Frau mit roten Gummistiefeln im Gemüsebeet, Quelle: imago/MITO
Audio: Antenne Brandenburg | 04.01.2018 | Monika Kophal | Bild: imago/MITO

Essenskisten für Berlin und Brandenburg - Start-up setzt auf bioveganes Gemüse

Gemüse ist Hauptbestandteil der veganen Ernährung - obwohl es in der Regel mit Tiermist gedüngt wird. Das wollen die Gründer der Genossenschaft "PlantAge" nun ändern. In Frankfurt bauen sie bioveganes Gemüse an - für den Berliner und Brandenburger Markt. Von Monika Kophal

Die Gründer der Genossenschaft "PlantAge" wollen in Frankfurt Markendorf künftig veganes Gemüse anbauen, also ganz ohne Tiermist. Mit ihrer Ernte wollen sie dann die Berliner und Brandenburger beliefern.

Wenn alles nach Plan läuft, kann die erste Ernte bereits im kommenden Mai ausgeliefert werden. Für 78 Euro monatlich soll es dann vier Kisten mit Gemüse geben, bei dessen Anbau auf tierischen Dünger verzichtet wurde. "Dem Gemüse schadet das ganz und gar nicht", sagt die 23-jährige Gründerin Judith Ruhland.

Damit Pflanzen gut wachsen können, benötigen sie Nährstoffe. "Doch die kommen nicht nur aus dem Tier, sondern können auch direkt von der Pflanze kommen", sagt Ruhland. Das geht zum Beispiel mit Mulch.

Die richtige Fruchtfolge ist wichtig

Beim Mulchen wird der Boden mit unverrotteten organischen Materialien bedeckt, also zum Beispiel mit Laub oder Kompost.

Auch Fruchtfolgen sind wichtig. "Man sollten den Boden nicht nur einseitig nutzen, sondern immer wieder neue Pflanzen pflanzen", sagt die Gründerin.  

Kaum jemand bietet bioveganes Gemüse an

Die Idee entstand aus der Not heraus. Judith Ruhland und ihr Unternehmenspartner Frederik Henn ernähren sich selbst vegan, finden in Berlin und Brandenburg aber kaum jemanden, der bioveganens Gemüse anbietet.

Also entschieden sie sich, es selbst zu tun. Und zwar auf einem 6,5 hektar großen Acker im Frankfurter Ortsteil Markendorf. Von da aus sollen dann verschiedene Verteilstationen in der Region beliefert werden.

In Brandenburg sollen zunächst nur die Regionen rund um Frankfurt, Eisenhüttenstadt, Müllrose und Potsdam beliefert werden. "Weitere Gebiete sollen nach Bedarf hinzukommen", sagt der 27-Jährige.

Gemeinschaft schaffen und Klimagase binden

Henn und seine Geschäftspartnerin starten mit drei Gärtnerinnen und 49 Genossenschaftsmitgliedern. Jeder von ihnen, so die Gründer, kann dabei helfen, das große Ziel zu erreichen: Mit möglichst kleiner Fläche, möglichst viele Menschen zu ernähren. Denn Tiere nehmen nun einmal mehr Platz als Pflanzen ein.

"Bei uns geht es nicht nur um Ernährung. Wir streben auch eine größere Vision an", sagt Henn. Und das sei, eine Gemeinschaft zu schaffen, Klimagase zu binden, weniger Fläche zu verbrauchen und den Boden an sich wieder mehr wertzuschätzen.

Beitrag von Monika Kophal

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9 Kommentare

  1. 9.

    Und dann mutiert mancher zum Frutarier und achtet die Pflanzenrechte ;-) Am Ende bleibt nur die Ernährung über Lichtenergie. Ich achte die Lebensweise anderer, jedoch ist die Moralkeule einiger oft zu groß.

  2. 7.

    Finde ich als Veganerin eine super Idee!

  3. 6.

    Was mir im Text noch aufgefallen ist: Kompost ist auch kein "unverrottetes organisches Material".

