50 Jahre "Vorwärts" - Frankfurter DDR-Kicker feiern ihren Verein und alte Erfolge

Mannschaftsbild Vorwärts Frankfurt/Oder mit Torwart Wienhold, Probst, Frieder Andrich, Gerd Schuth, Geyer, Jarmuskiewicz, Krautzik, Enzmann, Gramenz, Krautzig und Otto beim UEFA Cup Europapokal gegen den VfB Stuttgart. (Quelle: imago images)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.08.2021 | Robert Schwaß | Bild: imago images

In den 1960er-Jahren prägte der Verein Vorwärts Berlin den DDR-Fußball. 1971 wurde er überraschend nach Frankfurt verschoben, wo die Erfolge ausblieben. Zum Jubiläum kommen Vorwärts-Fußballer wieder zusammen. Von Robert Schwaß

Am 14. August 1971 begann die Frankfurter Epoche des FC Vorwärts. Zum Premierenspiel im Stadion der Freundschaft konnte der FCV vor 16.000 Zuschauern mit 5:4 gegen das bulgarische Team Tscherno More Warna gewinnen. Ein Kuriosum ereignete sich bereits zum Anpfiff: Ein Fallschirmspringer sollte punktgenau im Mittelkreis landen und den Spielball überreichen. Doch weil die genauen Windverhältnisse noch erprobt werden mussten, kam es zu einer halbstündigen Verzögerung.

Überaschende Delegierung aus Berlin nach Frankfurt

Das Vorwärts von nun ab überhaupt in Frankfurt (Oder) spielte und nicht mehr in Berlin, kam für Fans und Spieler unerwartet. In den 60er Jahren dominierte der Armee-Sportklub gemeinsam mit Carl-Zeiss Jena den DDR-Fußball und gewann sechs Mal die Oberliga.

Die genauen Gründe für den Umzug sind bis heute nicht vollständig geklärt. Laut des Vier-Mächte-Status durften Truppenteile, zu denen auch Armee-Sportler gehörten, nicht in Ostberlin stationiert sein, ausgenommen von Grenzsoldaten, lautete eine Begründung. Andere vermuten politische Machtspiele. Einige, wie Ex-Vorwärts-Fußballer Jürgen Nöldner glauben, dass Stasi-Chef Erich Mielke, seinerseits Fan des BFC Dynamo, seinen größten Fußball-Konkurrenten damals loswerden wollte.

Archivbild: Der ASK Vorwärts Berlin am 02.06.1965. Stehend (v.l.): Peter Kalinke, Gerhard Körner, Jürgen Nöldner, Jürgen Großheim, Otto Fräßdorf, Gerhard Vogt und Trainer Günter Lammich; Kniend (v.l.): Werner Unger, Dieter Krampe, Gerhard Weiß, Horst Begerad, Jürgen Piepenburg. (Bild: dpa/Studre)Der ASK Vorwärts Berlin im Juni 1965.

Mit dem Umzug aus der DDR-Hauptstadt ins kleinere Frankfurt konnten sich anfangs nicht alle Vorwärts-Spieler anfreunden. "Von den Berlinern hatte keiner aus der Mannschaft ein Mitspracherecht", weiß Gerd Schuth aus Erzählungen. Der gelernte Verteidiger stieß erst 1972 zu Vorwärts Frankfurt. Mit 218 Oberligaspielen im rot-gelben Trikot prägte er die Frankfurter Ära entscheidend mit.

Europa-Cup-Abende im Stadion der Freundschaft

Immerhin zwei Mal erreichte Vorwärts Frankfurt das FDGB-Pokalfinale, 1983 wurde der Verein Vizemeister. Die beste Platzierung der Frankfurter Zeit. Gerd Schuth erinnert sich vor allem an die internationalen Spiele zurück. Beim sensationellen 2:1 Heimsieg im UEFA-Pokal gegen Juventus Turin, 1974, erzielte er das Führungstor. "Die Spiele waren ausverkauft, es mussten sogar noch zusätzlich Tribünen aufgebaut werden, dass 20.000 Leute reinpassen", so der heute 72-Jährige. Der Fußball gab Schuth die Möglichkeit, trotz Eisernen Vorhanges die Welt zu bereisen. "Wir haben auswärts in Syrien oder im Irak gespielt, das war ziemlich beeindruckend."

