Die twitternde Kiefer bei Eberswalde
rbb/Katja Geulen
Audio: Antenne Brandenburg | 16.08.2018 | Autorin: Dilan Polat | Bild: rbb/Katja Geulen

Kiefern im Klimawandel - Drohnen und Twitter für die Waldgesundheit

Über 230 Mal hat es in Brandenburgs Wäldern diesen Sommer gebrannt. Die Dürre macht Bäume außerdem anfällig für Schädlinge, extreme Wetterlagen setzten geschwächten Bäumen zu. Forscher kümmern sich daher intensiv um die Kiefern. Von Dilan Polat  

Brandenburger Förster sind wöchentlich auf Kontrollvisite. Dabei prüfen sie, wie viele Schädlinge wie der Nonnenfalter in die über 1.000 Lockstoff-Fallen im Land getappt sind. Rund 130 Schädlinge sind ihnen gerade in die Fallen getappt - innerhalb von nur zwei Tagen. Ist ein bestimmter Grenzwert erreicht, müssen per Hubschrauber Insektizide gespritzt werden.

Durch die Hitze finden die wärmeliebenden Insekten unter der Rinde einen perfekten Ort, um ihre Eier abzulegen, sagt Dr. Katrin Möller vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde. "Wir haben es in diesem Jahr auch das erste Mal, dass sie aus ihrem langjährigen Rhytmus ausgebrochen sind", sagt Möller. "Sie kommen dann plötzlich schon nach vier oder fünf Jahren wieder in Mengen, bei denen wir über Insektizid-Einsätze nachdenken müssen."

Mischung statt Monokultur

Angefressen, abwehrschwach, abgestorben – das ist das Schicksal der Kiefer, wenn sich mit der Wärme auch die Schädlinge vermehren. Doch nicht nur die Insekten sind das Problem, sagt Katrin Möller. "Wir haben wirklich viel mehr Probleme mit Schadinsekten, mit Dürreschäden, mit komplexen Schäden wie Hagel, Spätfrösten oder plötzlichen Starkregen und dann keinem Regen mehr", sagt sie.

Deswegen wird seit den 90ern der märkische Wald umgebaut. Statt Monokultur heißt es jetzt: Mischung. So kommen Gegenspieler zu den Schadinsekten mit ins Spiel. Doch reicht das als Reaktion auf den Klimawandel?  

Digitale Technologien im Nadelwald

Auf dem Versuchsgelände des Thünen-Instituts bei Eberswalde zeigt Dr. Jürgen Müller verschiedene digitale Technologien, mit denen auf die veränderten Zustände reagiert werden soll. "Die Wissenschaft hat Forschung zu betreiben für Gefahrenfelder, die speziell beim Wald auf uns warten", meint er. "Und wenn wir die Gefahren erkannt haben, müssen wir Monitoring- und Überwachungssysteme haben, die uns mitteilen, wie sich Zustand und Gesundheit des Waldes verändern."

Das prominenteste Beispiel: die twitternde Kiefer. Verkabelte Kiefern geben allen Forstfreunden Auskunft, wieviel sie täglich trinken und wieviel sie dadurch wachsen. Waldbrandsensoren sollen die Brandgefahr in Zukunft frühzeitig erkennen. Sie schlagen an, noch bevor etwa Kameras des Firewatching-Systems Rauchwolken erfassen. Mit Dronen wollen die Wissenschaftler den Schädlingsbefall auf Baumkronen überwachen. Wald 2.0 also - und lukrative Geschäftsfelder für die Forstwirtschaft, wenn der märkische Wald kein Auslaufmodell werden soll.

Beitrag von Dilan Polat

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

AB AN kompakt FFO 012420
rbb Studio Frankfurt (Oder)

Aus Frankfurt (Oder) für Ostbrandenburg - 24. Januar 2020

+++ Waldsiedlung Wandlitz vor 30 Jahren +++ Auf der Suche nach dem richtigen Lehrling in Fürstenwalde +++ neues Stadtarchiv in Frankfurt (Oder) +++ Demo gegen Altersarmut in Eberswalde +++ Das Tesla-Info-Büro in Grünheide: Was passiert da? +++ Kommentar: Tesla schadet sich selbst +++