    Nährstoffe können auch nicht direkt - wie von der Unternehmensgründerin behauptet - aus der Pflanze kommen. -Es sei denn, man baut noch unbekannte pflanzenfressende Pflanzen an. Nährstoffe können von der Pflanze nur in gelöster Form aufgenommen werden. Dabei ist es egal, ob sie aus Kompost, Tiermist oder chemisch hergestellten Düngern stammen Das Molekül ist chemisch gesehen immer das Gleiche. Nährstoffe aus chemisch hergestellten Düngern stehen aber ungleich schneller zur Verfügung als aus organischen Düngern, sie verbrauchen bei der Herstellung jede Menge Ressourcen und Energie.
    Organischer Dünger muss zwingend erst verrotten, bevor er Nährstoffe freisetzt. Und dieser Prozess bedarf in den meisten Fällen der Mithilfe von Lebewesen .

  4. 5.

    Sie sind weder schlecht noch unethisch, wenn Sie sich ausgewogen ernähren. Veganer sind mir suspekt, weil es kein rein veganes Gemüse geben kann (Bienen, Insekten, Würmer). Nur herunter Gefallenes ist aus moralischer Sicht zum Verzehr dann akzeptabel. Da haben die Veganer noch eine Menge Nachholbedarf. Wenn man nicht sehr alt werden will, geht auch eine steinzeitliche Ernährung. Dann stimmt wenigstens scheinbar die Moral. Woran erkennt man einen Veganer? Er erzählt es einem...

  5. 4.

    Es kommt eben auf die Tierhaltung an - in kleineren Haltungen werden Antibiotika sicher nicht schon vorbeugend eingesetzt.
    Im Übrigen könnte ich mich köstlich amüsieren, dass Veganer oft aus ethischen Gründen auf die Nutzung von Tierprodukten verzichten - aber Regenwurnkompost einsetzen, auf Bienen und andere Insekten zur Bestäubung angewiesen sind (aber selbstverständlich keinen Honig essen), und wie ist das eigentlich mit tierischen Schädlingen? Kohlweißlingsraupen, Blattläusen, Frostspannern? Fallen die auch unter die ethische Schonung?

    Ich gärtnere selbst "bio" , und ich habe auch nichts gegen Veganer, aber ich möchte bezüglich meiner omnivoren Ernährung auch nicht als schlechter, unethisch denkender Mensch hingestellt werden (wie es mir schon öfter geschehen ist).
    @rbb: "Beim Mulchen wird der Boden mit unverrotteten organischen Materialien bedeckt, also zum Beispiel mit Laub, Kompost oder Kies. " - Kies ist KEIN organisches Material, und er verrottet auch nicht.

  6. 3.

    Und wenn sie nicht gestorben sind, finden sie immer ein Haar in der Suppe.
    Na und? Lassen Sie sie einfach machen und warten ab, wie es wirtschaftlich funktioniert. Ich finde es spannend und gut.
    Nur eine Frage treibt mich dabei um: werden die Produkte etwa mit stinkenden Fahrzeugen mit Diesel- oder Benzinmotoren zum Kunden gebracht oder mit alternativ angetriebenen Fahrzeugen?
    Ich sage mal Gas oder Wasserstoff, denn Elektroautos sind ja ebenso ressourcenfressende Vehikel und so garnicht umweltschonend.

  7. 2.

    Es wird wahrscheinlich der Tiermist von Säugetieren gemeint und nicht von Insekten oder Würmern.
    Der Tiermist von Säugetieren wird wahrscheinlich auch einen guten Anteil an Antibiotikum besitzen.

  8. 1.

    Tolles Label "ohne Tiermist", doch eine etwas verrückte Marke. Der Pflanzenmulch wird also nicht von Regenwürmern gefressen und ausgeschissen?! Vielleicht nochmal an der Kommunikation feilen ;) Ohne Haustiermist?! Obwohl, mit Mulch werden ja Regenwürmer gefüttert :) Könnte doch schwer werden bei den vielfältigen Symbiosen zwischen Tieren und Pflanzen auch bei der Humusbildung.

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