Ein argloses WIldschein (Quelle: dpa)
Video: rbb|24 | 17.09.2020 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: dpa

Schweinepest in Brandenburg - Suche nach Wildschweinen mit Drohnen und Hubschraubern

Von 15 bisher gefundenen Wildschwein-Kadavern sind sieben positiv auf Schweinepest getestet worden. Nun suchen die Behörden verstärkt nach toten Tieren, auch mit Drohnen und Hubschraubern. Zugleich wird die Sperrzone deutlich ausgeweitet.

Die Zahl der bestätigten Fälle von Afrikanischer Schweinepest in Brandenburg ist am Donnerstag auf sieben gestiegen. Wie das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Greifswald mitteilte, habe man bei einem weiteren Tier aus Neuzelle (Oder-Spree) das Virus nachgewiesen.

Am Mittwoch waren schon fünf Fälle aus Neuzelle bestätigt worden. Hinzu kommt ein Fall aus der Nähe von Schenkendöbern (Spree-Neiße). Die Ergebnisse des Landeslabors Berlin-Brandenburg müssen immer vom Bundesforschungsinstitut bestätigt werden. Die Zahl der gefundenen Kadaver ist inzwischen auf 15 gestiegen.

Schutzzonen werden ausgeweitet

Der Landkreis Oder-Spree hat wegen neuer Fälle der Afrikanischen Schweinepest eine Ausweitung der Kernzone angekündigt. Auf einer Info-Veranstaltung in Neuzelle sagte Landrat Rolf Lindemann (SPD) am Donnerstagabend, dass die Sperrzone jetzt die komplette Region zwischen Neißemündung und Eisenhüttenstadt umfasst. Dazu kommen einige Flächen im Nachbarkreis Spree-Neiße.

Auf den Flächen gelten Betretungsverbote, landwirtschaftliche Nutzung und Jagd sind untersagt. Das Gebiet soll umzäunt werden. Auch der Fahrzeugverkehr in und aus dem Kerngebiet soll weitgehend verboten werden - wie das geschehen soll, ist noch unklar. Mit den Maßnahmen soll eine weitere Ausbreitung der Tierseuche verhindert werden.

Fortgesetzte Suche nach Kadavern

Das Land Brandenburg rechnet mit dem Fund weiterer toter Wildschweine, die an der Afrikanischen Schweinepest gestorben sind. An der Neiße zwischen Neuzelle und Schenkendöbern wurde am Donnerstag die Suche nach weiteren mit der Afrikanischen Schweinepest infizierten Wildschweinen fortgesetzt. Im Einsatz sind auch Drohnen und ein Hubschrauber der Polizei. Am Montag werden Hundestaffeln aus Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz erwartet. Durchsucht werden der Gutspark Bomsdorf und Teile des Dorchetals im Landkreis Oder-Spree.

Das Land Brandenburg hat zusätzlich 100 Euro bzw. 150 Euro Prämie pro gefundenen Tier ausgelobt. Angesprochen werden auch Privatpersonen, die aber Wald- und Ackerflächen im Krisengebiet eigentlich nicht betreten sollen.

Kritik an Geldprämien

Kritiker der hohen Geldprämie befürchten jetzt einen Such-Tourismus in dem mehr als 1.000 Quadratkilometer großen Krisengebiet. Agrarminister Axel Vogel (Grüne) verteidigte diese Maßnahme. "Es ist notwendig, dass tote Tiere so schnell wie möglich gefunden und beprobt werden, weil auf der Basis ja auch weitere Restriktionen entschieden werden - oder aber auch zurückgenommen werden können", sagte er.

"Die Jagdausübungsberechtigten sind natürlich an allererster Stelle gefordert, aber es ist klar, dass sie das nicht alleine leisten können, sie werden auch Hilfe in Anspruch nehmen müssen", sagte er. Er bat darum, jeden Fund eines toten Wildschweins zu melden. "Entscheidend ist, dass die Information ankommt, wir sorgen dann dafür, dass die richtigen Leute hingehen, dass die Proben genommen werden und dass die Infektion nicht weitergetragen wird."

