Kontrolle in Frankfurt-Markendorf
Audio: Antenne Brandenburg | 28.06.2018 | Autorin: Elke Baader | Bild: rbb/Markus Woller

Ab 1. Juli auch auf Bundesstraßen - Kleinunternehmer kritisieren Ausweitung der Lkw-Maut

Ab Sonntag werden für Lkw auch auf Bundesstraßen Maut-Gebühren entrichtet. Das beunruhigt Brandenburger Kleinunternehmer, die bisher noch keine Maut bezahlen mussten. Die IHK Frankfurt befürchtet Preissteigerungen für Verbraucher. Von Elke Baader  

Ab 1. Juli wird die Maut für Lkw ab 7,5 Tonnen auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. Der Bund erhofft sich davon Mehreinnahmen in Höhe von zwei Milliarden Euro. Auch auf zahlreiche Unternehmen in Brandenburg kommen damit höhere Kosten zu. Alle Güter, die hauptsächlich mit dem Lkw über Bundesstraßen transportiert werden, könnten bald teurer werden. Ob nun Obst und Gemüse, Getränke oder Müll: Die neue Maut wird wohl zu Preissteigerungen oder höheren Müllgebühren führen, sagt Robert Radzimanowski von der IHK Frankfurt.

"Bei Preisen von 8 bis 22 Cent pro Kilometer kommen erhebliche Kosten zustande", sagte Radzimanowski. "Denken Sie an die Abfallentsorger, die jeden Tag mit vielen Fahrzeugen unterwegs sind, das werden erhebliche Mehrkosten sein, die am Ende auch umgelegt werden müssen." 

Umgelegt auf die Verbraucher

Die Frankfurter Spedition Transport Pack und Logistik GmbH fährt Getränke vom Frankfurter Brauhaus oder Gemüse der Markendorfer Obstbauern aus. Michael Lange vom Transportunternehmen kündigte bereits Ende Juni höhere Transportkosten an.

"Vor allem bei den Touren, die regional sind, für die Berlin-Versorgung, da muss die Maut umgelegt werden. Pro Kilometer kommen 15 Cent dazu", sagt Lange. "Wenn man überlegt, dass so ein Fahrzeug im Regionalverkehr vielleicht 50.000 bis 60.000 Kilometer fährt, kommt schon eine Summe zusammen."  

Kleine Unternehmen müssen erst noch umstellen

Spediteur Michael Lange hat seine Fahrzeuge schon seit der Autobahnmaut umgestellt. Andere kleinere Unternehmen müssen dies noch tun, sagt Robert Radzimanowski von der IHK.

"Großwäschereien, Baustoffhändler, die mit der Maut noch nicht vertraut sind, die die Geräte noch nicht eingebaut haben, für die führt das zu einem deutlichen Mehraufwand und mehr Kosten, die dann an die Kunden weitergegeben werden." Und: Ein Ende der Preissteigerung ist nicht abzusehen, da der Bund bereits angekündigt hat, die Maut im Januar 2019 zu erhöhen.  

Bürgerinitiative fordert Durchfahrverbot für Lkw

Aber auch in einigen Gemeinden sieht man die neue Maut-Gebühr mit Skepsis: In Letschin (Märkisch-Oderland) befürchtet man, dass der Lkw-Verkehr Umwege über kommunale Straßen nimmt. Die Bürgerinitiative Gesund leben am Stienitzsee aus Hennickendorf (Märkisch-Oderland) forderte gar ein Durchfahrverbot durch Wohngebiete für Lkw ab 7,5 Tonnen. Sie befürchten, dass nun unzählige und viel zu große Lkw über Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen mitten durch die Wohngebiete rollen und dabei die Straßen zerstören könnten. "Die Anwohner, die dicht an solchen Straßen wohnen, sollen den zunehmenden Lärm, Erschütterungen, dreckigere Luft und die Zerstörung der Infrastruktur durch schwere Lkw in noch stärkerem Maße als bisher hinnehmen", schreibt der Verein.

Ein Vorwurf, den Spediteur Lange nicht nachvollziehen kann. Seine Lkw könnten es sich gar nicht leisten, zeitlich aufwändige Umwege zu fahren, nur um möglicherweise ein paar Cent zu sparen.

Infos zur Maut

  • Die Lkw-Maut in Deutschland wurde im Jahr 2005 eingeführt.
  • Sie ist eine streckenbezogene Straßenbenutzungsgebühr für schwere Nutzfahrzeuge.
  • 2016 hat die Bundesregierung den von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgelegten Gesetzentwurf zur Maut-Ausweitung beschlossen.
  • Die Mautgebühren sollen zusätzlich Einnahmen in Höhe von bis zu zwei Milliarden Euro bringen.

Beitrag von Elke Baader

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

9 Kommentare

  1. 9.

    Es sind immer noch nur Bundesstraßen mautpflichtig...nun fahren alle LKW fein auf den kleineren Landesstraßen und Kreisstraßen durch die Dörfer,unrerträglich!!!! und sicher haben die Damen und Herren Spediteure dafür Zeit,diese Umwege zu fahren,sobald auch nur ein Hauch gespart werden kann, das errechnet die Software doch sofort und der Fahrer wird dann sofort angewiesen,genau dort langzufahren.Ich erlebe es vor meiner haustür jeden tag..über 10000 Fahrzeuge am Tag,das hat seit Juli immens zugenommen,noch mehr LKW als vorher schon,die sich die A12 sparen...danke liebe unfähige Politik!!!

