Archivbild: Ein Mitarbeiter des Astronergy-Konzerns bei der Solar-Modul Herstellung. (Quelle: dpa/Pleul)
Video: Brandenburg Aktuell | 11.01.2019 | Michael Lietz | Bild: dpa/Pleul

Mehr als 200 Arbeitsplätze betroffen - Astronergy schließt seine Solarmodul-Fertigung in Frankfurt

Die Krise beim Solarmodul-Unternehmen Astronergy dauerte schon geraume Zeit an. Nun ziehen die chinesischen Eigner die Reißleine - die Fertigung in der Oderstadt wird dicht gemacht. Oberbürgermeister René Wilke sieht darin einen Rückschlag für die Region.

Astronergy will am Standort Frankfurt (Oder) die Fertigung von Solarmodulen einstellen. Das teilte das Unternehmen am Freitag nach einer Sitzung mit dem Betriebsrat mit.

Damit sollen voraussichtlich 200 von 230 Arbeitsplätzen wegfallen. Frankfurt soll sich dann mit nur einem kleinen Teil der jetzigen Belegschaft in Zukunft auf Marketing, Vertrieb und Kundenbetreuung konzentrieren.

Die schwierige Situation der Solarbranche sei nicht neu, sagte Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Linke), der bei der Sitzung zugegen war, am Freitagabend im rbb: "Wir beobachten die Lage schon einige Monate mit Besorgnis und wissen, dass die Produktion schon seit vielen Monaten und Jahren rote Zahlen schreibt." Man werde jetzt versuchen, den betroffenen Mitarbeitern so schnell wie möglich zu helfen.

Archivbild: Ein Astronergy Mitarbeiter. (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Nach Angaben des Unternehmens hatte sich die Auftragslage in den vergangenen Monaten so stark verschlechtert, dass der Produktionsstandort nicht mehr zu halten sei. Mit den Konkurrenzprodukten aus Asien könne preislich nicht mitgehalten werden. Nach dem Ende der Produktion will sich die Firma auf den Vertrieb chinesischer Produkte auf dem europäischen Markt konzentrieren.

Chinesen brauchen die Fertigung in Deutschland nicht mehr

Astronergy gehört zum chinesischen Chint-Konzern. In den vergangenen vier Monaten gab es bereits Kurzarbeit, die zum Jahresanfang beendet wurde. Grund dafür war der Wegfall der Einfuhrzölle für chinesische Solarprodukte. Das hatte zu einem Preisverfall auf dem deutschen Markt geführt.

Für den chinesischen Mutterkonzern ist das Werk eigentlich verzichtbar. Astronergy hatte das insolvente Werk im Jahr 2013 vom in Hamburg sitzenden Solarunternehmen Conergy übernommen.

Conergy hatte seine eigene Solarpanel-Fertigung eingestellt und sich auf deren Vertrieb und den Bau von Groß-Solaranlagen konzentriert. Die Chinesen hatten für die Übernahme damals zwei Gründe: Zum einen wollte das Unternehmen für seine Produkte das Gütesiegel "Made in Germany", zum anderen galten seit 2013 Einfuhrzölle für chinesische Solarprodukte, die es mit der Produktion in Frankfurt (Oder) umgehen wollte.

Da die Zölle nun vor rund vier Monaten abgeschafft wurden, blieb zuletzt lediglich das Gütesiegel. Noch 2017 waren drei Millionen Euro in die Modernisierung der Produktion geflossen.

Oberbürgermeister von Frankfurt (Oder) René Wilke (Quelle: rbb)
Bild: rbb

Wilke: "Schwieriger Tag für unsere Stadt"

Oberbürgermeister Wilke sprach im rbb von einem "schwierigen Tag für unsere Stadt". Er könne und werde nicht versprechen, dass alle 200 Beschäftigten woanders neue Möglichkeiten finden werden. Allerdings sei die Situation eine andere als vor rund fünf Jahren, als OderSun und FirstSolar ebenfalls am Standort Frankfurt (Oder) aufgegeben haben.

Die Rahmenbedingungen seien andere als damals, es habe neue Ansiedlungen gegeben und es herrsche ein hoher Fachkräftebedarf. Namentlich verwies Wilke auf den japanischen Hersteller von Elektronikkomponenten Yamaichi Electronics, der seine Produktion in Frankfurt (Oder) erweitert habe. Zudem soll sich in Kürze ein eCommerce-Anbieter ansiedeln.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

6 Kommentare

  1. 6.

    Das sind keine Dinger die wir hergestellt haben sondern Solarmodule! Habe übrigens 12 Jahre da gearbeitet und stehe jetzt vor dem nichts. Habe übrigens 10 Jahre im 12 Stunden Rhythmus gearbeitet für ein Gehalt wofür viele noch nicht mal aufstehen würden.

  2. 5.

    Antwort an Otto aus Berlin:
    Es macht keinen Sinn, als Exportnation eine Marktabschottung gegenüber chinesischen Solarmodulen zu fordern. Mit dem gleichen Argument könnte man im Ausland fordern, sich gegen deutsche Exporte abzuschotten. Wenn die Produktion in Frankfurt (Oder) nicht in der Lage ist, preislich mit chinesischen Produkten zu konkurrieren, dann muss sie entweder bessere Produkte fertigen, so dass sie den Preisnachteil durch einen Qualitätsvorteil ausgleichen kann, oder es gibt für den Produktionsstandort keine Existenzberechtigung.

  3. 4.

    Man sollte den Markt gegen Chinesische Solarmodule abschotten, wenn man die Fertigung von Solarmodulen in Deutschland und der EU ansiedeln will. Das will aber anscheinend die Politik nicht, sonst würde sie etwas tun. Warum sind die Chinesischen Module billiger? Wohl weil Umwelt- und Sozialstandards nicht eingehalten werden.

  4. 3.

    Alles Halbwissen! Ich bin Leipziger und scheinbar besser informiert.
    Astronergy seitens des chines. GF und des Prokuristen Thomas Geppert hatte keinerlei Interesse an der Errichtung von Komplettanlagen (Solarparks) "made in Germany", sondern nur an Fertigung und Vertrieb von Solarmodulen, was einfach nicht mehr zeitgemäß ist! - Allein im griechischen Teil von Zypern sind Parks mit einem Umfang von jährlich 180 GWh in den nächsten 3 Jahren geplant. Umsatzvolumen somit bei 200 Mio. Euro und damit ein mögliches Standbein für 3x 30% des möglichen Jahresumsatzes. Die Zyprioten wünschen ausschließlich German Standard, was Astronergy nun schon seit August letzten Jahres bekannt ist! Ich kenne die Chintallee und ich kenne den Planer der Anlagen in Zypern.- Die Unternehmensstrategie war nicht darauf ausgerichtet. Sowohl Rene Wilke als auch Mario Quast aus der Frankf. Stadtregierung sind seit Längerem bemüht, das längst absehbare und nun eingetretene Fiasko abzuwenden! Chin. Heuschrecken!!!

  5. 1.

    Kommen jetzt halt aus China, die Dinger.

Das könnte Sie auch interessieren