Illustration: Die Schweinepest in Polen. (Quelle: rbb24/Winkler)
Audio: Antenne Brandenburg | 30.07.2018 | Autorin: Magdalena Schwabe | Bild: rbb24/Winkler

Schweinepest in Ost-Polen - Polen will Wildschweinbestände auf Null reduzieren

Die Schweinepest breitet sich im Osten Polens aus. Für Menschen ist das Virus nicht gefährlich, für Schweine aber umso mehr. Der Austausch von Schwarzwild über die deutsch-polnische Grenze wird streng beobachtet. Von Magdalena Schwabe

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) taucht im Nordosten Polens schon seit vier Jahren auf. Dort versucht man, die Seuche mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen. Keulungstrupps töten betroffene Schweine, isolieren Tiere und desinfizieren die Stallzugänge. Denn das Virus, das für Menschen ungefährlich ist, ist für Haus- und Wildschweine hoch ansteckend und breitet sich rasch aus.  

Vor allem die Kleinbauern trifft es hart: Einige von ihnen haben ganze Tierbestände verloren und damit ihre Existenz-Grundlage. Polen war innerhalb der EU nach Litauen als zweites Land von der Seuche betroffen, Fälle von ASP tauchen seit 2014 im Nordosten auf, bis Anfang dieses Jahres gab es allerdings kaum Fälle bei Hausschweinen.

Illustration: Ausbruchszahlen der afrikanischen Schweinepest in der EU im Februar und Juli 2018. (Quelle: rbb24/Caroline Winkler)
Visualisierung der Ausbruchszahlen der Afrikanischen Schweinepest im Baltikum, Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien im Februar und Juli 2018. | Bild: rbb24/Caroline Winkler

Behörde überprüft jedes tote Wildschwein

Direkt an der deutsch-polnischen Grenze ist die Schweinepest noch nicht aufgetreten. Doch das polnische Forstamt ist alarmiert. Denn das Virus wird vor allem durch Wildschweine übertragen, und dieses Jahr gibt es massenhaft Frischlinge. Marcin Luczak aus Gryfino in Westpommern beobachtet aus seinem Fenster des Forstamtes, wie Wildschweine über die Oder an die deutsche Uferseite schwimmen.

"Unsere Aufgabe ist es, die Lage ständig im Blick zu haben", sagt Luczak. In Polen gehören 80 Prozent der Wälder dem Staat. "Daher arbeiten wir als Forstverwaltung gut mit den Jägern zusammen. Wir sind dabei, die Bestände praktisch auf Null zu reduzieren", sagt er. "Jeder einzelne Fall von tot aufgefundenen Wildschweinen wird geprüft."

Jäger erhöhen Abschüsse

Wie in Polen werden auch die Jäger in Brandenburg aufgefordert, die Zahl der Abschüsse zu erhöhen. Doch für Jäger Erimar von der Osten aus Blumberg ist das kein Weg aus der Krise. "Wir versuchen seit vielen Jahren, den Bestand zu dezimieren", sagt er. "Allerdings ist die Schwarzwildpopulation stark angewachsen. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass wir viel Futtermittelanbau haben."  

Infektion durch weggeworfene Lebensmittel

Der größte Risikofaktor ist aber der Mensch. Vor allem auf uneingezäunten Rastplätzen können sich Wildschweine über weggeworfene Fleischreste infizieren, sagt Doktor Achim Wendlandt, Amtstierarzt des Landkreises Uckermark. Strenge Hygienemaßnahmen helfen, die Ausbreitung zu verhindern.

"Ein Restrisiko besteht auf alle Fälle", sagt er. "Wir sind auch ein Durchfahrland, gerade hier in Brandenburg. Wir haben die A11, wir haben die A12, wo intensiver Reiseverkehr ist, aber auch Lkw-Verkehr. Und die Fahrer nehmen oft entsprechend billige Lebensmittel mit." Über den Müllbehältern an Rastplätzen hängen daher mehrsprachige Warnhinweise.

