Getreide
Video: Brandenburg Aktuell | 18.08.2020 | A. Hewel | Bild: Tony Schönberg/ rbb

Brandenburg - Erntebilanz regional sehr unterschiedlich: Rekorde und große Verluste

Nach zwei Trockenjahren mit Ernteausfällen fällt die Bilanz des Brandenburger Bauernverbandes für 2020 positiver aus. Aufgrund der wechselhaften Wetterbedingungen sehen die diesjährigen Erträge jedoch regional sehr unterschiedlich aus.

Im Land Brandenburg haben die Bauern am Dienstag eine aktuelle Erntebilanz für das Jahr 2020 vorgestellt. Nach den Dürrejahren 2018/19 fallen die Erträge trotz Trockenheit und hohen Temperaturen laut Landesbauernverband in diesem Jahr erfreulicher aus.

Plus bei Winterroggen, Raps und Weizen

Die Erträge der vergangenen beiden Jahre waren zum Teil existenzbedrohend für die Bauern und sorgten für Einbrüche bei der Getreideernte von bis zu 26 Prozent. In diesem Jahr gibt es deutlich bessere Zahlen. Spitzenreiter ist demnach der Winterroggen. Hier gab es 20 Prozent mehr Erträge als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Auch beim Winterweizen steht ein Plus von acht Prozent. Und auch beim Problemkind Winterraps gäbe es Positives zu berichten. Der Präsident des Brandenburger Landesbauernverbands, Henrik Wendorff, berichtet von einem Zuwachs von 17 Prozent. Dem rbb gegenüber sagte Wendorff: "Die Ölfrucht Raps hat nach der Schwäche der letzten Jahre einen guten Ertrag gebracht und ist für uns ganz wichtig für unsere Fruchtfolgen sowie auch für das wirtschaftliche Ergebnis." Etwas schwieriger sei es hingegen für Kulturen wie Hafer und Sommergerste, die im Frühjahr angesät wurden. Diese hätten den April fast ohne Niederschläge erlebt.

Regional große Unterschiede

Die Niederschlagsverteilung sei auch regional sehr unterschiedlich ausgefallen und habe so auch für differenzierte Ernteergebnisse gesorgt. "Der größte Ausreißer nach oben in der diesjährigen Ernte war die Uckermark", so Wendorff. "Die hat die besseren Böden und an der ein oder anderen Stelle auch günstige Niederschlagsverhältnisse gehabt." Im Süden des Landes- hauptsächlich in den Kreisen Spree-Neiße und Elbe-Elster- habe das Wasser gefehlt und die Böden seien leichter. Daher sei das Gefälle der Ertragsdifferenzen in diesem Jahr sehr hoch. Dazu sagte Henrik Wendorff: "Wir haben vielleicht die Hälfte im Süden und das Doppelte im Norden geerntet."

Ähnliches bestätigte Karsten Lorenz vom Kreisbauernverband Oder-Spree. Ihm zufolge habe es auch innerhalb der gleichen Region starke Wetterschwankungen gegeben. "Wir haben Landwirte, die haben richtige Rekordernte eingefahren und andere Ecken, wo Bauern sagten, wir ernten so schlecht wie seit 20 Jahren nicht."

Leben mit der Trockenheit

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/ Die Grünen) sagte, zwar habe sich der Negativtrend der Dürrejahre 2018/19 nicht fortgesetzt, allerdings werde die Brandenburger Landwirtschaft auch in Zukunft immer mehr mit Wasserknappheit zu kämpfen haben. Vogel zufolge habe es insgesamt eine bessere Niederschlagsverteilung gegeben.

Ein Trockenjahr sei es aber dennoch. "Man kann sagen, wir sind noch einmal gut rausgekommen", so der Umweltminister. "Aber insgesamt gesehen brauchen wir wassersparende Technologien. Das ist im Gartenbau die Tröpfchenbewässerung, die sich auch durchgesetzt hat. In anderen Bereichen geht es dann um das Bewässerungs-Regime, dass beispielsweise nicht tagsüber nicht großflächig bewässert wird, weil die Verdunstungsrate dann viel zu hoch ist."

Corona-Folgen in der Landwirtschaft

Die auffälligsten Ertragseinbrüche dieser Erntesaison hätten allerdings nichts mit der Trockenheit zu tun gehabt. Bei Brandenburgs wichtigstem Gemüse, dem Spargel, war das zentrale Problem die Coronapandemie, so der Vorstand des Gartenbauverbands Berlin/ Brandenburg, Jürgen Jakobs. "Das hat in dieser Saison dazu geführt, dass in der Spargelernte nicht alle Erntehelfer zur Verfügung standen und wir dadurch einen Ernterückgang um gut zwölf Prozent im Jahr 2020 haben."

Bei der Erdbeere, Brandenburgers wichtigster Beerenfrucht, gab es sogar einen Ernterückgang um 20 Prozent. Dort lag es laut Jakobs vor allem an der Billig-Konkurrenz aus dem Ausland: "Ein wesentlicher Faktor sind die Lohnkosten. Da ist es halt schwierig, wenn man in Deutschland mit Lohnkosten von etwa zehn Euro die Stunde mit Ländern konkurrieren muss, in denen vielleicht 2,50 Euro gezahlt wird." So sei alles, was in die Discounter geht, zunehmend aus dem Ausland beliefert werden. Immerhin gab es bei der Heidelbeere ein Plus von 17 Prozent. 2020 überwiegen also insgesamt die positiven Ergebnisse.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.08.2020, 16:40 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Liebe Bauern !!! Bitte macht nicht das gesamte Osthavelland, mit euren Monokulturen und euren Windparks kaputt. Der Bevölkerungszuwachs im Osthavelland beträgt jährlich mindestens 1200 Einwohner und die benötigen auch in Zukunft noch frische Luft zum Atmen und nicht nur ausgetrocknete Böden und damit trockenes Klima. Das Havelland ist die Frischluftschneise der Hauptstadt-Region. Und wenn das Klima im Havelland immer heißer und trockener wird, hat das Auswirkungen auf ganz Berlin und Brandenburg. Also liebe Bauern, macht bitte nicht, das gesamte Osthavelland zur Wüste, nur um immer mehr Ackerland zu gewinnen und immer mehr Windkraftanlagen zu errichten. Wir benötigen neue Mischwälder und keine Monokulturen im Havelland, Danke.

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