien zu spielen, aber ich mache das noch nicht so am Stück wie die Top-Leute. Das ist der große Unterschied.  

Was fehlt Ihnen noch dazu?

Am meisten fehlt mir Zeit und Erfahrung, wirklich mit einer Selbstverständlichkeit ans Bord zu gehen und zu sagen, egal wer mein Gegner ist, ich werde ihn schlagen. Ich bin auch noch sehr jung für den Darts-Sport. Andere Profis spielen schon über zehn, 15 Jahre auf Profiebene und ich bin gerade im dritten Jahr Profi. Da kann ich mich selbst noch nicht so stark unter Druck setzen und erwarten, das alles auf Anhieb klappt und ich einer der besten der Welt werden muss. Ich muss mir selbst die Zeit geben und einen Schritt nach dem anderen machen.

Bei der Teams Darts-WM treten Sie wie in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Max Hopp für Deutschland an. Was ist das Besondere an dem Wettbewerb im Vergleich zu normalen Turnieren?

Es ist der World-Cup of Darts, wo man seine Nation repräsentiert, sein Vaterland; und das auch noch mit einem anderen Spieler zusammen. Das gibt es beim Darts sonst nicht, es ist ja ein Einzelsport. Das bleibt es in gewisser Art und Weise beim World-Cup auch, der Unterschied ist, dass man mit einem Partner spielt, auf den man sich verlassen muss. Gerade bei uns passt das gut, denn wir sind befreundet, verstehen uns sehr gut und das hat uns die letzten Jahre stark gemacht bei diesem Turnier. Unsere Stimmung, die wir jetzt zusammen da oben auf der Bühne haben, ist einfach genial, auch im Vergleich zu anderen Teams. Klar, die verstehen sich auch, aber nicht auf so eine besondere herzliche Art, wie bei uns, weil wir uns schon so lange kennen.

Macht die Freundschaft zwischen den Spielern wirklich etwas aus oder ist es beispielsweise bei den Niederländern so, dass der Weltranglistenerste Michael van Gerwen seinen Mitspieler mit seiner individuellen Klasse durchschleppt?

Ich denke Letzteres kann man schon immer in gewisser Weise sagen. Van Gerwens individuelle Klasse ist wirklich so hoch, dass er den anderen natürlich mit durchziehen kann, aber was man auch weiß: Wenn der andere jetzt nur Darter in die Eins wirft, wird dsa spätestens gegen die richtigen Top-Teams der Nationen ein riesengroßes Problem. Denn so gut kann van Gerwen gar nicht dauerhaft spielen, um so etwas zu kaschieren. Also sein Partner wird schon Leistung bringen müssen.

Nominell sind Sie die deutsche Nummer 2, nach Max Hopp. Sind in mancher Partie besser als er?

Ja, das kommt durchaus vor. Es kann auch vorkommen, dass ein anderer Spieler mal besser ist als Michael van Gerwen, die Nummer eins der Welt. Beim Darts entscheiden Millimeter. Man kann richtig gute Darts werfen und wirft trotzdem insgesamt immer nur sechzig Punkte mit allen drei Pfeilen anstatt eine 180. Der Grat zwischen einem guten und einem Weltklassespieler ist so schmal, dass man nicht unbedingt garantieren kann, wer jetzt besser sein wird. Wichtig ist, dass man zusammen als Team agiert, diese Spiele gut über die Bühne bringt und die wichtigen Legs (Durchgang, Anm. der Redaktion) ausmacht, um das Ding dann auch mitzunehmen.

Die deutschen Darts-Profis Max Hopp und Martin Schindler (Quelle: imago/Jan Huebner)Konzentrierte Blicke: Max Hopp und Martin Schindler

Sie sagen Darts ist ein Momentsport und zwischen Profissportlern und Hobbydartern ist ein schmaler Grat. Glauben Sie, dass das auch die Faszination am Darts-Sport ausmacht, der auch in Deutschland immer beliebter wird?

Definitiv, das spielt eine große Rolle. Die Menschen lieben den Underdog, den Außenseiter und den zu unterstützen gefällt ihnen, weil sich der Underdog im Darts-Sport auch mal wehrt. Natürlich strahlt jemand wie Michael van Gerwen mit seiner Präsenz und er spielt auch fast immer Weltklasse. Nur von zehn Spielen, die er macht, spielt er mal ein Spiel nicht absolute Weltklasse, und wenn er dann noch geschlagen wird, lieben die Leute das. Klar, das fasziniert.   

Und nun hoffen Sie, dieser Underdog zu sein? Zuletzt haben Sie immer das Vierteflinale erreicht. Was ist dieses Mal für das deutsche Team drin?

Wir fahren zum World-Cup hin, weil wir sagen, wir möchten dieses Ding gewinnen. Wir wissen natürlich, was wir können und Ungarn sollten wir schon in der ersten Runde schlagen. In der zweiten Runde müsste dann Belgien kommen. Das wird nicht einfach, die dann zu schlagen und sollte das denn passieren, wäre Schottland im Viertelfinale glaube ich unser Gegner, wenn ich mich jetzt nicht täusche mit dem Turnierbaum.

Ab Spiel 2 sind wir eigentlich der Underdog, allein schon von unseren Ranglistenpositionen her. Aber da Darts ja ein Momentsport ist, können wir uns das zu Gunsten machen, wenn wir genau in den richtigen Momenten die richtigen Scores werfen können. Dann bringen wir unsere Gegner in arge Probleme. Es ist ein sehr kurzes Format, deswegen haben wir durchaus reelle Chancen, weit zu kommen.

