Olympische Spiele - Radprofi Roger Kluge will trotz Sturz in Tokio Vollgas geben

Roger Kluge
Audio: Antenne Brandenburg | 21.07.2021 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/rbb

Radsportler Roger Kluge ist hart im Nehmen: Bei der Tour de France ist er noch gestürzt, musste aufgeben. Jetzt bereitet er sich unter Schmerzen in Frankfurt (Oder) auf seine Olympia-Teilnahme vor. Von Marie Stumpf

Am Freitag starten die Olympischen Spiele in der japanischen Hauptstadt Tokio. Es sind auf der anderen Seite der Welt auch zahlreiche Spitzensportler aus Brandenburg mit von der Partie. Auch Bahnrad-Spezialist Roger Kluge wird die Reise in den Fernen Osten antreten. Hierfür hat er gerade grünes Licht gegeben. Zuletzt musste er die Tour de France nach einem heftigen Sturz abbrechen, um sich in der Berliner Charité behandeln zu lassen.

Eigenen Angaben zufolge zog sich Kluge neben zahlreichen Schürfwunden auch eine Rückenverletzung zu. Knapp zwei Wochen später sitzt er wieder auf dem Rad und will nach Tokio, um in der zweiten Woche der Olympischen Spiele in die Bahn-Radrennen eingreifen zu können.

Kluge holt trotz Schmerzen für Olympia alles aus sich raus

Mit knapp 50 Stundenkilometern jagt Roger Kluge jetzt im Frankfurter Trainingscamp auf dem Rad über die Bahn. In der Spitze tritt er 70. Doch nach seinem Sturz in Frankreich muss er es sehr viel ruhiger angehen lassen. "Die Wunden stören erstmal nicht. Das ist schonmal ein gutes Zeichen. Die Haut bildet sich erst noch drüber, ist noch nicht so strapazierfähig, aber nicht einschränkend", lautet sein Fazit nach einer Trainingseinheit. Aber er merke, dass die Bewegungsfähigkeit noch nicht ganz hundertprozentig da sei. Deswegen trainiere er weiter und werde mit Theo am Freitag einen Wechsel vornehmen.

Trotz Handicap Vollgas geben und schauen, wofür es reicht

Theo Reinhardt ist Kluges Bahnrad-Partner. Zusammen wollten sie im Zweier-Mannschaftsfahren bei Olympia Gold holen. Sie galten bis Kluges Sturz bei der Tour als aussichtsreiches Duo in Tokio. Auch wenn die Situation jetzt alles andere als gut ist, wollen Reinhardt und Kluge in Japan antreten und ihr Möglichstes tun. Trainer Sven Meyer unterstützt das Duo nach Leibeskräften. "Dass er dort Fahren wird, steht nicht zur Debatte. Der Start ist 100 Prozent sicher. Jetzt muss man mit den Verletzungen erstmal gucken, wie sich das auf die Form auswirkt", unterstreicht Meyer. Er müsse in Tokio Vollgas geben.

Nach dem Sturz hatte er höllische Schmerzen

Kluge selbst zeigt sich hochmotiviert. Seine Verletzungen heilen - für ihn kaum zu glauben, wenn er sich an seinen Sturz vor knapp zwei Wochen zurückerinnert. "Ich habe gebremst, hab' gesehen, dass alle vor mir auch bremsen. Bei einem Fahrer blockiert das Hinterrad. Er kommt ins Schlittern. Ich bleibe an seinem Hinterrad hängen, fall' auf die rechte Seite und rutsche relativ lange auf dem losen Asphalt", erklärt er. In der Folge seien zwei, drei weitere Fahrer in ihn hineingeschlittert. Er habe sofort höllische Schmerzen gehabt. "Ich wusste gleich, bei den Steinen und dem Rücken, dass das nicht gut aussieht."

Kluge will in Tokio dennoch alles geben

Durch die Nachsorge in der Berliner Charité blickt er aber nun deutlich optimistischer nach vorne. Genau eine Woche hat er noch Zeit, um sich auf Olympia vorzubereiten, dann bricht er nach Tokio auf. In dieser Zeit muss er sich noch von der Straße auf die Bahn umstellen. "Unter diesen Vorzeichen ist es natürlich schwer, in Bestform in Japan aufzutreten. Ich werde aber nicht weit weg davon sein", unterstreicht er. Die 13 Tage bei der Tour de France hätten ihm aber ein gutes Grundlevel gegeben. Er könne aktuell aber nicht so viel trainieren, wie er eigentlich möchte. "Ich werden am Ende sehen, wofür es reicht", sagt der Radprofi.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne - Am Nachmittag, 21.07.2021, 14:40 Uhr

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