Der Testkunde bedient sein Kraftwerk vom Tablet aus (Quelle: rbb)
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Video: Brandenburg aktuell | 12.07.2020 | Fred Pilarski | Bild: rbb

Pilotanlage aus Adlershof - Fredersdorfer erzeugt Wasserstoff in seinem Schuppen

Bei aus Wasserstoff gewonnener Energie handelt es sich oft um große Anlagen, die an Windkraft oder Solarfeldern hängen. Aber es geht auch kleiner: Ein Haus in Fredersdorf nutzt eine autonome Wasserstoffanlage im Schuppen. Von Fred Pilarski

Das Haus in Fredersdorf (Märkisch-Oderland) ist noch ein bisschen Baustelle, aber schon bewohnt. Es gehört Elektromeister Ralph Lügger, gerade checkt er den Energiezustand. Das Besondere: Sein Haus versorgt sich selbst mit Strom – aus Sonnenlicht, und das bei Tag und Nacht. Denn Ralph Lügger ist Testkunde für das erste Brandenburger Wasserstoffkraftwerk fürs Eigenheim.

Dessen Herzstück passt in einen Schuppen. Das öffentliche Stromnetz scheint nicht mehr nötig. "Das finde ich ziemlich beeindruckend, man hängt doch immer an irgendwelchen Versorgungsnetzen. Wenn was passiert, wie in Köpenick, wo drei Tage das Licht aus war - ich hätte nichts davon mitbekommen", sagt er.

Grafik Wasserstoff (Quelle: rbb)
| Bild: rbb

Anlage spaltet Wasser mit Sonnenenergie auf

Und so funktioniert es: Bei Sonnenschein lädt die Solaranlage auf dem Dach ihren Strom zunächst in eine Elektrobatterie. Ist dann noch Strom übrig, fließt der in einen Elektrolyseur. Das ist ein Gerät, das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet.

Ein Kompressor drückt den Wasserstoff in Stahlflaschen. Diesen Wasserstoff holt sich bei Bedarf eine Brennstoffzelle und diese erzeugt daraus kontinuierlich Strom. Bei Belastungsspitzen springt die Elektrobatterie ein.

Die Hersteller in Adlershof (Quelle: rbb)
Bild: rbb

In Adlershof entwickelt

Picea heißt dieses System, ab 60.000 Euro ist es derzeit zu haben. Entwickelt hat es einem Start-up-Unternehmen in Berlin-Adlershof, der Home Power Solutions GmbH (HPS). Denn schon 2014 hatte sich dort eine Handvoll Ingenieure gefragt, wie sich die Wasserstofftechnologie eigenheimtauglich machen ließe.

Sechs Jahre, vierzehn Patente und zwei Doktorarbeiten später arbeiten etwa 100 Menschen bei HPS. Sie bereiten den Sprung von der Pilotanlage zur Großserienfertigung vor. "Wir machen damit eine Vision heute real umsetzbar, denn wir glauben, dass jedes Haus der Zukunft sich komplett selbständig und erneuerbar versorgen kann", sagt Entwickler Zeyad Abul-Ella.

Weg vom Netz

Die Berliner Gasag will dieses System ihren Kunden künftig zur Miete anbieten. Finanzvorstand Michael Kamsteeg begleitet das Unternehmen schon lange. Dabei ist die Gasag doch eigentlich ein Versorger, dessen Geschäftsmodell auf Netzen und Leitungen ruht. HPS aber ist das Gegenteil. "Insofern ist es heute noch eine Facette, morgen wird es das Geschäftsmodell fundamental verändern, davon sind wir überzeugt", sagt Kamsteeg. "Wir stehen für klimaneutrale Versorgung unserer Kunden."

Auch in der Uckermark und ebenso in Cottbus findet man die klimaneutrale Energieversorgung durch Wasserstoff interessant. Dass mit ihrem System noch mehr möglich ist, als Häuser zu versorgen, zeigt HPS mit einer firmeneigenen Tankstelle. Hier lädt die Adlershofer Firma ihre Wasserstoff- und Elektroautos – ganz ohne Anschluss an das öffentliche Netz.

Beitrag von Fred Pilarski

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1 Kommentar

  1. 1.

    Sowas gibt es schon lange, nur hat davon nie jemand was gehört. Von der Fronius Energiezelle z.B. habe ich bereits vor über 10 Jahren gelesen und mich gefragt, warum das nicht wie eine Bombe einschlägt.

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