Auf dem Wasser eines keinen Sees im Odervorland, dem Bereich zwischen dem deutsch-polnischen Grenzfluss Oder und dem Deich, schwimmen rötliche Pflanzen. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.09.2020 | Friedemann Hanke | Bild: dpa/Patrick Pleul

Sorge um Hochwasserschutz - Landkreis verweigert festen Wildschwein-Zaun

Der Kreis Märkisch-Oderland sieht weiterhin keine Notwendigkeit, einen festen Zaun gegen die Schweinepest an der Grenze zu Polen zu bauen. Dies würde die Deiche gefährden, heißt es. Im Süden laufen die Bauarbeiten für einen Schutzzaun schon.

Der Landkreis Märkisch-Oderland will Vizelandrat Friedemann Hanke (CDU) zufolge bei den Plänen für einen festen Zaun nicht mitziehen. Er begründete das am Donnerstag auf Anfrage des rbb mit hohen Kosten und dem zweifelhaften Nutzen.

Sorge um Hochwasserschutz

"Das werden wir als Landkreis nicht tun, und werden wir auch in Zukunft nicht tun“, so Hanke. "Man wird sich vor Aktionismus hüten müssen."

Hanke begründete, die Verantwortlichen wollten nicht die Deichanlagen zerstören; der Landkreis sei zu sehr von den Oderhochwassern geprägt. "Es wird früher oder später auch wieder Hochwasser geben und da möchte ich nicht in Erklärungsnot kommen, warum wir die Deichkrone zerstört haben", so Hanke.

Der Landkreis grenzt im Nordosten an die Oder. Die Deiche entlang des Flusses schützen das Oderbruch vor Überschwemmungen, denn das im 18. Jahrhundert trockenlegte Gebiet liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Wenn nun ein Zaun tief im Boden verankert werden müsse, so die Befürchtung, würde der Deich in Mitleidenschaft gezogen. Im Landkreis gibt es bereits jetzt Probleme, weil Bisame oder Biber Löcher in die Deiche graben oder diese anderweitig beschädigen.

Ärger ist vorprogrammiert

Hanke betonte, man sei außerdem nicht im Katastrophenfall. Selbst im Falle eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest herrsche dieser nicht. "Dann wird man nicht Zäune über Grundstücke anderer Menschen ziehen können und dem Land gehört in diesem Fall nur der Deich."

Im Falle eines Ausbruchs müsse, wie im Nachbar-Kreis Oder-Spree, sofort eingegrenzt werden, sagt Friedemann Hanke. "Und so ist auch die Strategie: erstmal den Wildzaun und dann den festen Zaun drum herum zu ziehen." Märkisch-Oderland hielte aber mobile Wildzäune bereit, um im Infektionsfall Kernzonen einzäunen zu können.

Der Vizelandrat geht zudem davon aus, dass die Haltung des Landkreises weiterhin für Ärger sorgen wird. "Das Land kann auf seinem Grund und Boden tun, was es will. Dann müssen sie aber darlegen, wie sie den Deichschutz gewährleisten wollen." Dabei sei in Märkisch-Oderland die Rede von 74 Kilometer Deich. "Es sind einige Kilometer ohne Deich", sagt Hanke. "Wenn das Land dort einen Zaun aufstellen will, dann sollen sie es machen. Aber wir sind in Größenordnungen bei Kosten, die in den Millionen-Bereich gehen, wo man sich gut überlegen muss, wofür man das Geld einsetzt."

Das Brandenburger Landwirtschaftsministerium wollte sich am Freitag auf rbb-Nachfrage nicht zu den Plänen des Landkreises äußern.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.09.2020, 06:30 Uhr

3 Kommentare

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  1. 3.

    Ja ja als wenn in Deutschland jemandem ein Grundstück gehört, Traumhaus bauen, nach Erdöl suchen oder Schatzsuche ist nicht drin. Man hat mit dem "KaUf" hierzulande lediglich ein erweitertes Nutzungsrecht.
    Also wird ja wohl den (MOL)-daviern der Zaun per Anordnung klar zu machen sein.

  2. 2.

    Wie gerade "Brandenburg Aktuell" zu entnehmen war, läuft die Kampagne zur Disziplinierung des aufmüpfigen MOL-Landrates planmäßig an.

  3. 1.

    Chapeau! Endlich mal eine klare Ansage. Respekt!

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