Rund um den ersten Fundort des toten Wildschweins mit Schweinepest wurde ein gefährdetes Gebiet mit Radius von bis zu 25 Kilometern abgegrenzt, in dem Restriktionen gelten. Die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen ist verboten. Eine Kernzone um den Fundort darf zudem gar nicht betreten werden.

Lockdown könnte sukzessive aufgehoben werden

Nach seinem Besuch im Schweinepest-Krisengebiet von Neuzelle am Mittwoch zeigte sich Agrarminister Vogel optimistisch, dass Einschränkungen für Landwirtschaftsbetriebe in betroffenen Gebieten gelockert werden könnten. Dazu soll es am Donnerstag eine Beratung mit allen Verantwortlichen im Landkreis Oder-Spree geben. So sei angedacht in Gebieten, "in denen die Fallwildsuche abgeschlossen ist und kein befallenes Wildschwein gefunden wurde", die landwirtschaftliche Nutzung sukzessive wieder zuzulassen.

"Das wird vermutlich beginnen mit dem Ausbringen von Wirtschaftsdünger, und es wird vermutlich beispielsweise bei niedrigwachsendem Getreide und Kartoffeln unproblematisch möglich sein, bei der Maisernte dagegen etwas schwieriger", sagte Vogel. Er sei zuversichtlich, dass der totale Lockdown für die Landwirtschaft nach und nach zurückgenommen werden könnte.

Bauernverband fordert Fonds

Währenddessen sagte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, dass die Schweinehalter im Land Brandenburg so schnell wie möglich Vorkehrungen treffen sollten, um ihre Tiere zu schützen. "Die Maßnahmen, die die Tierhalter jetzt durchführen, sind ganz wichtig", sagte er in einem Interview mit Radioeins am Donnerstag. Hier ginge es darum die sogenannte Biosicherheit herzustellen: "Das bedeutet, die Betriebe hermetisch abzuriegeln, vermehrt zu desinfizieren und alle Zugänge zu den Anlagen zu überprüfen und zu schließen." Mit diesen Seuchenmaßnahmen solle verhindert werden, dass Wildschweinerreger auf Hausschweine überspringen.

Wendorff forderte, dass alle Bundesländer einen gemeinsamen Fonds auflegen sollten, um die Maßnahmen gegen die Seuche finanzieren zu können. "Brandenburg hat jetzt eine gewisse Pufferfunktion für andere Regionen Deutschlands, und darüber hinaus auch für das Europäische Umfeld, das bisher nicht von der Schweineseuche betroffen ist", sagte er. Die erforderlichen Maßnahmen kosteten viel Geld, "mit einem Fonds könnten wir die Landkreise unterstützen, damit es nicht heißt, wir unterlassen Maßnahmen, weil das Geld fehlt". Die Maßnahmen müssten durchgeführt werden, um ganz Deutschland vor dem Virus zu schützen.

Beitrag von Mit Informationen von Sabine Tzitschke

2 Kommentare

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  1. 2.

    nicht seit Monaten, seit Jahren ist damit zu rechnen, dass die Schweinepest über die Oder oder die Neiße kommen wird. Noch nicht einmal die nötigen Elektrozäune mit allem was dazu gehört waren vorhanden, sollten erst am Montag beschafft werden, nachdem das Ergebnis des ersten Falls am Donnerstag vorlan. Stimmt, es läuft wieder mal.

  2. 1.

    Seit Monaten wird darüber gesprochen das die Schweinepest auch nach Deutschland kommen wird. Aber über daraus resultierende Maßnahmen scheint man sich im Vorfeld nicht so richtig Gedanken gemacht zu haben. Wie man den Fahrzeugverkehr raushalten soll weiß man nach einer Woche immer noch nicht. Läuft wieder mal

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