Seit März plant Schuth das Treffen zum 50-jährigen Jubiläum von Vorwärts in Frankfurt. Über 30 Ex-Spieler haben zugesagt, darunter FCV-Legenden wie Horst Wruck und Frieder Andrich. Andere können wegen gesundheitlicher Probleme nicht kommen, bedauert Schuth. Beim Jubiläumstreffen im Stadion der Freundschaft sind auch einige Fans mit dabei. Thomas Fröhlich, Stadiongänger seit 1977, freut sich auf den Austausch mit den ehemaligen Spielern. "Mich interessiert, was sie auf den Reisen während der Auswärtsspiele in ganz Europa erlebt haben", sagt Fröhlich, der bis heute ins Stadion geht. Gemeinsam werden Fans und Spieler die besten Szenen aus DDR-Oberligazeiten auf Video anschauen.

Von Vorwärts zum 1. FC Frankfurt

Nach der politischen Wende musste sich der einstige Armee-Sportklub mehrmals umbenennen und fusionieren. Inzwischen spielt der Klub als 1. FC Frankfurt in der sechstklassigen Brandenburgliga. Über das Wegfallen des Namen "Vorwärts" waren die ehemaligen Spieler anfangs verärgert, erzählt Schuth. Inzwischen sei das Verhältnis zum Klub aber wieder gut, betont er. Eine Vitrine und Tafel erinnert im Stadion der Freundschaft an die alten Zeiten.

Während die Vorwärts-Oldies in der Arena feiern, muss der 1. FC Frankfurt zum Saisonauftakt parallel auswärts beim FSV Bernau antreten. Der Verein setzt vor allem auf den eigenen Nachwuchs und peilt den Aufstieg in die Oberliga an.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.08.2021, 16:10 Uhr

Beitrag von Robert Schwaß

3 Kommentare

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  1. 3.

    Dem FC Vorwärts hatte der Umzug nach Frankfurt (Oder)sportlich nicht wirklich gut getan. Als Fan habe ich im Frankfurter Stadion der Freundschaft oft mitgefiebert, aber die großen Erfolge blieben aus. Das nur NVA-Angehörige als Spieler zugelassen waren, schränkte die Talenteauswahl ziemlich ein. Das war sicherlich auch nicht Erfolgsfördernd. Nach der Wende haben die Frankfurter Nachwendepolitiker dem FC Vorwärts nicht sonderlich positiv gegenüber gestanden und wohl eher als sportpolitische Altlast angesehen. Das haben wir Fans denen damals sehr übel genommen. Bis heute nach 30 Jahren streubt man sich den Namen "Vorwärts" zu verwenden. Man schmückt sich zwar mit der erfolgreichen Sportgeschichte des FC Vorwärts, aber mehr ist da auch nicht mehr beim 1.FC Frankfurt (Oder)drin. Tradition sollte gelebt werden und nicht nur in der Homepage stehen.

  2. 2.

    Ich war FCV Fan bevor ich Unioner wurde. Mir war nicht klar, dass der Umzug nach Frankfurt einen faden Beigeschmack hatte. Heute bin ich froh darüber, weil ich so zu Union gekommen bin. Das habe ich nie bereut. Ich muss aber auch klar sagen, Vorwärts in Berlin, das war top.

  3. 1.

    Ja,bei Herrn Mielke galt auch das Zitat von Christian Morgenstern,dass nicht sein kann was nicht sein darf. Der BFC Dynamo musste immer der DDR-Meister im Fußball sein.

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