Ein Wildschwein st in einem Waldstück hinter einem Ast zu sehen. (Quelle: dpa/Jonas Walzberg)
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Video: Brandenburg aktuell | 16.09.2020 | Michel Nowak | Bild: dpa/Jonas Walzberg

Tests auf Schweinepest laufen - Weitere tote Wildschweine in Brandenburg gefunden

Fünf weitere tote Wildschweine sind am Mittwoch im Landkreis Oder-Spree gefunden worden. Die Tiere müssen allerdings noch auf die Seuche getestet werden. Eine Bestätigung könnte nicht nur für Bauern starke Einschränkungen bedeuten. Von Isabel Röder

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich in Brandenburg aus. Bei fünf toten Tieren, die in den vergangenen Tagen im Landkreis Oder-Spree gefunden worden waren, ist am Mittwochabend die Schweinepest nachgewiesen worden, teilte das Bundesagrarministerium in Berlin mit. Das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler-Institut, bestätigte die Ergebnisse des Landeslabors Berlin-Brandenburg.

Im selben Landkreis sind am Mittwoch fünf weitere tote Tiere gefunden worden.

Weitere Funde in den kommenden Tagen möglich

Ob die fünf neu entdeckten Wildschweine alle an der afrikanischen Schweinepest gestorben sind, muss noch getestet werden. Gefunden wurden sie im Dorchetal, im Südwesten von Neuzelle zwischen Sempten und Bomsdorf. "Das ist ein sehr unwegsames Gelände im Dorchetal, und wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Tagen weitere Tiere finden werden", sagte der Landrat von Oder-Spree, Rolf Lindemann (SPD). "Insbesondere kranke Tiere ziehen sich zum Wasser zurück, um sich noch möglichst lange selbst versorgen zu können."

Das Brandenburger Landratsamt informierte am Mittwoch über die Pläne, wie die hochansteckende Tierseuche eingedämmt werden könnte.

"Kernzonen" und "Gefährdungszonen" werden eingerichtet

Das wichtigste sei jetzt, die Tiere nicht zu beunruhigen, sagte Amtstierärztin Petra Senger, die am Mittwoch zusammen mit dem Landrat darüber informierte. "Nur so kann verhindert werden, dass die Tiere große Strecken zurücklegen und die Viren weiterverbreiten", sagte sie. Neue Gefährdungszonen seien in Vorbereitung.

"Da müssen wir jetzt abwarten, bis die Befunde bestätigt sind, und dann wird das Gebiet in einer Software dargestellt, um die Zonen abzustecken", sagte Senger. Die sogenannte Kernzone mit den strengsten Einschränkungen soll mindestens drei Kilometer um die Fundorte betragen. Bei der Gefährdungszone plane man an manchen Stellen bis zu 25 Kilometer. Für viele Landwirte heißt dass, dass sie ihre Felder nicht abernten dürfen, um Tiere nicht aufzustöbern. Ausnahmen soll es keine geben.

Riccardo Fischer, Vorstandsvorsitzender Agrargenossenschaft KieselwitzRiccardo Fischer

Bauern können nicht ernten und neu bestellen

Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft seien gravierend, sagt Riccardo Fischer von der Agrargenossenschaft Kieselwitz im Schlaubetal. "Obwohl sehr viel Arbeit da ist, sind wir zur Untätigkeit verdammt." Aufgrund der gerade eingetretenen Allgemeinverfügung gegen die Tierseuche dürften sie die Flächen nicht mehr betreten. "Wir dürfen nicht ernten, nicht neu bestellen, keinen Mist, keine Gülle fahren", sagt er. "Jetzt ist das Wintergetreide zur Aussaat dran, wenn ich heute nichts bestellen kann, kann ich nächstes Jahr nicht ernten", außerdem fehle das Stroh für die Tiere. "Das hat gravierende Auswirkungen auf den Tierbestand und auf den Fortbestand des Betriebs, machen wir uns nichts vor", sagte Fischer.

Da das Schlaubetal bisher nicht zum Kerngebiet zählt, laufen zumindest die Schlachtungen und der Verkauf des Fleischs weiter. Fischer meint, dass es an der Grenze zu Polen Versäumnisse gegeben habe. "Es ist seit Jahren bekannt, dass die Schweinepest kommt, und es wurde zwar im Dezember der Elektrozaun an der Grenze gezogen, aber dann nur noch darüber geredet, ob und wie man einen festen Zaun errichtet. Jetzt braucht man darüber auch nicht mehr zu diskutieren", sagt er. Brandenburgs Landwirtschaftsminister wollte sich am Mittwoch vor Ort über die Lage der Landwirtschaft informieren und besprechen, wie den Landwirten geholfen werden könnte.

Einschränkungen für Tourismus in Neuzelle

"Bis wir Klarheit über die Situation haben, sind diese Maßnahmen erstmal strikt einzuhalten", sagte am Mittwoch Amtstierärztin Senger. "Dann müssen wir im Einzelfall sehen, was möglich ist, ohne ein Risiko der Virusverschleppung oder der Infektionsverbreitung."

Ob es einen Zaun geben soll, ließ Senger offen. Fest steht, dass der gesamte Ort Neuzelle wie auch das Kloster in der Zone mit den höchsten Einschränkungen liegen wird. Das hat auch Auswirkungen auf den Tourismus, machte der Landrat klar: "In der Kernzone gilt ein Betretungsverbot. Das heißt, es findet kein Tourismus statt und auch keine Pilzsuche", sagte er.

Doch ganz abgeschottet werde der Ort nicht. Ein Restaurantbesuch sei möglich, nur der Fahrradausflug durch die Felder, der muss nun erstmal ausfallen. Der Landrat wird am Donnerstagabend auf dem Marktplatz Neuzelle auf Versammlung darüber informieren, inwieweit sich die Maßnahmen gegen die Schweinepest auch auf die Anwohner auswirken werden.

Beitrag von Isabel Röder

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3 Kommentare

  1. 3.

    Im September 2019 wurden Schweinepestfälle in Polen gemeldet. Polen grenzt an Deutschland und man hat jetzt ein Jahr abgewartet und keinerlei Vorkehrungen getroffen?

    Deutschland ist nicht mehr das Land der Denker sondern nur noch der Dichter, denn es gehört schon sehr viel Phantasie dazu wie mittlerweile alles in unserem reichen Land als Erfolg verkauft wird. Vermutlich sind die Flaschen sammelnden Rentner Schauspieler um im perfekten Deutschland für etwas Abwechslung zu sorgen.

  2. 2.

    An alle evtl. noch Kommentierer von wegen... so ein Aufriss wegen ein paar toter Schweine... oder ... betrifft doch nur die Wildschweine...
    Ne! All diese Maßnahmen dienen der Vorbeugung einer evtl. Pandemie - also den Übergang dieses Virus auf andere Nutztiere oder gar den Menschen und deren evtl. Mutationen bei einer Pandemie. Wenn sowas nicht im Keim erstickt wird, kann es so kommen wie Covid-19. Dieser Virus kam im Ursprung auch von einem Wildtier. Leider werden in anderen Ländern nicht so restriktive Maßnahmen ergriffen, wenn sich in der dem Menschen nahen Wildpopulation ein gefährlicher Virus ausbreitet.

  3. 1.

    Bin schon mal gespannt, wann die ersten Virologen und sonstige Spezialisten auftauchen und dem staunenden Publikum verkünden,das diese Form der Schweinepest für den Menschen doch sehr gefährlich ist.

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