  2. 8.

    Und was ist mit den ganzen klein Transportern? Drei kleine sind auch ein großer. Kein sonntags Fahrverbot,keine Fahrerkarte,keine Maut.Wo bleibt da die Wettbewerbs Fähigkeit.Die Großen werden wieder mal bestraft die kleinen lässt Mann laufen.

  3. 7.

    Hatte ich noch vergessen, das Bild zum Artikel sagt doch alles wenn man nur die abgebildeten Fahrzeuge sieht!

    Trotzdem allen noch einen schönen Sonntagnachmittag.

  4. 6.

    Ich hatte das zwar schon einmal gepostet ,aber der Artikel war dann weg.
    Also nochmal den kleinen Reim vom Chef.

    Die Maut für unsre LKW
    tut meinem Portemonnaie nicht weh
    Das Geld dafür das ist doch Klasse
    Zahlt ihr beim Einkauf an der Kasse

    Die Maut auf Autobahnen und bestimmten Ausweichbundesstrassen war ja noch zu verstehen.
    Es betraf den Fern-und Tansitverkehr.
    Jetzt betrifft es zusätzlich den Ver-und entsorgungsbereich (ohne Müllwagen ),Baustellen,Tankstellen usw.usw.
    Also alles was zum Leben gebraucht wird.
    Wer dann sagt es seien keine Preiserhöhungen zu befürchten der lebt im Wolkenkuckucksheim.
    Bei den,durch die Liberalisierung gesunkenen Margen, ist es gar nicht anders möglich als die Maut an den Auftraggeber
    weiterzugeben. Dieser wird dann natürlich die Mehrkosten ebenfalls weiterreichen bis es eben an der Ladenkasse angekommen ist. Und das wird dann eben alle Lebensbereiche betreffen.Somit bezahlen alle in Deutschland lebenden Menschen die Zeche.

  5. 5.

    Blödsinn!!!
    @Seine Lkw könnten es sich gar nicht leisten, zeitlich aufwändige Umwege zu fahren, nur um möglicherweise ein paar Cent zu sparen.
    So sehe ich das auch, man muß nur mal nachrechnen!!!

  6. 4.

    Das mit dem Durchfahrverbot durch Wohngebiete für Lkw ab 7,5 Tonnen ist doch durchaus unterstützenswert. Man muss halt Ausnahmen für den Anlieferungsverkehr machen. Das ist klar. Aber ansonsten kann man so ein Verbot einführen.

  7. 3.

    Das kam nach einigen Jahren Vorlauf und Ankündigung dann doch alles wieder sehr überraschend. Da kann man als Unternehmer schon etwas überfordert sein. Hoffentlich haben die sich schon mit Sozialvorschriften, Mindestlohn, Arbeitszeiten, Arbeitsschutz, Gewerbesteuern, Anmeldungen usw. vertraut gemacht. Oder mit dieser mysteriösen Fahrerkarte und dass alle betreffenden Fahrer einen Führerschein benötigen. Auch noch einen mit 95 drauf... und der muss auch noch gültig sein!
    Ich hätte da noch einen Vorschlag, mit dem man sich langsam mal vertraut machen könnte: Unternehmerpflicht und -verantwortung.
    Statt sich über ganz normale Dinge zu beschweren, könnte die IHK ihre Pflichtmitglieder vielleicht auch mal beraten und aufklären.

  8. 2.

    endlich werden dann die Kreisstrassen mehr befahren
    und die Orte bekommen wieder mal Laster zu sehen---

  9. 1.

    Dieser Artikel ist leider sehr einseitig geschrieben. Die Erweiterung der Mautstraßen kam ja nur deshalb zustande, weil viele Unternehmen statt der Autobahnen Landstraßen inklusive der Ortsdurchfahrungen genutzt haben. Neben einer erhöhten Belastung durch Lärm und Abgase bedeutete dies auch eine höhere Abnutzung der betreffenden Straßen. Kosten für Instandsetzungen werden ebenfalls auf Steuerzahler und Anwohner umgelegt.
    Wenn man also im Artikel rein von Preiserhöhungen durch die Mauterweiterung spricht, muss man der Fairness halber - oder um Objektivität zu bescheinigen - erläutern, wie es dazu kam und welche Belastungen dazu geführt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Aus Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 18. Dezember 2018

+++ Nussknackerausstellung an der Viadrina +++ Fröbel-Kita Frankfurt wartet auf Gelder für mehr Erzieher +++ Innovative Bio-Fasern aus Schwedt +++ Polnisches Weihnachtssingen für gute Nachbarschaft im Frankfurter Kleistforum +++ Post spurlos verschwunden +++

Aus Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 17. Dezember 2018

+++ Beeskower hat neuen Angelführer herausgegeben +++ Antenne-Weihnachtsschätze: Kaffee aus Erkner +++ Deutsch-Polnisches Frauenfußballturnier in Eisenhüttenstadt +++ Polen ist Spitzenreiter - es hat über 800 Weihnachtslieder +++ Weihnachtsessen für Bedürftige in Eberswalde +++ ARD-Weihnachtsfilm für das kommende Jahr wurde auch in Zossen und Strausberg gedreht +++