Wie funktioniert der Teamwettwettbewerb?

Im Teamwettbewerb wird in der ersten Runde ein Doppel gespielt mit dem Modus "Best of 9". Also wer zuerst fünf Legs hat, hat gewonnen. Wir müssen vorab angeben beim ausrichtenden PDC-Verband, wer anfängt in den Legs. Der fängt dann in jedem Leg auf‘s Neue an und dann wird immer abwechselnd geworfen.

Wer fängt bei Ihnen beiden an, Max Hopp oder Sie?

In den letzten Jahren hat eigentlich immer Max vorgelegt. Er hat die Darts 1 bis 3, ich spiele die Darts 4 bis 6, er spielt die Darts 7-9, im Idealfall ist dann das Leg schon vorbei. Sonst bin ich mit den Darts 9-12 dran.  

Ab dem Achtelfinale gibt es dann auch Einzel und Doppel. Dann spielt die deutsche Nummer 1 gegen die Nummer 1 des Gegners. Oder geht es über Kreuz?

Man sagt selbst für seine Nation, wer an 1 steht und wer an 2 steht. Das kann man vor jedem Spiel separat machen, also quasi taktisch überlegen, wie werden oder würden unsere Gegner jetzt aufstellen, wen stellen wir gegen wen, wer fühlt sich mit wem komfortabler als Gegner. Sollte es nach den Einzeln 1:1 stehen, wird dann noch ein Doppel gespielt. Spielmodus für all diese Einzel ist "Best of 7 Legs", d.h. wer zuerst vier Legs gewonnen hat, hat das Spiel gewonnen. Deswegen sage ich, das ist eine kurze Distanz. Sollte es nach Einzeln 2:0 oder 0:2 stehen, ist die Partie schon herum, dann wird kein Doppel mehr gespielt.

Da der Wettbewerb in Hamburg stattfindet: Werden ihre Eltern, Freunde, Verwandte beim Turnier dabei sein? Haben die sich angekündigt?

Leider nicht. Meine Eltern fahren in den Urlaub, meine Kumpels hängen alle in dem Studium. Das hat zeitlich nicht gepasst, aber es nicht schlimm, ich bin im Jahr so viele Tage unterwegs. Es ist zwar diese Team-WM, aber im Endeffekt ist es auch nur ein Turnier wie jedes andere. Wir spielen über 40, 50 Turniere oder Turnierwochenenden im Jahr. Da kann man jetzt nicht, nur weil es dieses eine besondere Turnier ist, wo man schon selbst sehr viel Druck auf sich spürt, weil man merkt, okay jetzt sind auch alle dabei, scheint ja doch um etwas zu gehen. Lieber gelassen und auf dem Boden bleiben und Einfachheit; und dann mal so ein Turnier allein machen, allein durchziehen. Mein Manager wird natürlich dabei sein, das reicht mir an mentaler Unterstützung schon aus. Mein Mentalcoach kommt vorbei, weil er das letzte Mal (in Frankfurt am Main) die Stimmung so genial fand. Und falls ich ein Anliegen habe, weil es ja alles neue Situationen für mich sind, die ich jetzt immer wieder erlebe. Da kann er mir natürlich auch immer wieder helfen. Ansonsten versuche ich jetzt kein so großes Ding daraus zu machen, obwohl ich schon weiß, dass es ein geniales Turnier ist: es macht Spaß, aber es ist natürlich auch ein Turnier wie jedes andere.

Es ist ein Turnier so wie jedes andere, aber trotzdem ist es so etwas wie der Davis-Cup beim Tennis, nur eben beim Darts. Welche Rolle spielt der Heimvorteil?

Eine wirklich große Rolle. Wir freuen uns immer, vor deutschem Publikum zu spielen. Teilweise übertreibt es das deutsche Publikum leider ein bisschen mit dem Gepfeife usw., aber das macht uns natürlich sehr sehr stark, weil wir natürlich merken, unsere Gegner fangen dann an, ein wenig zu wackeln. Das gehört schon ein wenig mit rein in den Sport, auch wenn es manches Mal sehr brutal ist, wenn man auf der Bühne steht und dieses Dröhnen von der Kulisse im Ohr hat, wenn der Gegner wirft. Aber man merkt dann auch, dass man dieses Geräusch ummünzen kann und sagt sich, "es ist vielleicht blöd für den Gegner, aber es ist für mich hervorragend", weil ich natürlich auch weiß, dass mein Gegner es dementsprechend schwer haben wird.  

Haben Sie eigentlich einen Gehörschutz oder bekommen Sie alles mit, Gesänge, Pfeifen Rufe?

Ich habe keinen Gehörschutz. Ich bin kein Freund davon, so etwas im Ohr zu tragen. Das ist ungewohnt für mich. Ich habe es ein paar Mal probiert, aber ich habe schon ein Problem, wenn ich Musik über Kopfhörer höre und dann Darts spielen muss. Ich brauche die Kulisse, dieses Geräusch, wenn der Pfeil das Board berührt, weil es sonst nicht das Darts spielen ist, wie ich es kenne. Es gehört für mich einfach dazu, auch Geräusche zu haben.

 

Die Partien des World-Team Cup werden von Donnerstag ab 19 Uhr bis Sonntag im Internet vom Bezahl-Sportkanal Dazn übertragen. 

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.06.2019 , 16:10 Uhr

Beitrag von Stefan Kunze

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