Die beiden ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter Hartmut Schrandt und Birgit Coryell auf ihrer Tour durch Erkner und Grünheide.
Bild: Eva Kirchner

Mehr Andrang und mehr Not - Tafel in Erkner liefert Lebensmittelspenden nach Hause

Die Corona-Krise setzt den Tafeln zu: Viele Lebensmittel-Ausgabestellen sind wegen Ansteckungsgefahr weiter geschlossen, während gleichzeitig mehr Menschen wegen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Von Eva Kirchner

Viele Tafeln sind wegen der Ansteckungsgefahr nach wie vor geschlossen. Doch wegen Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit sind viele Menschen zunehmend auf Lebensmittelspenden angewiesen. Diese Entwicklung spüren auch die Mitarbeiter der Tafel in Erkner. Sie liefern dort nun vermehrt Lebensmittel an Kunden aus - an Bedürftige, die sich bei ihnen melden. Das ist ein Service, der aber auch zusätzliche Kosten verursacht.  

Mobile Tafel

Birgit Coryell und Hartmut Schrandt fahren die Tour regelmäßig. Für die beiden ist es eine Herzensangelegenheit. Sie gehören zu den 15 Ehrenamtlichen, die die Tafel unterstützen. Einmal in der Woche rollt die mobile Tafel vom Hof der Gesellschaft für Arbeit und Soziales (Gefas) in Erkner.  

Diese Hilfe werde jetzt mehr denn je gebraucht, erzählt Hartmut Schrandt während der Fahrt. "Es sind vorwiegend ältere Leute, früher waren das nicht so viele", sagt er. "Ist ja auch klar, durch die Krise sind die Leute auch ein bisschen ängstlich und trauen sich nicht mehr raus." Auch da helfe der Lieferservice.

Landesverband befürchtet steigenden Bedarf

Die Gefas betreibt vier Tafelläden im Landkreis Oder-Spree - in Erkner, Storkow, Fürstenwalde und Beeskow. Monatlich werden dort etwa 7.000 Kunden mit Lebensmitteln versorgt, die Gefas registriert derzeit allerdings deutliche Zuwächse. Gut 1.600 Kunden versorgt die Tafel allein in Erkner pro Monat.

Landesweit sind es aktuell 43 Tafeln, die rund 60.000 Menschen erreichen – und es könnten noch viele mehr werden. Darauf hat jetzt der Landesverband der Tafeln aufmerksam gemacht. Die Lage in Brandenburg sei besonders angespannt, denn die Arbeitslosigkeit sei verhältnismäßig hoch und die örtlichen Lebensmittelspenden meist rückläufig. Hilfe wird dringend gebraucht - finanziell, aber auch personell.

Ersatz für Sozialkontakte

Sehnsüchtig werden die Tafel-Mitarbeiter in Grünheide erwartet. Wolfgang Zimmermann bekommt eine Kiste vollgepackt mit Lebensmitteln. Er ist froh, dass es diesen Service gibt. "Sonst bin ich ganz allein, das ist schon etwas wert", sagt er.

Ein kurzes Gespräch gehört auch dazu. Das ist in Zeiten wie diesen wichtiger denn je, hat Birgit Coryell fest gestellt. "Auch wenn wir nur ein paar Minuten Zeit haben, denn viele Sozialkontakte sind ja weggebrochen", sagt sie.

Mehr Aufwand und mehr Kosten

Für die Tafel bedeutet das einen höheren Aufwand und höhere Kosten, weil sie mehr unterwegs sind. Daneben steigen die Ausgaben für Benzin, aber auch für Reparatur der Kühlfahrzeuge, die von Montag bis Sonntag rund um Erkner, aber inzwischen auch in Berlin Lebensmittel einsammeln und teilweise auch andere Tafeln wie zuletzt die in Seelow mitbeliefern. Gebraucht werden dazu händeringend ehrenamtliche Helfer und Geld.

Unterstützung vom Land

"Eine riesige Herausforderung", sagt Gefas-Vorstandschef Siegfried Unger. Er ärgere sich aktuell vor allem darüber, dass die finanzielle Unterstützung durch das Land nicht komme. "Millionen werden für Unternehmen locker gemacht, aber für die Ärmsten der Armen wird relativ wenig getan", sagt er. 

Der Landtag hatte zwar bereits beschlossen, dass auch soziale Einrichtungen mit einem Hilfsprogramm unterstützt werden sollen - doch bisher ist noch nicht geklärt, wie das Geld ausgegeben wird.. "Bei uns stehen die Menschen jeden Tag auf der Matte - und beim Land brauchen mehr als einen Monat, um eine Richtlinie zu erlassen." Für die Tafel wäre das Geld sehr willkommen.  

Beitrag von Eva Kirchner

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