Beitrag von Magdalena Schwabe

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

8 Kommentare

  1. 8.

    Ich freue mich schon auf die Schweinepest, kann der Staat wieder die Preise anziehen. Alles hausgemacht.

  2. 7.

    Ich hab ja auch geschrieben, "nicht ernst gemeint", dennoch finde ich die Methode der Polnischen Regierung erschreckend. Es gilt, landesweit eine Spezies auszurotten, weil man die Ausbreitung des Virus nicht in den Griff gekommt. Auch wenn alle Wildschweine getötet werden sollten, wird das Virus nicht aus Polen verschwinden, solange weiter Speisereste illegal entsorgt werden. Das Wildschwein leidet selber an dem Virus und ist zudem der Übeträger an die Hausschweine, weil der Mensch sich nicht an die hygienischen Vorschriften hält. Neue ASP-Gebiete liegen hunderte Kilometer von bisherigen entfernt, sodaß eine Ansteckung unter Wildschweinen als Ursache eher unwahrscheinlich ist. Wissenschaftliche Untersuchungen haben meist an Wild verfütterte, virushaltige Lebensmittel als Quelle identifiert, siehe z.B.: https://www.tierseucheninfo.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/afrikanische_schweinepest/afrikanische-schweinepest-21709.html

  3. 6.

    Ja, Magdalena Schwabe ist die Autorin des Textes und des Hörfunk-Beitrags. Sie hat ihn nur nicht selbst eingesprochen.

  4. 5.

    Der Sprecher ist ein Mann, also kommt der Bericht nicht von Magdalena Schwabe??

  5. 3.

    „wider besseren Wissens“ – So so. Würden Sie mich bitte an Ihrem „besseren Wissen“ teilhaben lassen? Haben Sie sich über die Ausbreitungsvektoren der Afrikanischen Schweinepest informiert; wissen Sie über die Vermehrung von Wildschweinen Bescheid; haben Sie Belege, dass es Jägern um das Tierwohl geht? Oder wollen Sie – Ihrem Forennamen entsprechend – bloß ein bisschen trollen und über Umweltschutz ablästern?

  6. 2.

    Bei der nächsten Vogelgrippe am besten auch die Wildvogelbestände auf Null reduzieren. Was gibt's noch für Tiere, die uns schaden könnten? (Nicht ernst gemeint, aber bei den Praktiken in unserem Nachbarland durchaus vorstellbar...)

  7. 1.

    Sicher haben sie in Polen nicht die Probleme mit denen, die, wider besseren Wissens, sich schützend vor die Wildschweine werfen. Hier in Deutschland wäre das Geschrei der Umweltschützer unüberhörbar und militante Tierschützer würden Hochstände vermehrt zerstören.

Das könnte Sie auch interessieren

Aus Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 17. Dezember 2018

+++ Beeskower hat neuen Angelführer herausgegeben +++ Antenne-Weihnachtsschätze: Kaffee aus Erkner +++ Deutsch-Polnisches Frauenfußballturnier in Eisenhüttenstadt +++ Polen ist Spitzenreiter - es hat über 800 Weihnachtslieder +++ Weihnachtsessen für Bedürftige in Eberswalde +++ ARD-Weihnachtsfilm für das kommende Jahr wurde auch in Zossen und Strausberg gedreht +++

Aus Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 14. Dezember 2018

+++ Polnische Spuren in Deutschland +++ Tafeln sammeln vor Weihnachten +++ Heimatjournal aus Frankfurt (Oder) +++ Weihnachtsmärkte in Templin und Fürstenwalde eröffnet +++ Kein Bock auf Zuzug: Gemeinden in Märkisch-Oderland - Landrat Gernot Schmidt im Interview +++ Ist den Ostbrandenburgern schon nach Weihnachten?+++