Logo der Supermarktkette "Real" (Quelle: dpa/Berg)
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Video: rbb|24 | 12.02.2020 | Tobias Goltz/Konrad Bott | Bild: dpa/Oliver Berg

Mitarbeiter über Verkauf von Real - "Ich erwarte nichts Gutes"

Der Verkauf der Supermarktkette Real an den russischen Immobilienkonzern X-Bricks gilt mittlerweile als sicher. Direkt betroffen sind die Mitarbeiter. Die aber wissen noch immer nicht, wie es für sei weitergeht. Nils Hagemann hat mit einem Betroffenen gesprochen.

Wir alle gehen früher oder später einkaufen, die meisten von uns mehrmals pro Woche. Doch trotz der hohen Nachfrage läuft es nicht bei allen Supermärkten gut. Die Real-Kette, die zur Metro-Gruppe gehört, schreibt seit Längerem rote Zahlen. Deshalb steht seit 2018 fest: Die Metro-Gruppe möchte die Real-Märkte möglichst schnell loswerden. Seitdem läuft ein wirtschaftliches Hin und Her. Bei dem ganzen Durcheinander werden häufig die vergessen, die der mögliche Verkauf unmittelbar betrifft: die Mitarbeiter.

Danny Albrecht (Quelle: rbb/Hagemann)
Danny Albrecht | Bild: rbb/Hagemann

Mitarbeiter in Angst

Einer von ihnen ist Danny Albrecht. Schon seit zwanzig Jahren arbeitet er im Real-Markt in Wildau. Er selbst bezeichnet sich als "Gemüsemännchen". Und wenn er nicht gerade als "Gemüsemännchen" zu tun hat, arbeitet er als Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds. Hier kämpft er für die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die noch immer bei Real arbeiten. Er sagt, ihn störe am meisten, dass keiner der Mitarbeiter wirklich wisse, wie es weiter gehe. "Wir Mitarbeiter haben bis vor Kurzem kaum Informationen erhalten", sagt Albrecht.

Bis vor Kurzem deshalb, weil ein Verkauf seit Mittwoch in trockenen Tüchern zu sein scheint. In einem internen Brief, der dem rbb vorliegt, informiert die Real-Kette seine Mitarbeiter über einen Verkauf an den russischen Immobilienkonzern X-Bricks. "Trotzdem wissen wir bis heute nicht, welcher Markt bleibt und welcher geschlossen wird", sagt Albrecht. Die meisten Mitarbeiter hätten Angst, ihre Arbeit zu verlieren.

Hauptversammlung der Metro-Gruppe am Freitag

Allein in Brandenburg sind in 13 Märkten etwa 2.000 Mitarbeiter betroffen. In Berlin gibt es sechs Real-Märkte. Trotz des Briefs bleibt für die Mitarbeiter vieles unklar. Bei der Hauptversammlung der Metro-Gruppe soll das, was noch immer unklar ist, geklärt werden. Danny Albrecht äußert sich trotzdem pessimistisch: "Ich erwarte nichts Gutes. Jedes Mal, wenn uns in der Vergangenheit etwas versprochen wurde, war es heiße Luft."

Schon seit Mitte 2018 geht die wirtschaftliche Odyssee. Erst war es der Immobilenkonzern Redos, der die angeschlagene Kette übernehmen sollte. Immer wieder war auch die komplette Schließung im Gespräch. Die Mitarbeiter wussten stets nicht mehr als die Öffentlichkeit, verzichteten auf Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. "Wenn man so lange für ein Unternehmen arbeitet, hat man auch eine Identität mit dem Unternehmen", sagt Danny Albrecht. Er vermutet, dass die Real-Kette nach dem Verkauf zerschlagen wird. Das heißt, die einzelnen Filialen werden an schon bestehende Supermarktketten verkauft. Die Zukunft der Mitarbeiter wäre auch dann unklar. "Dieses Hin und Her macht die Mitarbeiter kirre - und das merkt man auch am Arbeitsklima", sagt Albrecht.

Aber ob dieses Hin und Her jetzt endlich ein Ende haben wird, wagt auch Danny Albrecht nicht zu prognostizieren. Bisher sind noch keine Verträge zwischen der Metro-Gruppe und X-Bricks unterzeichnet worden. Es wurde lediglich eine "finanzielle Einigung erzielt". So ist es möglich, dass auch nach der Hauptversammlung der Metro-Gruppe am Freitag keine Klarheit herrscht, wie es mit den Real-Mitarbeitern weiter geht.

Danny Albrecht will trotzdem weiter für sein Unternehmen kämpfen: "Ich werde bis zum letzten Tag hier die Fahne hochalten" - als "Gemüsemännchen" in der Filiale in Wildau.

In einer ersten Version dieses Artikels war davon die Rede, dass es in Berlin und Brandenburg 18 Real-Märkte gebe; tatsächlich sind es aber 19 (davon 13 in Brandenburg und sechs in Berlin). Wir haben die Angaben entsprechend korrigiert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.02.2020, 14:10 Uhr

Beitrag von Nils Hagemann

2 Kommentare

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  1. 2.

    Herr Koch wird sich keinen Kopf machen müssen, ob er demnächst noch die Rate für sein Haus aufbringen kann, der neue Sportwagen, Das Boot für den Urlaub- das alles wird bei ihm passen. Und für das kollektive Versagen und den Verkauf wird es sicher Bonus Zahlungen geben. So kann man sich in Manager Kreisen sein Fehlverhalten auch schön reden. Schämen sollten er und seine "Nieten in Nadelstreifen " sich...

  2. 1.

    Ich finde es traurig das Kunden uns fragen wie es weiter geht und andere Kunden irgendwie sagen das unser Standort schon zu sonst wehn gehört.. Das einzige was wir antworten können ist nur das wir selber nix wissen und die Medien anscheinend mehr was echt anstrengend ist!

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